Herzklopfen bis zum Hals

Von der Meraner Hütte (1.937 m) nach Sarnthein (900 m) – 7. und letzte Etappe der Sarntaler Hufeisentour

Ich wollte ursprünglich diese letzte Etappe nicht verbloggen, da knapp 180 Minuten bergab laufen nicht wirklich als Tagesetappe durchgehen. Doch es ist anders gekommen.

Der Tag startet wie so häufig vor dem Weckerklingeln. Ich schiebe es eher auf das Alter als auf die Umgebung und die Rahmenbedingungen, die sind nämlich eher schlaffördernd (Bewegung, ruhige Umgebung,…). Da ich es nicht ändern kann, nutze ich die Gelegenheit, meinen Rucksack schon vor dem Frühstück fertig zu packen. Im Einzelzimmer dauert das auch immer etwas länger, da man lang nicht so ordentlich und platzsparend agieren muss, wie im Lager. Vor dem Frühstück genieße ich noch etwas milde, frische Bergluft und etwas Internetempfang auf der Terrasse, um den gestrigen Blogbeitrag hochzuladen.

Das Frühstück war, ebenso wie das Abendessen gestern, perfekt. Leider hatte ich aufgrund des sehr guten und üppigen Essens gestern Abend nur wenig Kapazitäten für das Frühstück. Daher bin ich mit ‚leichtem‘ Gepäck so gegen 8:30 Uhr gestartet. Kurz hinter der Meraner Hütte fand ich Weg Nr. 3 als kürzesten Weg nach Sarnthein heraus. Drei Mal habe ich in meine Wanderkarte geschaut und ihn dort nicht gefunden. Egal, es gibt Wanderschilder und irgendjemand wird sich dabei schon etwas gedacht haben. Also folge ich dem Weg. Es geht erst etwas aufwärts in Richtung Kreuzjöchl und Stoanerne Mandln, der original Abstiegsroute der Hufeisentour, dann jedoch über Wiesenpfade und im Wald abwärts. Das Absteigen währt nur kurz, dann geht es ewig gerade aus. Zur Abwechslung gibt es junge Kühe hier oben, die sich gerade ihr Frühstück einverleiben. Zwei graue stehen in etwas größerer Entfernung so schön da, dass ich kurz mein Handy zücke, um ein Foto zu machen.

Wenige Meter später gabelt sich der Weg und ich muss kurz die Schilder lesen und entscheiden, wie ich weiter absteige. Plötzlich stehen die beiden nur wenige Meter vor mir. Ich laufe weiter und sie folgen mir. Ich bin nicht sicher, ob sie mir nur folgen, mit mir ’spielen‘ wollen oder mich als Eindringling in ihr Revier sehen. Ich tippe auf Letzteres und laufe schneller, was sie auch tun. Es ist mir wirklich nicht geheuer und mir klopft das Herz bis zum Hals. Nach einiger Zeit biegt der Weg links in den Wald ab und die beiden können mich nicht mehr so gut sehen. Zum Glück für mich, denn sie folgen mir nicht weiter.

Puh, das sitzt mir schon in den Knochen, denn ich bin ihnen nicht zu nahe gerückt, sonst hätte mich jede Kuh diese Woche verfolgen müssen. Aber ich wollte auf den letzten Metern auch kein Risiko eingehen und habe ihnen durch die „Flucht“ möglicherweise das falsche Signal gegeben. Alle weiter Kühe umlaufe ich nun großräumigst und ganz ehrlich: Ich freue mich, als ich nach 90 Minuten Abstieg dann doch den ersten Mensch auf dem Weg heute sehe. Mein Zwischenziel ist dann die Sarner Skihütte und damit bin ich wieder in der Zivilisation. Über sehr steile Wald- und Wiesenpfade erreiche ich die ersten Bergbauernhöfe und kann im Tal schon mein Ziel Sarnthein sehen.

Dennoch dauert es noch einige Zeit, ehe ich wirklich unten bin. Aber zum Glück geht es immer über Wiesenpfade und nicht über die z. T. parallel verlaufende Forststraße. Sicher tue ich Sarnthein Unrecht, dass ich alles, was der schöne Ortskern zu bieten hat, ignoriere und zielstrebig zum Auto laufe. Aber ich habe noch einen Abstecher nach Meran geplant und möchte dann auch irgendwann daheim ankommen. Ich freue mich, als sich am großen Parkplatz von Sarnthein der Kreis für mich schließt und diese schöne, anstrengende Tour zu Ende geht. Es waren 7 Tage, die mir viel gegeben haben, mich mit unheimlich interessanten Menschen zusammen gebracht haben, mir jedoch auch die nicht ganz so liebliche und unwirtliche Seite der Berge gezeigt haben. Dennoch: Ich würde es wieder tun, da die schönen Momente überwogen haben die Stille, Weite, Einsamkeit immer wieder eine Erfahrung sind, die ich nicht missen möchte.

Hier gilt immer wieder: Der Weg ist das Ziel.

10,3 km / 2 Stunden 25 Minuten / 113 hm aufwärts und 1.047 hm abwärts

*enthält unbeauftragte Werbung aufgrund Namensnennung

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