Viele Wege führen nach Rom aber nicht in die Jachenau

Von der Tutzinger Hütte (1.327 m) nach Vorderriß (792 m)

Auch auf dieser Tour bestätigt sich wieder, dass man auf einer Hütte keine einsamen Abende allein am Tisch verbringen muss. Es sind nur wenige Gäste da und schnell sitzen wir alle an einem Tisch – ein Ehepaar aus Düsseldorf, zwei Jungs aus Berlin und einer aus Freising. Alle sind in Richtung Venedig unterwegs, jedoch wollen oder können nicht alle dahin.

Heute Nacht ist dann der angekündigte Regen gekommen und davon nicht zu knapp. Aufgrund der für eine Hütte relativ späten Frühstückszeit (ab 8.00) war sowieso erst einmal ausschlafen angesagt. Am zweiten Tag wollte ich nicht schon pausieren. Heute morgen stand für alle die Frage im Raum, zu bleiben oder im Regen zu gehen. Nachdem die ehrenamtlichen Wegewarte auch an die Arbeit sind, stand für mich fest, weiterzugehen. Wenn die im Regen arbeiten, kann ich ja wohl laufen.

Ich war die erste, aber alle anderen folgten auch. Auf ging es Richtung Benediktenwand immer stetig bergauf. Ich folgte sklavisch den Weisungen des Wanderführers, der mich nach einem letzten Blick auf die Hütte von einem Sattel im Wald steil bergab führte.

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Nach einer knappen Stunde Gezeiten kam es mir sehr komisch vor, dass es keine Beschilderung mehr gab und die Bäume keine roten Punkte mehr hatten. Nicht mehr weit und der Weg endete an einem Jägerstand.  Ich probierte es gar nicht erst durch den weglosen Wald, sondern bin den ganzen Weg zur Hütte wieder zurück. Frustrierende zwei Stunden und 400 Extra-Höhenmeter später war ich wieder am Ausgangspunkt und begann von vorn. Jetzt als Letzte.

Da ich immer etwas schneller bin, als die Zeitangaben auf den Schildern und im Wanderführer, kam es, wie es kommen musste. Ich habe mich etwas überschätzt und bin einfach zu früh rechts abgebogen.

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Ab jetzt war ich auch dem richtigen Weg und bin steil bergab in Richtung Jachenau, wo ich auf dem anderen Weg nie angekommen wäre. Ein Nachteil bei dieser Tour: Es widerspricht mir keiner 😉

Über glitschige Steige, die volle Konzentration erforderten, lief ich immer entlang eines schönen Baches, aus dem gelegentlich kleine
Wasserfälle entsprangen. Bis Jachenau holte ich fast eine meiner zwei verlorenen Stunden wieder auf. Dort angekommen, habe ich im Gasthof den großen Teil der Gruppe bei der Mittagspause angetroffen

Da ich mir die auch redlich verdient hatte, habe ich mich den Jungs angeschlossen und mir einen guten Schweizer Wurstsalat gegönnt. Mit dem im Bauch ging es auf zum Schlussspurt (3:15 Stunden…). Jetzt würden eigentlich erst die Höhenmeter des Tages kommen. Da muss ich jetzt durch und ich merke meine Oberschenkel doch schon etwas.

Nach 90 Minuten bin ich am Rißsattel und kann hinunter zum Etappenort Vorderriß schauen und auch schon einen Teil der morgigen Wegstrecke sehen. Verlaufen geht morgen nicht.

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Endlich geht es mal wieder in Kehren durch die Südwand. Heute mag ich nicht mehr bergab, es hilft jedoch nichts. Wenigstens regnet es seit Mittag nicht mehr und ich kann ein paar blaue Lücken im grauen Einerlei ausmachen.

Nach 2,5 Stunden bin ich am Ziel und habe:
1. Meine verlorene Zeit fast komplett aufgeholt
2. Ein Einzelzimmer im Gasthof Post
3. Meine Regenkleidung einem Härtetest unterzogen, da ich noch nie stundenlang im starken Regen unterwegs war (Ausnahme: Wanderung mit Christoph und Jan zur Reintalangerhütte, bei der ich diese Ausrüstungsgegenstände noch nicht besaß – Grüße aus der Ferne an Euch beide).

Jetzt warte ich frisch geduscht auf das Abendessen und überlege schon die ganze Zeit, worauf ich Appetit habe. Hunger habe ich auf jeden Fall ☺

Die nächsten Tage könnte es etwas eng mit dem Netz werden, daher bitte nicht auf Einträge warten. Wenn es geht, wird es etwas geben.

2 Kommentare zu „Viele Wege führen nach Rom aber nicht in die Jachenau“

  1. Hallo Ju,
    habe gestern an dich gedacht und an den Tag als wir zusammen unterwegs waren und deine Regenjacke Wolken bildete. Auch mit dem endenden Weg in die Jachenau haben wir Erfahrungen, aber mir Karli und Isolde, auch wir standen vor dem Ende.
    Hoffe für dich auf besseres Wetter . Dass alles nach deinem Plan läuft und du weiterhin Spass hast und viele schöne Eindrücke sammeln kannst. Pass auf dich auf.

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  2. Hallo Judith,
    bitte GPS Ortung am Handy einschalten, damit wir dich wieder finden :-).
    Ich glaube, das wäre mir auch passiert wenn ich allein unterwegs wäre. Bei mir streiten ja schon 2 Navis im Auto miteinander. Und dann nur Punkte an Bäumen und Steinen… da brauche ich auch noch bissl Übung. Die kommt dann bestimmt bei der Tour mit Sandra und Tobias zum Scharrenschloss…
    Dir wünsche ich auf alle Fälle besseres Wetter.
    P.S. Einladung ist Heute angekommen, freue mich schon riesig. 🙂

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