35 km, 1.700 hm, 7 Stunden – Karwendelmarsch für Anfänger

Von Scharnitz über das Karwendelhaus und die Falkenhütte in die Eng

Verschenkt man so eine (Tor)Tour? Ich habe es jedenfalls getan und so fanden wir uns am Freitag Nachmittag im Auto wieder und sind nach Scharnitz gefahren. Es war eine ziemlich gute Idee, die Startunterlagen – ja es ist ein Wettkampf – noch am Freitag Abend zu holen. Es spart morgens Zeit und wir hatten gleich die Orientierung für Samstag.
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Isarquellen und ganz viele Kilometer

Vom Karwendelhaus zur Hallerangeralm (1.765 m)

Pünktlich 19.30 Uhr ging der Hüttenstube von Tisch zu Tisch und gab die Wetterprognose bekannt. Von der Überquerung des Schlauchkars hat er aufgrund des Altschnees dringend abgeraten und stark für die Variante über Scharnitz plädiert. Viel Lust habe ich auf die mir bevorstehenden knapp 40 km nicht; einen Abgang im Schneefeld mit ungewissem Ausgang möchte ich jedoch tunlichst vermeiden. Also ist die Entscheidung klar. Mit mir teilt noch ein Ehepaar aus Bayern das Zimmer. Die liegen jedoch um 20.30 Uhr schon im Bett, so dass ich mich nicht mal traue, mit meinem Gepäck zu rascheln. Mit lesen ist da natürlich auch nichts mehr. Also ist schlafen angesagt. Körperlich bin ich auch ziemlich müde, aber der Kopf ist noch nicht ausgearbeitet. Ich liege lange wach und laufe die morgige Tour schon mal vorab.

7.00 Uhr gibt es Frühstück. 4 Scheiben Brot (für Insider: altes Brot) mit Butter, Marmelade und Honig für 7.50 Euro. Das ist selbst für eine Hütte deftig. Ich packe alles, was ich nicht esse, ein und bin 7.40 Uhr auf dem Weg. Anfangs noch in den Wolken, laufe ich ziemlich bald bei strahlendem Sonnenschein das Wendeltal hinaus.

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Es sind fast 3 Stunden bergab und geradeaus, bis ein Abzweig zu Gasthaus „Wiesenhof“ kommt. Über den Karwendelsteig laufe ich dahin, was einer Abkürzung von fast einer Stunde entspricht. Unterwegs fehlte zwar die Beschilderung, aber einige urlaubende Landsleute konnten mir helfen. Heute wäre jeder Meter mehr ziemliche Quälerei. Vom Gasthof sind es drei Stunden zur Kastenalm, an der ich Pause machen möchte. Ich rechne damit, etwas schneller zu sein. Das funktioniert heute jedoch nicht. Dafür laufe ich entlang der Isar, was mir erst dann bewusst wird, als die Isarquellen ausgeschrieben sind.

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Von den Quellen sind es noch weitere, zähe 45 Minuten, die endlos hinziehen. Heute habe ich mir die Pause redlich verdient und sie fällt mit frischer Buttermilch und Käsejause etwas üppiger aus. Danach erwarten mich noch 90 Minuten Aufstieg, mit 500 hm. Das fällt mir ziemlich schwer, was nicht am vollen Bauch sonder an 6 Stunden strammen Marschierens liegt. Aber das schaffe ich jetzt auch noch

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Über wunderschön blühende Almwiesen und zwischen Kühen mit Kälbchen hindurch laufe ich ohne Pause zur heiß ersehnten Hallerangeralm. Hier bekomme ich ein kleines Einzelzimmer, worüber ich sehr glücklich bin. Leider ist die Heizungsanlage kaputt, so dass leider eine kalte Dusche ansteht. Egal, meine Füße brauchen Erfrischung und der Rest auch 😉

Morgen entscheide ich, wie es weiter geht. Entweder von Hall zur Glungezer Hütte. Das mache ich nur, wenn es für Samstag eine gute Prognose für die Gratwanderung zur Lizumer Hütte gibt. Zweite Variante ist die Voldertaler Hütte und von dort zur Lizumer Hütte. Sollten meine müden Knochen einen halben Ruhetag brauchen, übernachte ich in Hall und fahre von dort der Lizumer Hütte ein Stück entgegen.

Für heute reicht es mir wirklich und ich bin froh, dass es nicht geregnet hat, sonst wäre ich wahrscheinlich heimgefahren. So sitze ich auf der Hütte und warte auf meine beiden Berliner Jungs.

Heute Abend gibt es noch Goethes „Italienische Reise“ für den noch wachen Kopf…