Von Ehrwald (1.215 m) auf die Zugspitze (2.962 m)
Heute gibt es eine ganz neue Variante, da ich weder mit dem Lieblingsmann, noch allein und auch nicht mit meinen Eltern unterwegs bin. Heute gehe ich mit dem Lieblingskollegen (Achtung: neue Kategorie 😉) an den Start. Vielleicht reicht die Luft noch, ein paar Arbeitsthemen direkt unterwegs zu besprechen. Wahrscheinlich ist es bei mir eher nicht. Es wird sicher anstrengend und ein bisschen unvernünftig ist es auch… die Zugspitze wartet. Es ist gefühlt ewig her und ich bin am Parkplatz der Talstation in Ehrwald schon ganz hibbelig. Trainiert bin ich nicht wirklich, da dieses Jahr – dem sehr durchwachsenen Sommer und diversen Verpflichtungen und Projekten sei Dank – nahezu nur Bergspaziergänge auf dem Programm standen. Ich verlasse mich dann mal auf meine Grundfitness, auf welchem Level auch immer die sich aktuell befinden mag.
Für meine Verhältnisse gibt es einen späten Start so kurz vor 9.00 Uhr, aber ehe alles so ist, wie es sein soll, dauert es eben – Outfit muss gerüstet sein, Parkgebühr will auch noch bezahlt sein, sonst wird es teuer und ich schiebe mir schnell noch ein Frühstück hinein, da ich frühes Essen nicht mag, aber auch nicht ohne starten möchte. Die Sonne scheint und als erstes wartet die obligatorische Skipiste, die wir hinauf müssen. Es hat sich auch nicht geändert, dass ich lieber ein paar Meter zum Einlaufen habe, aber die gibt es nun einmal nicht. Aber die Waden sind nett zu mir und machen mit. Es bleibt sogar vergleichsweise viel Luft zum Quatschen, wobei es dennoch eher ungleich verteilt ist. Dann höre ich halt zu 😉. Es zieht immer mehr auf und wir begegnen unterwegs, trotz der späten Startzeit nur wenigen Menschen, was mich total verwundert. Vielleicht muss ich beim nächsten Mal doch nicht mitten in der Nacht aufstehen…
Durch die Latschen spaziert es sich fast angenehm, ich mag den Pfad und den Geruch der Latschen und die fast ausschließlich schwarzen Schafe (liebe Grüße vom schwarzen Schaf zum schwarzen Schaf 😉), die hier oben weiden. Es ist nicht so schroff und kahl wie alles andere um uns herum. Nach dieser schönen Passage stapfen wir im Geröllfeld nach oben. Ich habe mich hier immer etwas verlaufen, heute mal nicht. Für mich fast ein Wunder, aber vielleicht weist die Aussicht auf eine Pause den Weg. Die gibt es auch gleich danach, etwas wingeschützt bei der ehemaligen Mittelstation der Bergbahn – leider ohne Aussicht. Man muss halt Opfer bringen und ohne Wind ist es mir lieber. Eine Semmel mit Kaminwurze und sehr sauren Gummibärchen später geht es nur noch etwas bergan und dann kommt der für mich schönste Teil des Weges. Es geht fast eben dahin und eigentlich wäre der Eibsee zu sehen, wenn er nicht gerade heute von einer Wolke verdeckt wäre. Ein paar Schwünge nach oben an der Seilversicherung entlang und noch etwas Kraxelei und schon stehen wir vor def Wiener-Neustädter Hütte (2.216 m) – ein schöner Meilenstein. 1.000 Höhenmeter sind geschafft, es gibt einen Kaffee (auch ein Cappuccino wäre möglich gewesen) und zur Unterstützung des Lieblingskollegen hat auch noch ein Speckknödel den Weg in meinen Magen gefunden.

Gut gestärkt queren wir mal wieder ein Geröllfeld und steigen entspannt in den Stopselzieher-Klettersteig ein. Ich bin so froh, dass ich bis hierher überhaupt nix spüre – meine Beine tragen mich klaglos, ab und zu bleibt auch Luft zum Quatschen – was will ich mehr.
Den Klettersteig mag ich wirklich gern, zumindest das erste Stück. Man gewinnt schnell an Höhe, die Aussicht wird immer besser und man wähnt sich fast auf dem Gipfel, da die Bergstation der Ehrwalder Seilbahn zum Greifen nah ist. Leider eine Illusion, es zieht sich und man muss doch ziemlich auf den Weg schauen, da der Untergrund ziemlich lose ist und nur noch selten Drahtseile sind… und ganz langsam merke ich auch den zurückgelegten Weg in meinen Beinen. Egal – mit genügend Pausen schaffen wir auch das verbleibende Stück nach oben. Wir haben Spaß und sind entspannt – beste Voraussetzung, wenn es anstrengend wird.
Als der Weg vom Zugspitzblatt einmündet kommt für mich echte Ernüchterung auf – vom Gletscher ist fast nix mehr übrig. Man könnte es auch als Altschneefeld einordnen. Wenn ich das vierte Mal auf die Zugspitze gehe, wird davon wahrscheinlich nichts mehr übrig sein.
Jetzt wird es zäh. Ich mag die letzten Meter und Höhenmeter überhaupt nicht. Die Luft ist dünn, die Beine wollen auch nicht mehr und entlang der Gipfelinfrastruktur ist es auch optisch kein Highlight, aber der Lieblingskollege „betet“ mich nach oben und … schwups sind die letzten Stufen geschafft. Wir sind beide mega glücklich, dass wie es geschafft haben und das in – je nach Messmethode 3:59 h bzw. 4:30 h. Egal welche Zeit, für untrainiert ist es perfekt.

Wie immer schockieren nach der Ruhe beim Aufstieg die vielen Menschen hier oben, was – auch wie immer – zu einer schnellen Flucht nach unten führt. Vorher schauen wir uns natürlich das neu gestaltete Gelände hier oben an. Ich kenne es nur als Baustelle. Es ist schon beeindruckend aber leider bleibt gar kein Platz mehr für Natur und Berg, was hier auch Platz haben sollte. Ein Gipfelfoto muss natürlich sein. Danach gehen wir gleich zur Seilbahn und müssen auch nicht lange warten, ehe sie uns – nun mit Blick auf den Eibsee – in wenigen Minuten hinab ins Tal bringt.

So ein schöner Tag und ich bin so froh, dass wir es gewagt und gemacht haben. Man kann so viel mehr leisten, als man oft denkt … und: der Weg zurück bleibt (fast) immer. Gerne wieder.
6,7 Kilometer / 3 Stunden 59 Minuten / 1.618 hm
