Eigentlich

Vom Hofmahdjoch (1.781 m) auf die Laugenspitze (2.434 m)

…hatten wir für heute das Hasenöhrl (3.257 m) geplant. Wir haben es 2018 schon einmal in Angriff genommen, dann allerdings wegen schlechter Sicht ca. 200 m unter dem Gipfel abbrechen müssen. In den letzten Jahren war entweder das Wetter nicht passend oder unsere Fitness. Aber dieses Jahr – oder? Die Fitness hätte es hergegeben, aber leider ist dieses Jahr das Wetter hier in Südtirol so unbeständig, wie wir es noch nie erlebt haben und zu allem Elend hat es in den letzten Regentagen doch auch wieder eine Ladung Schnee auf die höheren Gipfel gepackt. Aber vielleicht haben wir ja doch Glück. Auf der Wetter-WebCam sehen wir keinen Schnee, vielleicht haben wir ja doch Glück.

Letzte Woche wären wir näher am Ultental gewesen, aber das Wetter war leider nicht für höhere Bergtouren geeignet. Jetzt sind wir auf der nordöstlichen Seite von Meran müssen ein ganzes Stück weiter fahren, um ins Ultental zu kommen. Das heißt für unsere Tour ziemlich früh aufstehen und so sind wir bereits kurz vor 8.00 Uhr unterwegs. Wir fahren bis zur Talstation der Schwemmalm und der Lieblingsmann informiert sich mal über die Bedingungen am Hasenöhrl. Das Ergebnis: Ich bekomme einen Cappuccino, jedoch keinen Aufstieg zum Hasenöhrl. Also gut, den Gipfel streichen wir mal von der Herbstliste und packen ihn auf die Sommerliste; das dürfte aussichtsreicher sein.

Zum Glück haben wir eine Alternative im Gepäck. Wir fahren wieder bis nach St. Pankraz zurück und dort rechts hinauf in Richtung Proveis – südtiroler Neuland für uns und das will etwas heißen. Der dritte Tunnel spuckt uns direkt am Hofmahdjoch aus und dort ist auch gleich ein größerer Wanderparkplatz. Es hat auf gut 1.700 m um 9.00 Uhr immerhin 4 Grad 😆, aber wir sind im Ultental auch schon bei 0 Grad um diese Jahreszeit gestartet und mit der Vorbereitung auf eine höhere Tour, sind wir bestens ausgerüstet und starten von dem fast noch leeren Parkplatz auf dem Weg 8/133. Wir laufen über den Tunnel hinweg in den Wald und steigen auf, bis wir eine kleine Ebene erreichen. Hier frühstücken gerade die Kühe und ein herrliches Glockengebimmel empfängt uns. Die Sonne erwärmt die Almwiesen und auch uns und wir genießen die kurze ebene Schlenderei bis zur Castrani-Alm (1.813 m).

Schöne Ausblicke waren unsere ständigen Begleiter heute

Jetzt geht es wieder im Wald bergauf, erst auf einem bequemen Waldweg und dann auf engen, sehr wasserreichen Steigen. Durch die kalte Nacht haben viele Wasserstellen eine Eishaut und die feuchten Steine sind ziemlich rutschig. Also nix mit gänzlich entspanntem Dahinlaufen. Dennoch ist es ein schöner Weg und wunderbare Herbstlandschaft um uns herum. Nach etwas mehr als 300 Höhenmetern laufen wir, Dolomiten- und Brentablick inklusive, fast eben in einem Almkessel in östliche Richtung. Unseren Gipfel sehen wir jetzt immer vor uns – Fluch und Segen. Kurz nachdem ein Weg vom Ultental einmündet teilt sich der Weg zur Laugenspitze und wir nehmen den Gipfelaufschwung auf dem Weg 8A auf der linken Seite. Es geht ordentlich steil nach oben, jedoch auf einem wirklich gut angelegten und markierten Steig. Auf dem Bergrücken angekommen, laufen wir wieder links und über mehrere kleine Vorgipfelchen zur Laugenspitze. Es ist viel los und die meisten Wanderer kommen vom Gampenpass hoch, auf unserer Route ist sehr wenig los. Hier oben hat man den perfekten Rundumblick und das Wetter spielt mit. Wir können vom Alpenhauptkamm bis zu den Dolomiten und bis Brenta und Ortler schauen. Ein wunderbares Panorama und eine Brotzeit mit kulinarischen und optischen Genüssen.

Blick hinüber zu den Dolomiten mit Schlern, Lang- und Plattkofel, Seceda und Rosengarten, usw.

Leider zieht es kurz zu und wird empfindlich kalt, so dass wir die Bewegung dem Panoramasitzen vorziehen. Erst steigen wir auf dem Anstiegsweg wieder ab, biegen jedoch nicht rechts auf den Weg 8A ab, sondern laufen geradeaus auf dem Kamm gen Süden abwärts. Ich bin schon kurz irritiert, da es doch weit weg von unserem Aufstiegsweg führt. Am Ende des Grats geht es dann doch wieder nach rechts ab auf den Weg 133, so dass wir dann gen Norfen laufen und damit wieder in „unsere“ Richtung. Auch hier queren wir wieder einen schönen Almkessel. Allerdings gibt es drei aufeinanderfolgende Wegweiser mit jeweils einer Stunde zur Malga Castrani – der letzte war der richtige und alle vorherigen eher optimistisch, obwohl wir wirklich nicht langsam unterwegs sind. Am Laugenjoch kommen wir wieder auf unseren Anstiegsweg. Er ist uns aufwärts nur nicht so lang vorgekommen. Das mag daran liegen, dass die Abstiegsalternative bis hier her deutlich länger als unser Aufstieg war und zudem müssen wir gelegentlich Gegenanstiege in Kauf nehmen. Vielleicht liegt es auch an unseren Tagträumen von der nahen Hütteneinkehr.

Blick ins Ultental

Aber ganz ehrlich: An Ende ist die Hütte doch schnell da und schon sitzen wir auf der Sonnenterrasse und finden uns mitten im italienisch-südtiroler Sprachgemisch wieder. Da wir Abends im Mösl in Obermais schon reserviert haben, bleiben die wunderbaren Polentagerichte, die Portionen im Mösl kennend –  nur ein kurzer Traum. Wir genehmigen uns einen ein Stück Kuchen, die jedoch auch ein Geschmackserlebnis sind und beschließen danach diese wunderbare Tour mit dem Auslaufen über die Weide und ein kurzes Stück abwärts im Wald zum nunmehr vollen Parkplatz. Neben der Anzahl der Fahrzeuge hat sich übrigens auch die Temperatur deutlich erhöht 😅.

15 Kilometer  / 4 Stunden 50 Minuten / 800 hm

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