Regnen tut es nur im Kopf

Vom Furtschaglhaus zur Berliner Hütte (2.044 m)

Gestern hatten wir einen wirklich lustigen, langen Hüttenabend. So langsam bilden sich die Gruppen, die sich immer wieder treffen, heraus. Wir saßen mit zwei Männern aus Frankfurt, einem südtiroler/allgäuer Paar und zwei Herren aus Fulda zusammen. Wir haben alles „besprochen“ – italienische Wirtschaftskraft, die Küche Südtirols, Fußballweltmeisterschaft und vor allem die Wetteraussichten für die nächsten Tage. Christoph hat den in der Hütte hängenden Wetterbericht gelesen und kam mit Tränen in den Augen zurück. Er sagte, das könnte auch ein Horoskop sein. Darauf hat der Südtiroler den Spruch geprägt, regnen tut es eh nur im Kopf…

Daraufhin sind wir alle im festen Glauben an besseres Wetter ins Bett.

Und heute Morgen…

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Es geht doch. Für die heutige Tour, mit fast 1.000 Höhenmetern und Aufstieg auf das Schönbichler Horn, wäre Regen furchtbar. Wir starten kurz vor 8.00 Uhr und wie üblich geht es sofort aufwärts. Nahezu alle Höhenmeter im Aufstieg warten am Anfang auf uns.

Leider zieht es mit zunehmender Höhe immer weiter zu. Es regnet nicht, ist jedoch ziemlich neblig. Wir müssen an ein, zwei Stellen gut auf die Markierungen achten und steigen schlussendlich als 6 – er Gruppe in Richtung Gipfel (3.134m) auf. Einige Schwierigkeiten sind schon im Anstieg eingebaut. Wir müssen einige Schneefelder queren und steigen über Schotter ziemlich steil bergauf.

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Die letzten Meter zum Schönbichler Horn

Wir haben schon erste seilversicherte Passagen, aber das anspruchsvollste Stück wartet noch auf uns.

Auf der Ostseite des Berges geht es einige Zeit sehr anstrengend, mit Seilen gesichert, bergab. Wohl dem, der lange Beine hat. Zum Glück regnet es noch nicht. Wenn wir Ausblick gehabt hätten, wäre der sicher genial gewesen. So sind wir im Nebel, die guten Markierungen immer im Blick, auf dem Grat abgestiegen. Teilweise war es eine rutschige Angelegenheit, so dass man immer konzentriert laufen musste. Da war nix mit quatschen unterwegs.

Endlich fing es wieder an zu regnen (natürlich nur im Kopf) und so schalteten wir doch bald in den „Hauptsache Ankommen“-Modus. Kurz gab eine Wolkenlücke den Blick auf die Berliner Hütte frei. Es passierte uns erstmals, dass wir die Entfernung total unterschätzt haben. Das trug im Verlauf nicht zur Verbesserung der Motivation bei. Wir mussten über unendlich viele Granitblöcke steigen und Wasserfälle queren. Den Schuhen war es egal, die waren schon nass.

Über viele nasse und rutschige Gletscherschliffplatten hinweg, erreichten wir dann doch die Berliner Hütte. Das ist fast ein Hotel in den Bergen. Sie steht unter Denkmalschutz und hat einen riesigen Speisesaal mit Holzvertäfelung, einen Postschalter, an dem man eincheckt und einen Eingangsbereich mit Kronleuchter.

Wir wurden von der zweiten Jungsfraktion in unserer losen Gruppe, den zwei Schwaben, begrüßt und sofort zum Trockenraum geschleust, da dort der Platz für die Schuhtrockner schon eng wurde.
Nachdem die Bedienung irgendwann auch Lust hatte, bekamen wir unser Zimmer und die heiß ersehnten Duschmarken.

Geduscht und mit einer halben Portion Tiroler Knödel im Bauch, können wir dem ausdauernden Regen von innen gut zuschauen.

Wir sind heute nur 5 Stunden gelaufen, aber es hätte nicht viel weiter sein dürfen.

Morgen soll es etwas besseres Wetter geben, was aus zwei Gründen positiv wäre. Erstens soll man von der Berliner Hütte ein perfektes Panorama haben und zweitens steht morgen wieder eine anspruchsvolle Etappe mit Kletterei und vielen Höhenmetern auf dem Programm.

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Überblick Berliner Höhenweg

Von Berlin auf den Berliner Höhenweg

Von Finkenberg zur Gamshütte (1.923 m)

Der Start war, wie für uns fast normal, nicht ganz optimal. Die Entscheidung, auszuschlafen und alles geruhsam anzugehen, haben wir mit einer vierstündigen Anfahrt nach Mayrhofen/Zillertal bezahlt. Dafür hatten wir alle Zeit der Welt, den Achensee anzuschauen und nette bayerische und österreichische Dörfer zu bestaunen. Un 15.15 Uhr haben wir unseren Aufstieg begonnen. Bei 33 Grad lagen 1.000 hm und ca. 3 Stunden Gehzeit vor uns. Ich gestehe, nach wenigen Minuten hätte ich am liebsten umgedreht. Wir mussten erst das Dorf hinter uns bringen und da stand die Hitze. Alles war im Freibad und es lockte ein Hotel nach dem anderen.
Dann kam endlich Wald und ein wunderbar zu gehender Weg, der uns in vielen Kehren schnell bergan brachte. Nach der Hälfte der Zeit hatten wir einen ersten schönen Blick zurück auf Mayrhofen.

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Blick auf Mayrhofen

Und nicht viel weiter mussten wir gehen, um wirklich einen ersten grandiosen Blick, auf das, was vor uns liegt, zu werfen.

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Da werden wir in den nächsten Tagen sein

Der Weg zur Hütte zog sich dann doch noch ziemlich lange durch den Wald. Plötzlich konnte man die Hütte sehen. Oder war es nur der Schuppen der Materialseilbahn?

Wenige Minuten trennten uns vom ersten Etappenziel. Wir könnten zum Glück ein Zimmerlager im Haupthaus beziehen und freuten uns über ein kaltes Skiwasser. Danach freuten wir uns über das kalte Wasser im Waschraum, was mit 8 Grad für eine schnelle Wäsche sorgte. Das Essen und die Atmosphäre auf der Hütte entschädigen für die Kälte. Besonders die Käsesahnetorte kann sich durchaus einem Wettbewerb stellen.

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Morgen wartet mit 9 Stunden die längste Etappe der Tour auf uns. Da heißt es, früh schlafen zu gehen und morgen früh schnell zu sein. Es gibt nur wenige Toiletten und Waschbecken und alle auf der Hütte haben den gleichen Weg zum Friesenberghaus.