Auf einen Spaziergang eingestellt

Vom Latzfonser Kreuz (2.305 m) zur Flaggerschartenhütte (2.481 m) – 3. Etappe der Sarntaler Hufeisentour

Die zweite Nacht im Lager war so etwas wie due Vorhölle. 20 Menschen haben über das gesamte Dachgeschoss der Hütte verteilt geschlafen und die Fenster waren offen – soweit so gut. Allerdings fließt bei einigen doch recht viel Alkohol, der dann insbesondere bei der männlichen Spezies dazu führt, dass sie den Weg ins Bett nur lärmend finden und gefühlt eine Minute später diesen Lärm in Schnarchlärm zu verwandeln. Es war ein wahres Konzert und ich habe sehr lange kein Auge zugetan – trotz Ohrstöpsel. Aber: Here comes the sun und ein neuer Tag brach an.

Zwar nicht mit Sonne, aber nach der Nacht war mir das egal. Es gab ein ordentliches Frühstück und da die Wanderung heute mit nur reichlich vier Stunden ausgeschrieben war, habe ich vor der Hütte noch herumgebummelt. Ich will ja nicht kurz nach dem Mittag schon auf der nächsten Hütte sein.

Halb neun bin ich gestartet und gleich nach der ersten Kurve ging es zur Fortschellscharte, nur wenige Höhenmeter oberhalb der Hütte. Von da sieht man einen großen Teil der Tagesstrecke, was ich jedoch erst Stück für Stück realisierte. Heute gibt es wenige Höhenmeter und dafür viel Höhenweg und so lässt es sich auch an. Über Wiesen- und Schotterpfade geht es mal leicht auf und mal leicht abwärts. Ich mache gefühlt hinter jeder Wegbuegung eine Pause, da ich – obwohl nicht als erste gestartet – schon alle überholt habe .

Letzte Almrosen blühen noch

Nach ungefähr der Hälfte der Strecke wechselt der Untergrund und es wird felsig und großteils über Blockwerk und große Steine geht es noch um einige Bergrücken herum. Ich gehe gern auf diesem Untergrund und gewinne etwas an Geschwindigkeit. Das ist mir jetzt jedoch egal. Jedoch werden die Anstiege häufiger und häufig auch länger und anstrengend. Eigentlich hatte ich den Tag mit 450 hm in die Kategorie ‚Spaziergang‘ gesteckt. Dass es das nicht ganz ist, liegt sicher auch an der Hitze. Drei Tage wirklich Hochsommer auf über 2.000 m strengen auch an, so schön es ist, wenn man noch lange vor der Hütte sitzen kann, ehe es kalt wird.

Um die Mittagszeit steht der Anstieg zum Tellerjoch an und auch wenn es nur so um die 200 hm sind; mit der Sonne im Rücken und richtig steil ansteigend strengt es mich heute richtig an. Der Kopf will einen Spaziergang. Oben realisiere ich, dass es auf der anderen Seite wieder ordentlich bergab geht, auf einem nicht wirklich knieschonenden Steig. Auf halber Höhe umrunde ich noch zwei Bergrücken – immer noch auf felsigem Grund und und dann darf ich die verlorenen Höhenmeter zur Hütte wieder einsammeln. Wenige Schritte oberhalb der Flaggerscharte ist auch gleich die Hütte und dahinter der Flaggerschartensee. Der Spaziergang endet mit 200 hm mehr, als erwartet. Nicht schlimm, aber es ist schon interessant zu sehen, wie der Kopf damit umgeht.

Da auf der Terrasse augenscheinlich nicht bedient wird, hole ich mir meine obligatorischen Apfelstrudel und etwas zu trinken direkt drinnen und genieße die Ruhe auf def Hütte, ehe alle eintreffen, die mit mir auf der Hufeisentour sind. Ich lasse mir dann meinen Lagerplatz geben. Heute ist es ein schönes Lager, eher wie Mehrbettzimmer und ich habe den Platz am Fenster. Hier oben auf knapp 2.500 m wird die Hütte mit Hubschrauber versorgt und zum Waschen gibt es kaltes Wasser oder den See hinterm Haus – ich nehme das kalte Wasser, da es besser zu dosieren ist, als der kalte Bergsee.

Dass das Essen auf der Hütte eher unterirdisch ist, wussten wir schon von Wanderern gestern, aber dass es auch zum überleben nach einem Wandertag nicht ausreicht, hätte ich nicht gedacht. Nach einer Frittatensuppe gab es weiße Bohnen mit etwas Karoffel in einer Tomatensauce. Auf meinem Teller waren so um die 25 Bohnen und zwei Scheibchen Kartoffeln und es gab noch Teller mit weniger drauf. Brot gab es auf Nachfrage bon drei jungfn Frauen, die mit mir am Tisch saßen nicht, das war für den nächsten Tag und einen Nachschlag gab es auch nicht. Wirklich bitter – es schmeckt nicht und es ist nicht ausreichend – das geht überhaupt nicht. Dass die hubschrauberversorgten Hütten deutlich eingeschränkter im Angebot sind, ist völlig klar. Ich war schon in so einigen, und es gab nie etwas am Essen zu mäkeln. Aber wahrscheinlich denkt man sich, die müssen hier alle einmal durch auf der Tour und kommen danach eh nicht mehr.

Die Stimmung war schlecht und für mich der Abend dann auch früh zu Ende. Ich gabe jedoch sehr gut geschlafen und wohl das erste Mal in meinem Leben die Ohrstöpsel richtig angewendet. Ich habe nix gehört.

10 Kilometer / 4 Stunden 15 Minuten / 629 hm

*enthält unbezahlte Werbung, da Namensnennung

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