Von Aschbach zur Naturnser Alm und über das Vigiljoch zurück
Unsere Pläne, irgendeinen 3.000er in diesem Herbst zu besteigen, haben wir in Anbetracht der deutlich gezuckerten Gipfel, begraben. Besonders schwer fällt es dem Lieblingsmann, der das Hasenöhrl seit unserem ersten Versuch vor einigen Jahren, immer wieder auf der Liste hat. Bisher war uns das Wetter nie wieder gewogen, so auch dieses Jahr. Um dennoch die Lage etwas zu inspizieren und vielleicht doch eine Möglichkeit zu entdecken, ist die Ultner Nordseite bzw. die Naturnser Südseite heute unser Ziel.
Einige Höhenmeter nimmt uns die Seilbahn nach Aschbach ab, die in unserer Gästekarte inkludiert ist. Wir kommen dummerweise gleichzeitig mit dem Zug aus Meran an und sehen uns unvermittelt inmitten vieler Wanderer und Biker mit Rad. Gut, kurz durchschnaufen, während ich realisiere, dass die Radfahrer auch mit der Bahn nach oben wollen. In der Seilbahnstation spielen sich dann Dramen ab, da die Radlergruppe in der Wahrnehmung vieler, bevorzugt wird… hätte man mit etwas Kommunikation recht schnell auflösen können, hat jedoch keiner gemacht – weder Guide noch Seilbahnmitarbeiter. Es haben alle überlebt und mit nur wenigen Minuten Verzögerung sind alle oben angekommen. 10 Minuten Wartezeit können im Urlaub für viele schon außerhalb des Vorstellbaren sein.
Wir laufen fast alleine in das kleine Dörfchen Aschbach hinein und oben gleich wieder heraus in Richtung der Naturnser Alm.

Der Lieblingsmann ist sich nicht sicher, ob die Richtung stimmt, da der Wegweiser zur Naturnser Alm von der Seilbahn in die andere Richtung ging. Ich antworte, dass er mir vertrauen kann, da ich hier schon einmal mit dem Ziel Naturnser Alm gelaufen bin. Plötzlich quakt es unter meinem Ohr aus dem Handy: „Ich vermute, Du suchst die Übersetzung von ‚Du musst schönen Frauen vertrauen.’…“ Erst etwas Entsetzen und dann viel Gelächter von uns beiden, auch wenn ich nicht weiß, wie ich es provoziert habe. Damit stand der Titel für den heutigen Beitrag fest.
Wir laufen auf meinem Vertrauensweg im lichten Wald sehr angenehm nach oben. Es ist noch ziemlich frisch, daher freuen wir uns über jeden Sonnenfleck. Die Aussicht wird auch mit jedem Schritt besser und nach weniger als 90 Minuten stolpern wir fast auf die Terrasse der Hütte, so schnell war sie da.

Zum Glück haben wir nicht üppig gefrühstückt und auch bis zum Start der Wanderung noch etwas gebuckelt, so dass wir mit halbwegs guten Gewissen eine Mittagspause einlegen. Es gibt eine wunderbare Auswahl und einen herrlichen Ausblick dazu. Hier haben wir genügend Zeit, die Schneelage, der ins Auge gefassten Touren ausgiebig zu begutachten. Das einzige, was halbwegs gehen würde – trotz Schnee – wäre der Naturnser Hochwart. Jedoch heute nicht, dafür hätten wir früher aufstehen müssen. Das Lieblingsziel Hasenöhrl ist mit einer ordentlichen Schneedecke überzogen. Da wird die Sonne der nächsten Tage auch nicht viel ausrichten können. Es wird nun endgültig ein Sommerziel werden.
Nach der entspannten Pause laufen wir nicht den direkten Weg hinüber zum Vigiljoch, sondern ein bisschen oberhalb über eine schöne Hochebene, mit freiem Blick hinüber zum Rosengarten und Latemar. Pferde grasen hier oben und es sind nur wenige Wanderer unterwegs. Wir genießen es. Bald verschluckt uns doch der Wald und wir wandern zum Vigiljoch, auf dem wir bislang nur wenig Wetterglück hatten. Heute zeigt es sich von der guten Seite.

Von der St. Vigiliuskirche geht es dann auf einem schönen Waldweg und später -Pfad wieder hinüber und hinab nach Aschbach zur Seilbahn.
Nette Runde und endlich mal eine Einkehr auf der Naturnser Alm. Für einen Tag zum Einlaufen ideal.
11,25 Kilometer / 2 Stunden 50 Minuten / 626 Höhenmeter
