Tag vier unseres Südfrankreich Roadtrips- Von Lavoûte sur Loire mit Abstechern nach Chambonas
Die Königsdisziplin am Berg: Abbruch und Umkehr. So nervig es ist und so unvollkommen die Tour – es ist sicher! Auch wenn heute nicht alles so lief, wie gedacht, es war wieder ein schöner Tag im Rückblick.
Trotz allem: Wir sind entspannt, wie die letzten Tage auch, in den Tag gestartet und gegen 10.00 Uhr von unserer Unterkunft in Richtung Chambonas gestartet. Ich habe mir als Zwischenziel Ruoms ausgesucht, da ich dort eine schöne Wanderung an der Chassezac, einem Fluß, der in die Ardèche mündet, ausgesucht habe. Wir fahren unglaublich idyllisch, die meiste Zeit durch den Parc naturel régional des Monts d’Ardèche.
Wir merken die zunehmende Höhe nahezu nicht, weil es fast keine richtigen Berggipfel gibt, eher hügelige, landwirtschaftlich genutzte Fläche – unglaublich weitläufig. Dennoch haben wir an einem Pass knapp 1.500 m. Wir realisieren es jedoch an den Temperaturen. Frische 25 – 26 Grad begleiten uns sehr lange. Als es dann abwärts geht, reißen wir die 30 Grad Marke sehr schnell und im Rückspiegel sehen die „Hügel“ auch nach echten Bergen aus. Ich habe gelernt, dass es trotz landschaftlicher und geologischen Zusammengehörigkeit nach neuerer Definition nicht zu den Chevennen gehört, aber immerhin: Es ist Zentralmassiv! In Aubenas, einer Stadt mit einer wunderschönen Silhouette legen wir einen Stopp ein.

Wir wollen nur etwas Baguette in einer Boulangerie kaufen, da wir heute Abend in unserem neuen B&B zu Abend essen. Einen zentralen Parkplatz finden wir schnell. Aus dem Auto ausgestiegen trifft uns der Temperaturschlag. So laufen wir schattensuchend in die Stadt hinein. Es gibt alles, nur keinen Bäcker. An der zweiten Kirche haben wir uns kurz beraten, wohin zum Bäcker ein Weg führen könnte und ehe ich mich versah, war ich in der Kirche. Gespräch in der zweiten Bankreihe: „Ich weiß überhaupt nicht, wieso wir schon wieder in einer Kirche sind.“ Die Antwort: “ Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einer Boulangerie.“ Da konnte ich nur entgegnen, dass wir dafür hier ziemlich falsch sind.
Zum Glück haben wir wenige Meter weiter einen Bäcker gefunden. Nach Eclair und Apfeltarte, bestückt mit einem Baguette sind wir schnell wieder zu unserem Auto und in kurzer Zeit nach Ruoms gefahren. Hier trifft uns auf dem recht zentral gelegenen Parkplatz gleich noch einmal der Hitzschlag, das wird jedoch die nächsten Stunden anhalten. Ich habe aus unseren Reiseunterlagen eine Tourempfehlung aufgegriffen, die uns etwas Bewegung verschafft und gleichzeitig schöne Ausblicke und tolle Badestellen an der Chassezac. Der Lieblingsmann hat nur Fluss und Baden verstanden, so dass wir uns im Schatten eines Baumes und später auf der Brücke über die Ardèche erst einmal einigen müssen.

Aber da spätestens auf der Brücke über die Ardèche klar wurde, dass die Badestellen auch nicht auf Brückenniveau liegen, haben wir uns auf die Wanderung geeinigt. Los ging es in der brennenden Sonne durch den Ort hinaus, durch schöne Ferien-/Wohngebiete. Der Asphalt wechselte zu Schotter und nach dem letzten Haus kamen auch gleich die ersten Wanderwegweiser, sowie im lichten Wald auch etwas Schatten. Nach längerem ebenen dahinlaufen konnten wie die vom Fluß ausgewaschen Felswände gegenüber sehen und bald ging es auch schon für uns bergab. Am Fluss angekommen war nach unserer WanderAPP nicht klar, ob links- oder rechtsherum. Links, wie von der APP gewünscht, ging es bald nicht mehr weiter, also doch rechts. Beim ständigen Schauen auf die APP ist mir die Sonnenbrille vom Kopf gerutscht und ich bin drauf getreten. Mist! Ob das reparabel ist – mal sehen. Sauer bin ich trotzdem, da es hier ohne ziemlich anstrengend für die Augen ist. Das überträgt sich natürlich auf die Gesamtstimmung und ich denke am Abzweig von oben, dass wir da hoffentlich nicht wieder hoch müssen.
Die erste Badestelle ignorieren wir, mangels Schatten, aber die zweite gehört uns. Wie warm kann ein Fluss sein 😳. Es ist erfrischend, aber wenn ich Frostbeule ohne zu zögern ins Wasser gehe, hat es 24 Grad, mindestens. Wir genießen es dennoch und mein kleiner Freund neben mir im Wasser auch.

Weiter geht es auf unserem Rundweg, der übrigens 6 km lang sein soll. Vier haben wir schon und wir laufen jetzt sehr flussnah weiter, als es plötzlich in leichter Kraxelei nach oben geht. Auf einem schmalen Felsband geht es weiter. Zeit für Blicke nach unten bleiben nicht, da jeder Schritt bedacht gesetzt sein will. Links geht es runter!

Die über uns hängenden Felsen lassen immer weniger aufrechten Gang zu und bald sind sie richtige Überhänge, so dass wir mehr liegend vorwärts robben müssten. Der Lieblingsmann verweigert. Ich probiere und überlege währenddessen, dass ja noch mehrere solcher Stellen kommen können. Also: Abbruch. Wir laufen, missmutig zwar, aber die Strecke kennend wieder zurück. Unsere Wasservorräte müssen wir uns – zusammen mit der letzten Königshainer Gurke – ziemlich einteilen. Aber auch hier trifft zu, dass sich ein bekannter Weg schneller geht. Die Steilwand ist schnell erklommen und wortlos setzen wir unseren Weg oben wieder fort. Bis der Lieblingsmann am Kiosk vom Campingplatz zwei eingeführte Orangina auftut. Da kommen die Lebensgeister von uns beiden zurück. Und die letzten 1,5 km laufen sich fast wie von selbst.
Ich sinke ins gekühlte Auto – der Luxus ist mir bewusst, und wir fahren die 30 Minuten zu unserer nächsten Unterkunft in Chambonas. Was ein schönes Zimmer und eine Dusche bewirken können: Wir sind wieder Menschen, sauber und frisch. Alle Strapazen sind vergessen und beim Abendessen mit regionalen Spezialitäten aus der Ardèche-Region schmieden wir mit dem Hausherrn schon wieder Pläne für die nächsten Tage.
