Die Alpguesrunde im Verwall
Es ist ja nicht vorherzusehen, dass sich Urlaub im Juli/Anfang August eher anfühlt, als wären wir im regnerischen Herbst unterwegs. Lichtblicke sind einzelne, versprenkelte Sonnentage. Heute soll laut Wetterprognose ein solcher sein. Da mein Vertrauen in die Prognosen bekanntermaßen in letzter Zeit deutlich gelitten hat, bin ich auch nicht total überrascht, dass es regnet, als ich die Augen öffne.
Es wird jedoch trocken und so marschieren wir von unserer Ferienwohnung hinab zur Talstation der Grasjochbahn. Ungewöhnlich für uns, aber die Seilbahnen eröffnen viele Gipfel- und Rundtouren, die vom Tal aus so nicht machbar wären. Während wir mit der Seilbahn nach oben zuckeln, fängt es wieder an zu regnen. Die Laune geht natürlich augenblicklich in den Keller. Der Lieblingsmann hat eine perfekte Idee, die mich davon abhält, sofort wieder ins Tal zu fahren: Wir starten mal ganz entspannt mit einem Cappuccino in der Grasjochhütte. Der Hüttenwirt sagt zum Wetter auch, dass es so nicht abgemacht wäre.
Und siehe da, der Regen hört auf und wir starten gleich hinter der Hütte in Richtung Alpguesalpe. Es geht vom Grasjoch etwas aufwärts, ziemlich anstrengend zu laufen, da der Boden doch sehr aufgeweicht ist. Ganz ganz langsam reißen die Wolken auf, die Sonne blitzt hervor und der Ausblick wird von Minute zu Minute besser.

Durch Blaubeerhecken laufen wir auf einem schmalen Pfad hinab zur Alpe. Es geht nicht ganz so schnell, da ich alle drei Meter wieder Blaubeeren naschen muss. An der Alpguesalpe, die nicht bewirtschaftet ist, sehen wir den vor uns liegenden Anstieg zu den Alpguesseen. Wie immer sieht es schlimmer aus, als es letztendlich ist. Den Pfad muss man immer etwas suchen, da viele kleine Bächlein den Hang herabkommen, doch es lässt sich wunderbar laufen. Und ganz wenige Schritte nach unserem Pausenplatz (ich hatte plötzlich richtig Hunger) ist der erste der untere Alpguessee da. Dort pausiert gerade eine etwas größere Wandergruppe, so dass ich gar nicht unglücklich bin, kurz vorher pausiert zu haben.

Wir steigen recht steil weiter auf und kommen auf der nächsten Ebene zum zweiten, dem oberen Alpguessee, von dem es dann nur noch ein kurzer Anstieg zum Rossbergjoch ist. Wir haben hier oben einen herrlichen Rundblick auf die Berge des Verwall (in dem wir heute unterwegs sind) sowie der Silvretta und des Rätikon.

Ab jetzt geht es fast nur noch bergab. Erst geht es in engen Kehren steil bergab und dann häufig über Blockwerk – ich liebe es – hinüber in Richtung der Grasjochbahn. Den letzten Abschnitt der Wanderung laufen wir durch Blumenwiesen im leichten Auf und Ab, das könnte ewig so gehen. Dann kommen aber doch die Bergstation und die Hütte in Sichtweite und wir freuen uns auch darüber. Wir beenden unsere Rundtour mit einem späten Mittagessen an der Grasjochhütte und schweben dann hinab ins Tal.
Eine schöne Tour, nach dem trüben Start größtenteils bei wunderbarem Sonnenschein, herrliche Ausblicke inklusive.
9 Kilometer / 3 Stunden 43 Minuten / 700 hm
