Auf unbekannten Wegen in altbekannten Terrain

Von Feldrand (1.300 m) über das Missensteiner Joch (2.128 m) zur Meraner Hütte (1.960 m) – 6. Etappe der Sarntaler Hufeisentour

Die Voraussetzungen für guten Schlaf waren gegeben – ein Einzelzimmer im Hotel mit wirklich bequemen Bett, Ruhe und ordentlich Bewegung tagsüber waren gegeben, aber wahrscheinlich hat im Kopf noch viel nachgearbeitet. Lange Rede, kurzer Sinn – es war eine schlechte Nacht und ich war deutlich vor dem Weckerklingeln wach. Um etwas Zeit zu gewinnen bin ich mit einer Runde Yoga in den Tag gestartet und habe dann ausgiebig gefrühstückt. Gegen 9:00 Uhr bin ich gestartet und ich war froh, dass alles passte und ich die 6. Etappe in Anspruch nehmen konnte. Das Wetter: perfekt. Die Füße: okay. Die Muskeln: etwas müde aber grundsätzlich in Ordnung.

Los geht es entlang der Talfer auf dem Radweg in Richtung Aberstückl und dort auf einer schmalen Asphaltstraße über mindestens 3 Kilometer und 300 hm hinauf zu den Bergbauernhöfen, die an den steilen Hängen kleben. Sehr interessant zu sehen, weniger schön zu laufen. Die Sonne heizt schon ordentlich ein und es weht nicht einmal ein kleines bisschen Wind. Kurz vor dem Wanderparkplatz geht es links auf einen Weg, der dann endlich zum Sagenweg führt, auf den ich schon ewig hinlaufe. Ich steige hinab in eine Schlucht und auf der anderen Seite wieder hinauf. Ab dort begleiten mich neun Sarntaler Sagen bis zur Durralm. Ich habe ja unglaublich viel Zeit und lese sie alle. Nach der Durralm geht es immer noch auf breiten Wegen im schattigen Wald bis zur Kaserwiesalm, die idyllisch unter dem Kesselwandjoch und der Essenbergspitz liegt.

Bergbauernhöfe

Jetzt wird der Pfad schmaler und durch Almrosenwiesen schlängelt sich der Pfad steil bergan zum Missensteiner Joch. Jetzt ist vorbei mit der Ruhe und dem alleine Wandern. Es wimmelt von Menschen hier oben, aber das war ja erwartbar. Jetzt ist es erst kurz vor 13:00 Uhr und ich habe nicht mal mehr 30 Minuten zur Meraner Hütte. Da ich auch Hunger habe, überlege ich mir, ein paar Meter früher in der Kirchsteigeralm einzukehren. Leider habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der saniert nämlich gerade die Hütte. Dann also doch gleich zur Meraner Hütte. Komisch ist, dass genau zur Mittagszeit so wenig Betriebsamkeit bei der Hütte ist. Es stellt sich heraus, dass sie aus gesundheitlichen Gründen heute geschlossen hat. Für Hausgäste gibt es eine Telefonnummer, die bei mir jedoch nicht funktioniert bzw. keiner abnimmt. Ich sehe mich schon hungrig 3 Stunden ins Sarntal absteigen mit zwei kleinen Äpfeln im Rucksack.

Blick zurück zum Sarner Weißhorn

Dann sehe ich doch jemanden, der Chef, wie sich herausstellt. Seine Frau hat eine dringende Untersuchung in Meran und er muss sie fahren. Er lässt mich in mein Einzelzimmer (!) und vertröstet mich auf das Abendessen 19:30 Uhr. Na gut, dann muss ein Plan B für das Mittagessen her. Aber erstmal frisch machen, denn jetzt ist noch Ruhe im Haus. Dann – sauber und in frischen Klamotten – entscheide ich mich, dass ich heute nicht mehr laufen mag. Ich weiß auch wie ich es bewerkstellige, etwas zu Essen zu bekommen und das mit nur einer überschaubaren Anzahl von Schritten. Ich laufe hinab zur Mittagerbahn, kaufe mir für faire 7 EUR eine Berg- und Talfahrt und genieße wenig später auf der Mittagerhütte einen Apfelstrudel mit einem Hauch von Dolomitenblick. Dann schwebe ich satt und glücklich wieder hinab.

Nachdem ich etwas Nachtschlaf nachgeholt habe, treffe ich Pia im Speiseraum und wir verquatschen den Nachmittag. Zum Abendessen bekommen wir noch drei Personen an unseren Tisch. Eine Innsbruckerin, die mit ihrer Bremer Freundin auch das Hufeisen geht und Richard aus London, der seit 30 Jahren in Australien lebt und seit fünf Wochen auf der Via Alpina wandert. Dass das der beste Hüttenabend der Tour wird, wird schnell klar. Es gibt für alle viel zu erzählen. Viel zu schnell verfliegt die Zeit und der Hüttenwirt ermahnt uns 22:02 Uhf sehr deutlich. Also ab ins Zimmer und auf in die letzte Nacht auf meiner Tour.

12,6 km / 953 hm / 3 Stunden 55 Minuten

*unbeauftragte Werbung aufgrund Namensnennung

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