Modenschau am Berg

Von der Leiteralm (1.550 m) über die Hochgangscharte (2.455 m) zu den Spronser Seen und über die Taufenscharte (2.230 m) zurück

Diese Tour steht bei jedem unserer Südtirolurlaube auf der Liste. Nicht immer können wir sie machen. Dieses Jahr sieht es trotz des Schnees recht gut aus, da bei unserer Schneetour vor einigen Jahren auch die Südflanke schon gezuckert war, was heuer nicht der Fall ist. Und außerdem: der Weg zurück bleibt immer. Daher wagen wir es und laufen direkt von unserer Ferienwohnung zum Sessellift nach Vellau. Es ist richtig frisch und gut eingemummelt fahren wir im Einersessel nach oben. In Vellau wechseln wir in den Korblift – immer wieder etwas besonderes und können kurz vor 10.00 Uhr unsere Tour starten. Es wäre sicher auch früher gegangen, aber irgendwie sind wir gerade morgens nicht die schnellsten.

Von der Leiteralm laufen wir auf dem Weg 24/25, zugleich auch Teil des Meraner Höhenwegs, aufwärts in Richtung Hochganghaus. Etwas ist anders als in den Jshren zuvor. Der von uns so genannte Ochsentodweg – weil es gleich so unmöglich steil aufwärts geht – ist einem angenehm ansteigenden Serpentinenweg gewichen. Den Grund dafür wissen wir nicht, sehen jedoch eine große Schneise im Wald und viele gefällte/kaputte Bäume bzw. Baumreste. Wir laufen am Abzweig zur Taufenscharte vorbei; dort kommen wir im besten Fall heute Nachmittag zurück. Ab jetzt ist es der Weg 24 der uns wirklich gut zu gehen in einer Stunde zum Hochganghaus bringt. Es herrscht noch morgendliche Ruhe hier, was sich bald ändern dürfte. Wir ziehen jetzt die dicken Jacken aus, da es uns nach den ersten 400 hm nicht mehr warm ist. Es geht durch die Pferdekoppel den bekannten Weg aufwärts. Er ist wirklich schön angelegt und mit den angenehmen Stufen gewinnen wir rasch an Höhe. Die am Hochganghaus ausgeschriebene Gehzeit von mehr als zwei Stunden brauchen wir nicht und sollten wir auch nicht brauchen.

Blick von der Hochgangscharte ins Vinschgau

Wir treffen eine Gruppe einheimischer Wanderer, von denen wir erfahren,  dass die Scharte frei ist und oben etwas griffiger Schnee liegt. Wunderbar, jetzt steht der gesamten Runde nichts mehr im Weg. Trotz der Anstrengung wird es mit jedem Schritt frischer, so dass die vorhin verstauen Jacken wieder aus dem Rucksack raus müssen, Schal und Mütze gleich noch dazu. Nach 90 Minuten sind wir oben an der Scharte und ziemlich genau in meinem Zeitplan. Das Wetter hätte etwas besser sein sollen, was für eine Pause an der Scharte perfekt gewesen wäre. Die sparen wir uns, da es wirklich ungemütlich ist. Wir spazieren jetzt ganz entspannt über den bereits ausgetretenen Schneepfad in Richtung Milchsee. Später zweigen wir ab zum Lang- und Grünsee hinunter. Bei besserem Wetter hätte ich den 10 Minuten Abstecher zum Milchsee gerne gemacht. Vielleicht beim nächsten Mal.

Blick von der Hochgangscharte zum Langsee

Wir laufen auf dem griffigen Schnee ziemlich flott den Langsee entlang und dann zum Grünsee hinab. Der Himmel reißt immer mehr auf und die Sonne tut wirklich gut. Nach 30 – 40 Minuten schauen wir „um die Ecke“ und damit hinab zum Oberkaser. Ich träume schon seit dem Aufstieg von meinen Hirtennudeln und jetzt sind sie bereits in greifbarer Nähe. Auf dem Stufen Weg geht es flott hinunter zur Hütte, mitten durch hunderte Ziegen und Schafe, die den gesamten Hang nach fressbarem absuchen und wahrscheinlich die letzten Tage hier oben verbringen.

Nur eine von vielen

Am Oberkaser angekommen finden wir ein schönes Plätzchen auf der Terrasse und die Sonne wärmt uns durch. Also alle Jacken aus und Mütze ab. Immerhin für die Zeit der Auswahl und Bestellung. Danach kommt ziemlich Wind auf und alles wird wieder rausgekramt und angezogen. Gut, dass der halbe Schrank dabei ist 😉.

Beim schnellen Lesen der Karte hat sich schon Enttäuschung bei mir breit gemacht: Keine Hirtennudeln. Bei langsamem Lesen waren sie plötzlich doch da.

Ich und meine Hirtennudeln

Leider habe ich den letzten Blog zu dieser Runde erst zu Hause gelesen. Hätte ich es vor der Tour getan, hätte ich versucht, den Lieblingsmann stärker zum Teilen zu überreden. Es ist unglaublich lecker, aber unglaublich viel. So schleppe ich mich mit meinem Pastabauch in Richtung Taufenscharte. Zum Glück geht es lange nur mäßig ansteigend, wenn nicht dogmatisch flach dahin. Es ist unglaublich kalt und ich bin versucht, nun auch noch die Handschuhe aus dem Rucksack zu holen. Bei dem Gedanken sehe ich allerdings schon die Scharte vor mir und nehme noch ein paar Minuten Kälte in Kauf.

Oben, mit Blick auf die Südseite in Richtung Meran ist es plötzlich wieder warm und die dicken Sachen wandern nun endgültig in den Rucksack, dafür die dünnen Jacken wieder raus. Oben treffen wir einen Mann aus meiner Heimat, der die Runde heute auch zum vierten Mal und nach seiner Meinung, letzten Mal geht und froh ist, dass es mit 78 Jahren noch so gut geht. Ich bin deeply impressed. Das möchte ich auch!

Jetzt kommt das unangenehmste Stück der gesamten Runde – der Abstieg. Es geht steil in Serpentinen abwärts und es nimmt gefühlt kein Ende. In der Sonne ist es nun wirklich auch richtig warm; also Jacke aus. Nach den ersten paar hundert Höhenmetern verschluckt uns wieder der Wald und es geht schön steil weiter hinab bis zum Abzweig, den wir heute morgen schon passiert haben. Dann sind es nur noch wenige Minuten bis zur Leiteralm und zum Korblift. Hatte ich schon erwähnt, dass es wieder frisch ist und wir wieder eine Lage aus dem Rucksack herausbefördert haben. Das hilft auch beim Lift fahren, da die Sonne inzwischen die Trasse nicht mehr bescheint.

Unten angekommen ist es angenehm warm, aber ich habe keine Lust auf weiteres an- und ausziehen. Daher muss ich das letzte Stück für heute etwas schwitzen, da es zu unserer Ferienwohnung bergan angeht. Mit viel innerem Zureden schaffen wir auch das noch und sind glücklich, die Runde heute mal wieder gemacht zu haben.

15,2 Kilometer  / 5 Stunden 30 Minuten  / 1.187 Höhenmeter

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