Von Sarnthein Riedelsberg (1.503 m) zum Rittner Horn (2.261 m) – 1. Etappe der Sarntaler Hufeisentour
2019 hatte ich meine letzte Hüttentour allein, daher ist es doch etwas ungewohnt, allein nach Südtirol zu fahren, allein im Gasthof zu Abend zu essen und heute morgen allein alles zu packen, einen Parkplatz zu finden und zu starten. Aber kaum merke ich, dass alles läuft, ist alles gewohnt. Man muss halt die Dinge mit sich selbst ausmachen. Zum Beispiel eine Stunde auf den Wanderbus in Sarnthein zu warten, weil Frau mal wieder nicht richtig gelesen hat. Das hätten mindestens 30 Minuten länger schlafen sein können.
Dafür unterhalte ich mich ganz nett mit der älteren Dame auf der Bank, die heute Morgen schon auf dem Bauernmarkt war. Nach und nach trudeln die Wanderbusse ein und meiner bringt mich und einige einheimische Wanderer zum Wanderparkplatz Riedelsberg auf 1.503 m. Damit spare ich mir die ersten 500 hm auf der Sarntaler Hufeisenrunde. Der Nachteil: Es geht sofort richtig steil bergan und meine Waden jaulen kurz auf. Aber das ist schnell vergessen, ich muss mich aufs Atmen konzentrieren ;-). Erst steige ich über Lärchenwiesen auf zur Almhütte Tengler auf. Die ist geschlossen, aber das macht nix. Ich habe gut gefrühstückt.
Danach steige ich durch den schattigen Wald auf einem schön zu gehenden Pfad immer zackig bergan. Es gibt nur wenige Stellen, die ein paar Schritte geradeaus gestatten. Die Blaubeeren am Wegesrand sind noch nicht reif, so dass es überhaupt keine Ablenkung vom Laufen gibt. Bei einem sehr großen Stein, auf dem ein Sarntaler der Sage nach gebetet hat, um den erzürnten Gott davon abzuhalten, das Sarntal mit den Steinen und Felsen der umliegenden Berge zuzuschütten, komme ich endgültig aus dem schattigen Wald und laufe durch Latschen immer in Richtung der Sarner Scharte. Es ist wie treppensteigen und ich merke schon bei 700 hm meine Oberschenkel, es warten aber noch 500 weitere.

Ich bin ja froh, dass ich wenigstens letztes Wochenende mal eine Tour gemacht habe, aber etwas mehr Training im Vorfeld wäre nicht schlecht gewesen. So muss ich mich auf meine etwas verschütt gegangene Kondition und den Kopf verlassen. Schritt für Schritt kommt das Schartl (2.381 m) näher und wie fast immer, wenn man auf die andere Seite schaut, gibt es wunderbare Aussicht. Etwas diesig und wolkig ist der Ausblick, dennoch liegt das gesamte Dolomitenpanorama vor mir und ich habe auch schon mein Ziel für heute, das Rittner Horn, im Blick.
Da mein Ziel nur optisch zum Greifen nah liegt, bleibe ich nicht so lange hier oben sitzen und steige hinab auf dem Weg Nr. 3, der mich schon seit Beginn begleitet. Über Geröll und Blockwerk verliere ich schnell an Höhe. Das Panorama und die Wegbeschaffenheit sind keine günstige Kombination. Schauen und Laufen führen doch zu einigen Stolperern, so dass ich mich mal lieber aufs Laufen konzentriere. Ich quere eine Art Hochebene mit vielen kleinen Lacken und Wasserfällen. Ich springe von Stein zu Stein, um trockenen Fußes durch das feuchte Gebiet zu kommen.
Bald wandelt sich der Untergrund und es gibt Wiesenpfade unter den Füßen. Ich höre Kuhglocken bimmeln und rieche Pferde und nicht lange, und ich sehe beides. An einer geschützten Stelle gönne ich mir eine späte Mittagsrast und genieße mein Vinschgerl mit Kaminwurz. Den noch vor mir liegenden Weg kann ich gut sehen und länger als eine Stunde dürfte es nicht mehr dauern. Es ist hier fast wie im Streichelzoo, am Gasteiner Sattel sehe ich noch Esel, Ponys und später auch noch Ziegen. Aber da bin ich schon fast da.

Die Beine haben durchgehalten, der Kopf auch, nur der Rücken muss sich noch etwas an den Rucksack gewöhnen. Ich kann in der Hütte gleich auf das Zimmer und ich freue mich wirklich, dass nur 8 Betten drin sind und zwar richtige. Duschen ohne Zeitbegrenzung ist der nächste Luxus und das wird nur noch von meinem Apfelstrudel auf der Sonnenterrasse getoppt.
Ein schöner erster Tag auf dieser Tour. Langsam realisiere ich, dass ich Zeit habe, langsam gehen und genießen kann. Jetzt begebe ich mich auf eine der Sonnenliegen und genieße den Gewinn von Gegenwart
12 km / 1.100 hm / 4 Stunden 30 Minuten

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