Ein kurzes Träumchen

Von der Flaggerschartenhütte (2.481 m) zum Gasthof Alpenrose am Penser Joch (2.211 m) – 4. Etappe der Hufeisentour

Heute ist der erste Tag, an dem uns gleich morgens strahlender Sonnenschein erwartet. Nix wie Schuhe an, Jacke drüber und raus. Vor der Hütte weidet eine kleine Herde Schafe und es ist eine wunderbare Stimmung mit dem See, der Hütte und dem sanften Morgenlicht. Es ist windstill und angenehm mild. Nach dem übersichtlichen und etwas unorganisierten Frühstück wollen alle irgendwie gleich weg von hier – ich auch.

Morgenstimmung an der Flaggerschartenhütte

Die Tour ist mit 6 Stunden in der Beschreibung und mit 4 Stunden 20 Minuten auf dem Wegweiser an der Hütte. Ich bin mal gespannt, wo ich landen werde. Schlag 8:00 Uhr bin ich unterwegs und heute gibt es nicht eine Minute zum warmlaufen. Gleich wartet der erste Anstieg des Tages und im Abstieg gibt es auch noch etwas seilversicherte Kraxelei. Das mache ich natürlich lieber ohne die 10 kg auf dem Rücken, aber auch mit war es eine schöne, kleine Portion Adrenalin am Morgen. Danach geht es gleich wieder hoch zur ersten Scharte des Tages und danach über Fels und Geröll ein ganzes Stück steil abwärts auf die Ausläufer einer Hochebene mit viel Gras/Blumen, vielen Schafen und einigen sanft plätschernden Bächen. Idylle pur.

So schlendere ich über eine lange Zeit in dieser morgendlichen Idylle dahin. Murmeltiere spielen in der Sonne oder machen Fellpflege, da könnte ich ewig zuschauen. Hier oben kreuzen sich immer wieder einige Wanderwege und am Distelsee (da stehen ganz viele von den schönen Exemplaren, die meine Schwiegermama so liebt) steht plötzlich, dass es zum Penser Joch nur 2 Stunden 20 Minuten sind. Hoppla, ich bin ja gerade mal eine Stunde unterwegs. Also heißt es wieder „Gewinn von Gegenwart“ einzuplanen und große Steine mit guter Aussicht zum Sonnenbaden, Schauen und Gedanken fließen lassen, zu nutzen. In einer meiner Bewegungsphasen treffe ich einen Wanderer, der vom Penser Joch kommt und eine sehr interessante Weitwanderung macht. Er ist in Garmisch gestartet und ist über Wettersteingebirge, Mieminger Berge, Sellrain und Stubaital jetzt in Südtirol angekommen – 12 Etappen und es kommt natürlich auf meine Liste 😉

Er ordnet die Entfernung zeitlich etwas ein und gibt mir zwei Stunden mit. Das liegt rechnerisch irgendwo zwischen den 4 Stunden 20 Minuten und den etwas mehr als 3 Stunden aus meiner Gehzeit und dem Wegweiser unterwegs. Dass es 6 Stunden werden, halte ich inzwischen für ausgeschlossen.

Davon habe ich heute unglaublich viele gesehen

Am Ende dieser Hochalm geht es mal wieder steil aufwärts, wie Treppensteigen. Das ist schon ein Kennzeichen der Tour, entweder recht sanft dahin oder zackig bergan. Der Aufstieg zieht sich etwas und die Sonne brennt wieder im Nacken. Oben angekommen pfeift jedoch ein ordentlicher Wind und der begleitet mich um einige Bergrücken herum. Ich denke jedes Mal, dass das die letzte Kurve sein muss und jedes Mal kommt mindestens eine weitere.

Mein Ziel sehe ich auch nicht nach einer Kurve, sondern nach einem der seltenen leichten Anstiege. Vorher aber gibt es noch ein zigfaches Rucksack ab, Jacke an, Rucksack auf und wieder zurück. Der Wind ist kalt, die Sonne ist heiß und beide liefern sich ein schönes Wechselspiel.

Aber irgendwann sehe ich das Penser Joch und den Gasthof Alpenrose, nicht ganz so idyllisch wie die Szenerie des Tages, aber wir werden so herzlich begrüßt. Wir, dass sind Pia und ich. Wir haben uns auf jeder Hütte getroffen, schon viel miteinander gequatscht und heute laufen wir nahezu gleichzeitig ein. Auf der Terrasse ergattern wir noch ein Plätzchen und bestellen identisch Cappuccino und Apfelstrudel. Nach der ungewollten Diät haben wir uns den mehr als verdient. Und er schmeckt wirklich „richtig guat“.

Die Chefin hier empfängt uns auch so nett und zeigt uns um 13.30 Uhr bereits unsere Zimmer. Ein wahrer Luxus – ein Zimmer für mich und Duschen für 5 Minuten und am Nachmittag dem Gewitter vom Bett aus zuschauen und etwas Rückzug zu haben. Heute Abend gibt es a la carte und ich nehme ein Alpentrio mit Käse- und Spinatknödel und Schlutzkrapfen. Ein Traum.

So bleibt als Fazit für den Tag: Landschaftlich der bislang schönste Abschnitt der Tour und kulinarisch ein Highlight – ein Träumchen also.

10,3 Kilometer / 3 Stunden 50 Minuten / 423 hm

* enthält unbezahlte Werbung aufgrund Namensnennung

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