Geduld zahlt sich aus – Dolomit unter den Füßen

Vom Sellajoch (2.180 m) um die Langkofelgruppe

Dass eine Wanderung in den Dolomiten in diesem Jahr noch wahr werden würde, habe ich nicht zu hoffen gewagt. Meine Sommertour habe ich am Eingang zum Nationalpark Puez-Geissler beendet und Algund als home base unseres Südtirolurlaubs ist für alles mögliche geeignet, nicht unbedingt aber für Touren in den Dolomiten. Appetit holten wir uns im Wanderführer mit 40 Dolomitenklassikern und herrlichen Bildern. 

Die Wetteraussichten nach dem völlig verregneten Sonntag, den wir in der Therme Meran verbrachten, waren für heute passabel, so dass mal wieder frühes Aufstehen angesagt war. Der Sonnenaufgang über den Sarntaler Bergen verhieß nicht nur einen passablen sondern einen perfekten Bergtag. Und so kam es auch. Über bekannte Wege sind wir das Grödner Tal hinauf zum Sellajoch gefahren, wobei ich immer noch etwas vorsichtig mit meinem inneren Jubel war, da auf den Gipfeln doch einiges an Neuschnee lag und wir nicht einschätzen konnten, wie es auf der von uns gewählten Tour aussieht.

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Steinerne Stadt mit Blick Richtung NP Puez-Geissler

Das Sellajoch jedoch lag im gleißenden Sonnenschein, nur wenige Autos auf dem Parkplatz und der Schnee lag weiter oben „auf der Decke“ des Sellastocks. Aufgrund der doch recht langen Anfahrt sind wir erst gegen 10.00 Uhr gestartet. Mit faszinierenden Ausblicken, fast nach jeder Wegbiegung besser sind wir erst durch die steinerne Stadt, ein Areal mit großen Felsblöcken übersät, gelaufen. Danach gab es einige Zeit nur das Skigebiet mit vielen Liftanlagen zu sehen, was mich dann doch immer wieder zum zweifeln bringt, es wirklich noch eine Seilbahn mehr sein muss, die auf den letzten noch unverbauten Gipfel führt. Auf der anderen Seite reizt es natürlich, die Sella Ronda im Winter zu absolvieren, doch da ist man sicher nicht so einsam wie heute.

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Langkofel

Im Norden sehen wir immer in Richtung Nationalpark Puez-Geissler und nachdem wir immer im leichten Auf und Ab ein großes Geröllfeld an der Nordflanke des Lankofels gequert haben öffnet sich nach Westen ein wunderbarer Ausblick auf den Schlern und die Seiser Alm. Dahinter entfaltet sich ein wunderbares Bergpanorama, was uns sicher bis in die Schweiz schauen lässt. Es ist keine Wolke am Himmel und die Lerchen haben sich gelb gefärbt, so dass sich in Kombination mit dem grauen Fels und dem immer wieder hervor blitzenden Schnee wirklich eine perfekte Landschaft um uns herum befindet und jeder Schritt einfach nur Spaß macht.

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Blick über die Seiser Alm zum Schlern

Genau zwischen Lang- und Plattkofel im Langkofelkar befindet sich in herrlicher Lage die Langkofelhütte, die wir jedoch ignorieren, da noch mehr als 10 Kilometer vor uns liegen. Unser Ziel ist die Plattkofelhütte, die wir über einige etwas steilere Anstiege und immer wieder langsam ansteigende Wege über Almwiesen erreichen. Hier sind wir plötzlich nicht mehr allein. Ein ganzer Bus Landsleute kommt uns entgegen. Vermutlich haben sie zwei Stunden Zeit zur freien Verfügung 🙂 ehe der Bus weiterfährt. Wir vermuten bereits, dass wir uns die zweite Hälfte der Tour mit vielen Wanderern teilen müssen. Dem ist jedoch nicht so, da die Heerscharen von Menschen wohl von der anderen Seite zur Plattkofelhütte gekommen sind. Die Hütte selbst befindet sich im Umbau, so dass an eine Einkehr nicht zu denken ist. Aber es kommen noch einige Hütten – ob die geöffnet haben?

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Marmolada

Das beste an der Plattkofelhütte ist, dass wir endlich freien Blick auf die vergletscherte und jetzt frisch eingeschneite Marmolada haben und das bei strahlend blauem Himmel und vielen bunten Paraglidern in der Luft.

Und immer wieder geht es hoch und wieder runter, jetzt auf dem Friedrich-August-Höhenweg und mit Blick auf die Marmolada rechts und Lang- und Plattkofel links steuern wir die nächste Hütte, das Rifugio Pertini an.

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Östliche Seite der Langkofelgruppe

Das hat leider bereits geschlossen. Die Terrasse nutzen wir dennoch für eine kurze Pause. Die inzwischen zurückgelegten 11 Kilometer beginnen wir jetzt doch etwas zu spüren. Der Endspurt über die Friedrich-August-Hütte ist von Erfolg gekrönt. Die Hütte hat offen und es gibt eine herrliche Sonnenterrasse auf der wir uns die Nachmittagssonne bei Radler und Cappuccino ins Gesicht scheinen lassen. Bald schiebt sich auch der Sellastock wieder in unser Blickfeld, so dass unser Ziel nicht mehr weit sein kann. Vorbei an vielen Seilbahnen, die fleißig für den Winterbetrieb gerüstet werden laufen wir die letzten Meter zum Sellajoch hinab.

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Sellastock

Eine wunderbare, aber lange Rundtour, zwar ohne Gipfelerlebnis jedoch mit herrlichen Ausblicken in alle Himmelsrichtungen und bei dem perfekten Wetter: Dolomitengenuss pur.

Auf-/Abstieg: 600 hm – 15 Kilometer

2 Kommentare zu „Geduld zahlt sich aus – Dolomit unter den Füßen“

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