Geduld und Gelassenheit

Vom Rittner Horn (2.261 m) zum Latzfonser Kreuz (2.305 m) – 2. Etappe der Sarntaler Hufeisentour

…sind ja die bei mir am stärksten ausgeprägten Charaktereigenschaften und die werden heute wahrlich gefordert. Aber von vorn.

Ich habe gestern einen entscheidenden Fehler gemacht. Das Bett am Fenster war frei und ich habe es nicht genommen. Die Strafe folgt auf dem Fuße und die zwei Ladies am Fenster, beschließen, dass es geschlossen bleibt in der Nacht. Zu acht im Zimmer wird es ziemlich kuschelig. Trotz dieser Einschränkung und eines Schnarchers (warum sind das immer Männer?!) schlafe ich vergleichsweise gut und werde erst gegen 7:00 Ihr wach.

Nach dem gemütlichen Frühstück starte ich und bin wohl die erste, da ich niemanden vor mir auf dem Weg zum Gasteiner Sattel sehe. Es ist noch ziemlich bewölkt und die Sonne muss kämpfen. Ich laufe ein Stück des gestrigen Weges zurück und bleibe dann jedoch auf dem Weg Nr. 1. Wieder über Kuh- und Pferdeweiden geht es so dahin. Ich muss über ein Tor steigen, vor dem eine ganze Pferdeherde steht, ab die sind alle sehr entspannt, obwohl ich mitten durch muss. Dann geht es an einer Alm vorbei zum Rittner Bildstock. Die Wegmarkierungen fehlen zwar, aber es gab nur den einen Weg. Ich laufe tw. durch den Morast aufwärts und hoffe an dem Steinmännlein auf dem Bergrücken ein Zeichen zu finden. Weit gefehlt und daher drehe ich um. Unterwegs begegnet mir die Sennerin, die mir grob den Weg zeigt. Ich laufe trotz ihrer Beschreibung zur Alm zurück und zu dem Tor mit den Pferden. Und genau dort habe ich den Fehler gefunden. Ich war so mit den Pferden beschäftigt und mit fotografieren, dass ich das entscheidende Hinweisschild übersehen habe. 200 hm und 45 Minuten Zeit hat mich der Spaß gekostet, aber jetzt bin ich auf dem Weg zum Rittner Bildstock und sehe ihn auch schon.

Dahinter ist ein Tor mit jeder Menge Hinweisschildern und mein Weg zum Totenkirchlein führt vor dem Tor nach oben. Und ich steige wieder durch Rinder- und Pferdeweiden bergauf. Wieder ist etwas komisch, da ich weder den versprochenen See noch die Kirche sehe. Ich sehe stattdessen das Gipfelkreuz des Zwölfernock und nachdem ich mal etwas näher an die Abbruchkante (also nicht nahe, nur näher) gehe, sehe ich unterhalb den See und das Kirchlein. Ich könnte jetzt über den Gipfel auf- und zum Kirchlein absteigen. Da ich diesen sehr steilen Weg nicht einschätzen kann und meine 10 kg auf dem Rücken auch nicht zu unterschätzen sind, geht es wieder hinab zum Tor. Ich bin schon 11 km gelaufen und echt murrig. Hinter dem Tor versteckt steht nochmals der Hinweis zum Kirchlein aber jetzt mag ich nicht mehr. Ich nehme den sicher zum Ziel führenden Weg 1 und quere ein Moor. Teilweise liegen Bretter aus aber zum Teil hüpfe ich auch von Grasbüschel zu Grasbüschel. Irgendwann quert der Weg 16, der mich zur Stöfflhütte bringen könnte. Ich wage das Experiment und brauche in der Mittagshitze auf dem Forstweg nur einen Schritt vor den nächsten setzen. Es war eine gute Entscheidung, die Speckknödelsuppe tut mir so gut und ich starte wirklich gut auf die verbleibende Strecke. Es geht über Weideland immer etwas ansteigend nach Norden, immer ein herrliches Dolomitenpanorama im Blick. Irgendwann schlängelt sich der Weg um eine Linkskurve und ich sehe das Latzfonser Kreuz – Europas höchstgelegene Wallfahrtskirche und die Schutzhütte gegenüber vor mir liegen. Wie herrlich. Rasch bin ich die 1,5 km noch hinübergelaufen und belohne meine Geduld und Gelassenheit mit einem Apfelstrudel.

Ich genieße den Nachmittag auf der Sonnenterrasse und quatsche mit Pia, die ich schon gestern kennengelernt habe quasi den gesamten Abend. Wieder bestätigt es sich, dass ich auf der Hütte immer jemanden kennenlerne um das sprechen in den Tagen unterwegs nicht zu verlernen.

Mit einem herrlichen Alpenglühen verabschiedet sich die Sonne hinter der Kassianspitze und ein Tag, der mich viel gelehrt hat – auch über mich selbst. Jede Tour hat ihr Tief und wenn heute das Tief meiner Tour war, bin ich happy…

5 Stunden 45 Minuten, 900 hm und 22 km

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