Ich komme zurück und versuche es noch einmal

Auf die Naturnser Hochwart (2.608 m)

…und ich habe Wort gehalten. Vor ungefähr drei Jahren habe ich mir diesen Gipfel allein vorgenommen – bei bestem Wetter. Leider habe ich mich damals ordentlich verlaufen und nachdem ich den richtigen Weg wieder gefunden hatte, wollte ich den noch langen Weg zum Gipfel nicht dranhängen, um nicht am Ende noch die letzte Seilbahn ins Tal zu verpassen.

Als wir gestern in Südtirol angekommen sind und die gemischte Wetterprognose gesehen haben, war klar, dass wir heute doch gleich eine Tour machen. Es sollte nicht zu viel und auch nicht zu wenig sein. Da ist mir spontan die Naturnser Hochwart in den Sinn gekommen. Sie ist ja noch auf der Liste. Dieses Mal nehmen wir nicht den Aufstieg aus dem Vinschgau sondern aus dem uns näheren Ultental. Erst geht es zum Lieblingsbäcker hier in Lana, der Bäckerei Schmiedel und wir versorgen uns für ein Frühstück unterwegs und für eine Gipfelbrotzeit. Dann fahren wir nach St. Pankraz und von dort aus auf schmalen Sträßchen bis auf 1.600 m hinauf nach St. Helena. Hier waren wir noch nie, obwohl wir schon oft hier waren. Auf einem kleinen Parkplatz im Wald sind wir das einzige Auto mit nicht-italienischem Kennzeichen.

Erst geht es gemütlich auf einem Forstweg fast eben dahin. Wenige hundert Meter nach dem Start stelle ich fest, dass ich meine Brille noch auf der Nase habe. Ich war noch nie mit Brille auf dem Berg und will das auch heute nicht. Hin und her, der Lieblingsmann bietet sein Etui an und setzt die darin liegende Sonnenbrille auf. Die andere muss eh nur noch wenige Tage durchhalten und kommt ins Taschentuch. Dumm nur, dass nur wenig Sonne da ist und es wahrscheinlich auch nicht mehr werden wird. Großer Lacher und alles wird wieder umgruppiert. Als alles verstaut ist, erwähne ich, dass es wahrscheinlich alles genau so lange gedauert hat, wie der Weg zurück zum Auto und wieder an den Punkt, an dem wir stehen. Die Freude über den Spruch hält sich in Grenzen.

Wir laufen dann endlich wirklich richtig los und überholen einige kleinere Gruppen vor uns. Aber es ist insgesamt nicht viel los. Die Mariolbergalm (1.672 m) heben wir uns für den Rückweg auf. Wenig später queren wir den Kirchbach über eine schöne Brücke und steigen rechterhand auf dem Weg Nr. 3 anfangs noch angenehm über Wiesen hinauf.

Brücke im Kirchbachtal

Es wird geht jetzt ziemlich steil in engen Serpentinen, fast wie Treppen steigen, aufwärts bis zu einer schönen privaten Hütte. Ab hier gibt es etwas Entspannug und es geht für einige Zeit nur leicht ansteigend im Lärchenwald dahin. Der nächste Anstieg lässt aber nicht lange auf sich warten und bringt uns zur äußeren Falkomaialm (2.168 m). Die Alm ist ein richtig solides Steinhaus und heute sticht wirklich nur die weiß-rote Fahne heraus. Ansonsten dominiert inzwischen die Farbe grau – die Alm, der Himmel, die Steine.

Wir bleiben auf dem Weg Nr. 3 und laufen jetzt in einem schönen Bogen langsam bergan und kommen auf der anderen Seite eines Bergrückens raus. Dort schlängeln wir uns auf einem kurzen Stück Panoramaweg hinüber zu den Rossplatzen. Wir sehen ein rundes, dickes Murmeltier, für das ja bald der Winterschlaf beginnt. Das Wetter wird immer ungemütlicher, wir laufen schon länger in den Wolken, die mal mehr, mal weniger dicht sind. Und wir belauern uns auch ein bisschen gegenseitig und prüfen wechselseitig, ob es nicht einer von uns ausspricht: „Vielleicht müssen wir heute nicht zum Gipfel. Wir sehen ja eh nix.“ Aber es macht keiner und so kraxeln wir weiter sehr steil nach oben und sehen einfach: Nix!

Im Moment des maximalen inneren Schweinehundes bei mir sehe ich Wanderwegweiser. Das motiviert mich immer. Und siehe da, es sind nur noch 10 Minuten zum Gipfel. Das hätte keiner von uns erwartet. Und es ist von hier aus auch nur mehr ein Hinüberlaufen, welches uns für wenige Minuten so etwas wie Aussicht beschert.

Blick hinunter ins Vinschgau

Auf dem Gipfel ist es vergleichsweise angenehm, da es die Sonne fast durch die Wolken schafft und so machen wir doch eine kurze Brotzeit hier oben. Dennoch zieht es uns bald wieder weg. In der nächsten dunklen Wolke ist es ziemlich kalt und wir haben keine Handschuhe dabei.

Wir laufen den Anstiegsweg wieder hinab und freuen uns, nach und nach wieder in angenehmer Temperaturen und raus aus den Wolken zu kommen. Das Murmel sehen wir auch auf dem Abstieg wieder.

Unterwegs werden wir erst so richtig stolz auf uns, als wir uns erzählen, dass wir immer auf den anderen gehofft hatten, um vielleicht doch abzukürzen. Aber wir haben es beide nicht ausgesprochen und es so zum Gipfel ohne Aussicht geschafft…

Gipfelkreuz Naturnser Hochwart

Auf der Mariolbergalm kehren wir ein. Leider gibt es um kurz vor 15.00 Uhr keine warme Küche mehr. Also bleibt der Apfelstrudel. Leider gibt es auch keine Sahne mehr, was ich aber erst beim Servieren erfahre. Ich liebe Apfelstrudel, aber ohne Sahne ist es ein absolutes no go. Der Strudel ist wirklich gut, aber halt unvollständig.

Die restlichen gut 2 km kaufen sich nach dem oberschenkelstrapazierenden Abstieg wieder angenehm. Dennoch reicht es uns für heute.

Im Tal ist es deutlich angenehmer und auch warm. Ich hoffe, dass es noch ein paar sonnige Gipfelziele mit Aussicht.

14 Kilometer  / 4 Stunden 45 Minuten  / 1.015 hm

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