Urlaubseinstieg bei mal wieder schlechtem Wetter

Mutspitze  (2.294 m) – Der Hausberg von Dorf Tirol und Einstieg in die Texelgruppe – 12. Oktober

Kaum haben wir gestern die Alpensüdseite erreicht, weicht der wunderbar blaue Himmel und die prächtige Herbststimmung einem grauen, verregneten Tief, welches genau da hängt, wo wir auch hin wollen. Das ist dieses Jahr typisch für uns und unsere Ziele und daher nicht wirklich verwunderlich.

Heute ist es zumindest trocken und die Sonne blitzt etwas durch die Wolken. Also auf zu einem Gipfel, den wir jedesmal hier vor Augen hatten, jedoch noch nie in Angriff genommen haben, die Mutspitze, die sich über Meran und Dorf Tirol erhebt. Wir starten in Dorf Tirol und erleichtern den Aufstieg um fast 600 hm mit der Hochmuthseilbahn. Oben angekommen, erreichen gerade die ersten Läufer eines Berglaufs ihr Ziel. Was das wirklich bedeutet, können wir erst am Nachmittag erahnen. Diejenigen, die noch nicht genug haben, laufen weiter und überholen uns auf den ersten Kilometern.

Wir laufen auf einem sehr gut angelegtem Weg im Wald stetig bergan. Da merken wir auch nicht, dass man außerhalb des Waldes nichts mehr sieht. Kurz nach den Muthöfen, wo es der ersten Einkehr zu widerstehen galt, hätten wir uns auch noch für einen Teil des lang gehegten Traumes, die Spronser Seen entscheiden können. Wir wollen jedoch alle sehen, also geht es weiter Richtung Mutspitze. Bei dem Wetter treibt es nicht so viele nach oben, so dass wir fast allein aufsteigen und uns das Gelände nur mit den vielen Ziegen teilen. Für Kühe wäre es sicher zu steil.
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Treppenartig geht es sehr luftig zum Gipfel. Wir laufen in den Wolken, so dass wir nur ein paar Meter rechts und links überhaupt etwas sehen kann. Genau Mittags sind wir oben, das Wasser perlt auf unseren Gesichtern, was jedoch nicht von der Anstrengung kommt 😉

Bei gutem Wetter hat man hier oben sicher einen perfekten Rundblick über die Texelgruppe, Sarntaler Alpen, Dolomiten, ins Vinschgau und über Meran nach Süden. Das bleibt uns leider verwehrt, also müssen wir noch einmal hier hoch…

Wir steigen in nordöstlicher Richtung über die Taufenscharte ab. Das ist ein doch recht schmaler, treppenartig angelegter Steig, der auch bei Nebel ahnen lässt, dass man ziemlich tief blicken kann, wenn man denn könnte.

So langsam stellt sich der Hunger ein und wir beschleunigen, soweit möglich, damit wir die 1:20 h zur Leiteralm unterbieten. Das schaffen wir trotz einiger Fotostopps zuverlässig.
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Mit jedem Höhenmeter abwärts wird es heller und kurz vor der Leiteralm ist die Sonne da. Wir sitzen draußen und genießen Speckknödel und Kaiserschmarrn. Das ist doch etwas Entschädigung für die unwirtlichen Bedingungen oben am Berg.

Über den schönen Hans-Frieden-Felsenweg, der den Berg auf einer Höhenlinie quert, laufen wir zur Bergstation Hochmuth zurück. Jetzt, wie viele andere mit uns, bei schönstem Wetter und annehmbarer Sicht. Wir haben jetzt 1.000 hm hoch und runter geschafft, wollen aber die Läuferstrecke zumindest aus der Abwärtsperspektive noch schauen. Also lassen wir die Bergbahn links liegen und laufen für die nächste Stunde steil in Kehren bergab. Es fühlt sich an, wie eine Stunde Treppen steigen. Wir merken doch, was wir geschafft haben. 😉
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I gang gern auf die Kampenwand…

Von Aschau auf die Kampenwand (1.669 m) – 5. Oktober

Heute ging es früher los als am 3. Oktober und quer durch München, ebenso wie auf der Autobahn zahlt sich das wirklich aus. Nach etwas mehr als einer Stunde stehen wir auf dem Wanderparklplatz in Aschau. Es kann natürlich auch an der nicht ganz perfekten Wetterprognose liegen, die vielleicht den einen oder anderen Wanderer abhält.

Knapp 1.000 Höhenmeter liegen vor uns und wir freuen uns, dass dann mit Herzogstand, Benediktenwand, Wendelstein und Kampenwand alle must haves der bayerischen Voralpen in unserem Gipfelbuch stehen.

Es geht auf einem Sträßchen ziemlich forsch bergauf, also keine Chance zum Warmlaufen. Neben uns plätschert ein Bach, der immer wieder zu kleinen Wasserfällen angestaut wird. Es riecht durch den Nebel schon kräftig nach Herbst. Nach ein paar hundert Metern sind wir warm gelaufen. Bald kommt die erste Alm in Sicht und die Straße wird zum Forstweg und bald danach zum Steig. Es zieht auf und an der ersten Weggabelung merken wir, dass wir die angezeigten 4,5 Stunden zum Gipfel wahrscheinlich bei Weitem nicht brauchen werden.

Wir haben jetzt perfektes Wetter und über dem Tal liegt wie Watte der Hochnebel.

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Es steigen nur sehr wenige Wanderer mit uns auf, was uns sehr entgegen kommt. Die Bergbahn ist für die meisten wahrscheinlich doch das Beförderungsmittel der Wahl. Nach 90 Minuten können wir das erste Mal das Gipfelkreuz ausmachen. Etwas wolkenverhangen, aber immerhin können wir bis hoch schauen. Es liegt jetzt noch eine gute Stunde vor uns. Zum Glück wissen wir noch nicht, was uns auf den zweiten 30 Minuten erwartet. Wir kommen dem Hauptweg näher und sehen dann auch den Weg, der von der Seilbahn herüber führt.  Ja, wir sehen den Weg trotz der vielen Menschen noch. Auf den Gipfel führt anfangs fast eine Autobahn. Jeder muss natürlich schnell nach oben, daher reicht der Steig nicht und das Gelände ist komplett „zerlatscht“. Was wohl bei Regen oder Tauwetter passiert? Dann dürfte ziemlich viel von der Autobahn abgetragen werden. Hier trennt sich aber schon ein Teil der Spreu vom Weizen. Es ist steil und rutschig und viele sind i  der „Sonntags-Spaziergangs-Ausrüstung“ da. Plötzlich ist der Einsatz der Hände gefragt und es macht ziemlich Spaß. Der Weg verengt sich und ein ausgesetzter Weg führt teilweise luftig am Abgrund geradewegs nach oben. Zum Schluss noch eine seilversicherte Passage und wir sind, mit vielen anderen, am Gipfel.

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Leider hat es immer weiter zugezogen, so dass die Aussicht nicht so gut ist, was jedoch die Laune nicht trübt. Wir sind auf der Kampenwand. Die Wampn standen dem Unterfangen nicht im Wege und wir genießen unsere Brotzeit unweit des riesigen Gipfelkreuzes, welches in der Nachkriegszeit das durch Blitzschlag zerstörte Holzkreuz ersetzte und ohne Hilfsmittel auf den Gipfel gebracht wurde.

Der Abstieg ist schnell gemacht, da wir wohl die Mittagsflaute oder die Mittagspause der Seilbahn erwischten; jedenfalls kam fast kein Nachschub von unten. Über den Hauptweg und durch ein kleines Skigebiet verlieren wir schnell an Höhe und kehren fast am Ende der Rundtour in der ersten Alm von heute Morgen ein. Wir sitzen wieder in der Sonne und gönnen uns, nachdem der Kaiserschmarrn aus ist, ein riesiges Stück Käsekuchen.

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Den Weg nach München zurück teilen wir uns mit sehr vielen Autofahrern. Aber nach einer trotz Bergbahnanschluss doch ganz gelungenen Tour, halten wir das noch aus. Sind wir ja doch irgendwie seit langem gewöhnt.

Nostalgietour

Wie die Kampenwand zum Wendelstein wurde

Es ist Hochnebel  in München, wie so oft. Also machen wir uns nach einem Langschläferfrühstück auf zu einer Langschläfertour. Wir glauben noch, dass an einem 3. Oktober nach 10.00 Uhr bestes Durchkommen auf der Autobahn ist, also gehen wir mal einen der absoluten Touristen-Berge in den bayerischen Voralpen an, die Kampenwand. Die Voraussetzungen zur Erfüllung aller Klischees sind gegeben – hoher Bekanngheitsgrad und Erschließung durch eine Bergbahn sowie dann nur noch wenige Höhenmeter zum Gipfel. Aber man muss doch mal oben gewesen sein und wir schaffen es auch in ein paar Stunden hin und zurück.

Nachdem wir knapp 2 Stunden zum Irschenberg gebraucht haben und keine Aussicht besteht, dass es mit dem Verkehr besser wird, ändern wir den Plan. Aus Kampenwand wird Wendelstein und wir starten doch schon kurz vor 13.00. Der Vorteil: Keine Spur mehr von Hochnebel. Wir laufen bei phantastischem Herbstwetter auf den Gipfel zu.

Auf den Tag genau vor 14 Jahren war dies die erste wirkliche Bergtour für mich. Wir laufen auch den gleichen Weg, quasi auf den Spuren der Vergangenheit.

Es ist kein fordernder Aufstieg, eher eine Genusstour. An der Wendelstein Seilbahn starten wir und laufen durch bunten Herbst immer leicht bergan. Die ersten Gasthöfe locken schon nach wenigen Minuten. Wir laufen dennoch daran vorbei.

Mit jedem Schritt wird die Aussicht besser und wir genießen es wirklich nur mit sehr wenigen Wanderern aufzusteigen.

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Oben angekommen, ändert sich das Bild schlagartig. Die letzten Meter zum Gipfel schlängeln wir uns mit vielen anderen nach oben. Entsprechend wird meine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Aber der Rundblick entlohnt.

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Nachdem wir in Summe sehr schnell waren, wollen wir natürlich auch zu Fuß wieder runter. Da es langsam frisch wird, gönnen wir uns im Wendelsteinhaus nur eine kurze Pause. Beim Abstieg frieren wir im Schatten bereits und rennen daher fast schon abwärts.

Alles in allem eine schöne Wanderung, die man trotz der angezeigten Zeitangaben von 3,5 h im Aufstieg und 2,5 Stunden im Abstieg in ca. der Hälfte der Zeit schaffen kann.

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Sonne, Weitblick und eine wirklich entspannte Tour

Von St. Johann auf das Kitzbüheler Horn  (1.998 m)

Auf uns wartet ein Wochenende auf der Angereralm in St. Johann/Tirol. Kein klassisches Wanderwochenende, aber bei der Wetterprognose und den unzähligen abgebrochenen Touren dieses Jahr, nehme ich jede noch so kleine Möglichkeit dankbar an.

Freitag Abend starte ich von Apfeldorf und schaffe es noch vor Einbruch der Dunkelheit zur Hütte. Ein unspektakulärer Spaziergang mit lediglich 500 hm, jedoch sehr entspannend. Auch die gelegentlichen Regenschauer haben dem nichts anhaben können.

Am Samstag zog es pünktlich nach dem Frühstück auf und die Sonne lachte von einem blank geputzten Himmel. Also schnell in die Wanderklamotten und los. Bis zur Bergstation der Seilbahn war der Weg ein breiter Forstweg, der sich in Kurven mit immer wieder schönen Ausblicken um den Berg schlängelt.

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Am Abzweig zum eigentlichen Aufstieg trennt sich die Gruppe, so dass wir zu viert die zweite Hälfte des Aufstiegs angehen. Jetzt wird es ein wunderbar zu gehender Steig, der immer wieder mit tollen Aus- und Einblicken aufwartet. Immer ganz nah am Abgrund gewinnen wir an Höhe, den Wilden Kaiser immer im Blick. Was uns nach den letzten Metern Aufstieg erwartet, habe ich für dieses Jahr nicht mehr zu Hoffen gewagt.

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Vor uns liegen Großglockner- und Venedigergruppe. Über die Zillertaler Alpen bis hin zu Zugspitze und immer wieder Wilden Kaiser sehen wir uns einem perfekten Panorama gegenüber. Mehr geht nicht.

Jetzt ein Weißbier, eine kleine Stärkung und die Sonne genießen.

Der Abstieg erfolgt mangels Zeit auf dem Anstiegsweg. Wir sind nach dem Gewimmel am Gipfel (Seilbahn…) froh, wieder auf unsere ruhige Seite gehen zu können.

Der Abstieg ist schnell geschafft. Es war eine nette, nicht wirklich anstrengende Tour, die für die zur Verfügung stehende Zeit ideal war.

Mal sehen, was noch kommt…