Ich bin ja nicht aus Zucker

1. Etappe von Plose – Kreuztal (2.023 m) zur Schlüterhütte (2.306 m)

Zum Glück, denn sonst gäbe es mich nicht mehr. Aber von vorn…. Ich fange mal mit dem Dolomitenhöhenweg Nr. 8 an. Der 1er hat es mir eigentlich angetan, aber für sechs Tage ist die Anreise etwas umständlich und damit der erste Tag weg und Ende September sind auch nicht mehr alle Hütten geöffnet. Der 8er verläuft nicht so weit oben, deshalb fällt die spontane Wahl darauf.

Nach einer wunderbar ruhigen Nacht in einem echt putzigen Hotel in der wunderschönen Altstadt von Brixen erwartet mich bedeckter Himmel und die Aussicht auf Regen ab Mittag. Ich hetze dennoch nicht, da ich wahrscheinlich sowieso nass werde, da kommt es auf ein paar Minuten mehr nicht an. Das Frühstück lässt keine Wünsche offen – Vinschgerl, Speck, Käse… damit starte ich perfekt in den Tag. Mit dem Bus fahre ich vom Bahnhof zur Talstation der Plose-Bergbahn – kostenlos mit der Brixencard. Auch dafür liebe ich Südtirol. Es fahren überall Busse hin und oft ist bei der Übernachtung das Ticket dabei. Ich schwebe mit der Kabinenbahn nach oben und spare mir damit ungefähr 1.000 hm. Die würden ja auch nicht zum Alta Via Dolomiti gehören, der startet nämlich erst hier oben an der Plosehütte.

Das scheint ein großes Skigebiet zu sein, ist jedoch auch ganz einladend zum Wandern. Ich weiß nicht so ganz genau, was mich auf den Etappen so erwartet, da ich das erste mal eine Mehrtagestour ohne meine geliebten roten Rother Wanderführer mache. Die spontane Tourplanung erfolgte mit einem Buch von 1988, in dem alle Domomitenhöhenwege mit vielen Bildern grob beschrieben sind und über http://www.deine-berge.de (uneingeschränkte Empfehlung zum Planen). Scheinbar sind die hochzahligen Höhenwege nicht so gefragt, da es für diese keine Neuauflage des Wanderführers gibt. Ich werde mich bemühen, etwas genauer zu beschreiben, vielleicht braucht es ja mal jemand und findet es im www.

Also los geht’s! Auf dem Woody-Walk oder Weg 17 laufe ich mich auf dem Panoramaweg warm. Auch bei bewölktem Wetter gibt es Aussicht.

Ich entdecke auf der linken Seite neben den zwei Bergspitzen die Peitlerscharte, über die ich heute noch drüber muss. Vorerst gibt es jedoch entspanntes dahinschlendern. Ich merke, dass ich noch in Stadtgeschwindigkeit unterwegs bin und regle mal etwas runter. Ich muss nur ankommen, das ist das einzige Ziel…

Von der Rossalm, die ich nach ca. 30 Minuten erreiche geht es in leichtem Auf und Ab mit Tendenz nach unten auf dem Weg 17A zur Halseralm auf ca. 1.800 m. Ich schwanke, ob ich einkehren oder weiterlaufen soll. Es steht Kürbissuppe angeschrieben, die Entscheidung ist gefallen. Außerdem regnet es, daher gibt es sowieso keine trockene Minute mehr. Da kann ich auch Mittagessen. Eine gute Entscheidung, da es sich bei den schlechten Bedingungen mit einer warmen Suppe im Bauch einfach besser läuft und nach zwei Stunden darf man auch mal einkehren 😉 Es ist unwirtlich, aber am schlimmsten ist Regen immer in der Vorschau. Wenn man drin ist, läuft es meist. Der große Vorteil – man ist nahezu allein.

Ich muss von der Alm ein Stück der Straße entlang laufen, die mir mit ihren Almen links und rechts recht bekannt vorkommt. Bald lese ich einen Wegweiser zur Würzjochhhütte. Alles klar – vor vier Jahren habe ich hier meinen zweiten Teil München-Venedig beendet und war ziemlich traurig darüber, nur an den Dolomiten gekratzt zu haben.

Jetzt bin ich mittendrin bzw. beinahe. Inzwischen bin ich auf Weg Nr. 4, einem schönen Pfad, der bei trockenem Wetter sicher wunderbar wäre. Gelegentlich erhasche ich einen Blick auf die Scharte und langsam geht es jetzt auch bergauf, steiler werdend. Es regnet ununterbrochen und so heftig, so dass bald auch meine Regenkleidung an ihre Grenzen kommt. Durchhalten… Länger als weitere 90 Minuten wird es nicht dauern.

Über einige Bäche hinweg geht es auf dem wirklich gut markierten Weg nach oben. Plötzlich entdecke ich zwei bunte Punkte vor mir – doch nicht allein.

Ich lasse sie vor mir, da ich nicht gehetzt sein mag und dann geht es plötzlich ganz schnell und ich erreiche meinen höchsten Punkt heute – die Peitlerscharte auf 2.357 m.

Hier oben bläst jetzt ein kalter Wind. Noch 20 Minuten bis zur Schlüterhütte (2.306 m). Eigentlich wäre es wieder ein Panoramaweg, jetzt jedoch ohne Panorama. 20 Minuten können lang sein und durch die Wolken taucht die Hütte auch erst vor mir auf, als ich davor stehe…

Erst einmal aus den nassen Klamotten. Die Schuhe sind durchnässt und alles andere irgendwie auch. Alles egal, denn… ich bekome ein Einzelzimmer. Perfekt! Nach einer warmen Dusche kommt jetzt der gemütliche Teil des Tages. Mit Tee und Mohnkuchen lasse ich es mir in der warmen Stube gut gehen. Wer übrigens – wie ich – glaubt, die Hütte sei fast leer, irrt gewaltig.

Von drinnen nach draußen geschaut: Es wird trockener und heller. Das verspricht besseres Wetter für morgen.

Gehzeit: 4,5 h, Höhenmeter: ca. 800 hm auf und 500 hm ab, Entfernung: 13,5 km

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