35 km, 1.700 hm, 7 Stunden – Karwendelmarsch für Anfänger

Von Scharnitz über das Karwendelhaus und die Falkenhütte in die Eng

Verschenkt man so eine (Tor)Tour? Ich habe es jedenfalls getan und so fanden wir uns am Freitag Nachmittag im Auto wieder und sind nach Scharnitz gefahren. Es war eine ziemlich gute Idee, die Startunterlagen – ja es ist ein Wettkampf – noch am Freitag Abend zu holen. Es spart morgens Zeit und wir hatten gleich die Orientierung für Samstag.

Die Nacht haben wir im wunderbaren „Landhaus Doris“ in Leutasch verbracht. Unsere Wirtin war so nett, für uns und ein weiteres Karwendelmarsch-Paar für 4.30 Uhr Frühstück zu richten. Das Paar war zum 2. Mal dabei und dieses Jahr über die volle Distanz. Daher wurden wir auch gleich ausgefragt. Da ich weite Teile der Strecke bereits durch München – Venedig und andere Touren kenne, war der einzige Angriffspunkt das mir unbekannte Teilstück vom Karwendelhaus zur Falkenhütte. Wir wurden mit einem Redeschwall überschüttet, von dem bei uns hängen blieb: „Sie können überhaupt nicht einschätzen, was auf sie zukommt.“ Na gut, so sei es.

Nach einer kurzen Nacht sollte unser Wecker um 4.20 Uhr klingeln, was jedoch voraussetzt, dass man diese Zeit auch eingestellt hat. Wir sind aufgewacht, haben auf die Uhr geschaut … und es war 4.33 Uhr. Phu. Der Wecker war auf 5.30 Uhr gestellt. Glück gehabt.

Um diese Zeit frühstücken war schon grenzwertig. Kurz nach 5.00 Uhr war Aufbruch und wir reihten uns in die Autoschlangen Richtung Scharnitz ein.
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Am Start angekommen, werden auch wir von der besonderen Atmosphäre erfasst. Ganz Scharnitz scheint auf den Beinen. 6.00 Uhr wird der Start mit Böllerschüssen verkündet. Spätestens jetzt sind alle wach und der Tross setzt sich in Bewegung. Schnell noch den ersten Stempel geholt und dann geht es auch für uns los. Das Wetter ist im Vergleich zu den Vorjahren, in denen es zum Teil richtige Regenschlachten gegeben haben muss, perfekt.
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Der Anfang war schon nervig, da auf dem sehr langen, flachen Stück von fast 10 km alle bis auf die Läufer sehr eng zusammen waren. An der Stelle hat man die 2.500 Teilnehmer doch gemerkt. Wie ein langer Wurm schlängeln sich alle der ersten Labestation, dem Schafstallboden, entgegen. Die Morgenstimmung um uns herum ist wunderbar und deutet schon leicht in Richtung Herbst.

Mit Tee und Obst gestärkt geht es dann in Richtung Karwendelhaus. Langsam zieht sich der Wurm in die Länge und wir finden gut in unserem Laufrhythmus. Es geht jetzt knapp 700 hm hinauf und plötzlich, weit vor meiner Zeitschätzung, taucht das Karwendelhaus auf. Hier gibt es ein ausgedehntes Frühstück mit belegten Broten, Obst, Suppe und ganz leckeren Früchteriegeln. Die Hälfte der Kilometer ist für uns hier bereits geschafft. Die ersten Läufer der gesamten Distanz von 52 km sind nach 4 Stunden bestimmt schon fast im Ziel. Das heben wir uns für das nächste Leben auf 😉image

Die Temperatur steigt merklich an und wir laufen jetzt auch fast immer in der Sonne. Es geht für knapp 6 km abwärts zum kleinen Ahornboden, wo schon die nächste Labestation auf uns wartet. Die hier grasenden Kühe wissen überhaupt nicht wie Ihnen geschieht und sind sicherlich wieder glücklich grasenden Almkühe, wenn in wenigen Stunden der Trubel vorbei ist. Von hier aus müssen wir uns das nächste Etappenziel etwas härter erarbeiten, da die nächsten ca. 600 hm auf uns warten und es zunehmend heißer wird. „Dass wir ja eh überhaupt nicht einschätzen können, was uns erwartet“ ist unser running gag und treibt uns auch jetzt zielstrebig nach oben in Richtung Falkenhütte. Es ist das einzige Mal, dass wir etwas schnaufen mussten und für das Zwischenfoto vor der Hütte haben wir schon wieder einigermaßen erholt geschaut.
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Nach den jetzt bereits geschafften 30 km kommt jetzt fast nur noch „heimrollen“. Wir nutzen die Labesration noch einmal vollumfänglich und starten dann auf unseren letzten Abschnitt. Nach der Falkenhütte geht es steil bergab. Man muss sich diese Hütte von jeder Seite erarbeiten. Spätestens jetzt wünschen wir uns beide unsere Bergschuhe herbei, da abwärts gehen auf rollendem Gestein nicht so viel Spaß macht. Dennoch war die Entscheidung, auf die leichten Schuhe zu setzen, für den überwiegenden Teil der Strecke die richtige. Noch ein kurzer Gegenanstieg und dann geht es durch Latschen, zwischen denen das Atmen aufgrund der Hitze schwerfällt. Nach etwas mehr als einer Stunde rückt das Ziel ins Blickfeld und etwas Erleichterung macht sich breit. Nach 7.45 Stunden brutto laufen wir durch das Ziel. Abzüglich der Pausen haben wir 7 Stunden für die Strecke benötigt. Gerne wieder!!!!! Auch Dank der perfekten Organisation. Wir holen unser Finisher-Geschenk ab und futtern uns noch einmal durch das Angebot.image

Wir sind froh, durchgehalten zu haben. Bei etwas niedrigeren Temperaturen sind sicher auch die 52 km drin. Übrigens: Wir haben es doch ganz gut einschätzen können, was uns erwartet. Meine Zeitschätzung war noch zu konservativ 😁

Der Bus bringt uns in etwas mehr als einer Stunde über Vorderriß und Wallgau nach Scharnitz zurück. Wir steigen in unser wunderbar aufgeheiztes Auto und fahren müde aber glücklich zurück.

2 Kommentare zu „35 km, 1.700 hm, 7 Stunden – Karwendelmarsch für Anfänger“

  1. Hey,
    so kann man auch einen Samstag verbringen. War doch eine leite Übung für Euch Weitwanderer. Was war den das Finisher-Geschenk?
    Wir haben uns nach Einkaufen am Samstag vom „Stars for Free“ Konzert etwas erholt und Schlaf nachgeholt. (Lena, Johannes Oerding, Stefanie Heinzmann, Sarah Connor, Glasperlenspiel, Radio Doria, Sascha und Bosshoss…. ) Eine Menge Küstler und richtig geile Stimmung. Dafür waren wir am Sonntag noch in der Natur unterwegs um ein paar Caches einzusammeln. Im Oktober soll´s nochmal mit den Wanderstiefeln ins Erzgebirge gehen… wenn alles klappt.

    Liken

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