Die Rechnung ohne den Wirt gemacht

Schnippenkopf – Blumenberge über dem Illertal

Wir erkunden eine Region, in der wir mit Ausnahme einer Tagesetappe auf dem E5 bislang noch nicht unterwegs waren – das Oberallgäu.

Unweit von Fischen im Allgäu, am Ortsrand von Schöllang (855 m), gibt es trotz unserer späten Startzeit noch eine freie Parkbucht. Auf dem Eybachtobelweg laufen wir angenehm kühl und schattig immer am Wasser entlang, sanft nach oben. Es ist meist ein wunderbar angelegter Steig, selten Forst-oder Schotterweg. So sind die ersten dreihundert Höhenmeter nahezu mühelos zu bewältigen.

Nach etwas mehr als einer Stunde kommen wir auf einem Forstweg, der uns bis fast zur Entschenalpe führt. Hier liegt ein einziges Gebimmel von Kuhglocken wie ein Teppich über dem Plateau. Es muss eine riesige Herde sein, die wir jedoch nicht sehen, da unser Weg vor der Alpe abzweigt. Jetzt geht es auch ziemlich zackig bergan, zum Glück immer mal wieder im Wald. Wir sehen jetzt auch unsere Gipfel und sind daher voll motiviert. An einem kleinen Platz verjüngt sich der Weg, so dass wir uns sehr konzentrieren müssen. Über steile Grasflanken kommen wir langsam vorwärts, wobei es uns immer weniger geheuer wird. Bald ist kein Weg mehr zu sehen und nach einigem Überlegen kehren wir um. Irgendetwas müssen wir übersehen haben…

Wenige Meter noch zum Gipfel des Sonnenkopfs

Ich will gar nicht wissen, wie viele Höhenmeter wir verlieren, bis aus dem Nichts an einem Baumstamm ein dunkles Schild „Fußweg auftaucht und uns nach rechts oben leitet. Von unten kommend, wäre es links gewesen. Aber nur von oben ist es wirklich zu erkennen. Jetzt geht es durch Heidelbeerfelder im Wald ziemlich schnell zum ersten Gipfel, dem Sonnenkopf (1.713 m). Plötzlich tauchen im Süden das Nebelhorn und das Rubihorn auf, die schroff und grau die etwas alpinere Seite der Allgäuer Alpen zeigen. Wir hingegen sitzen bei unserer Rast in einem Meer von Blumen. Es summt um uns herum – Bergsommer pur.

Vom Gipfel geht es ein paar Meter abwärts, um dann immer auf den entspannt zu gehenden Bergrücken – Nomen est Omen – zum Heidelbeerkopf (1.767 m) aufzusteigen. Die Aussicht bleibt die ganze Zeit über perfekt. Auch hier gehen wir wieder abwärts, um dann die verlorenen und noch ein paar zusätzliche Höhenmeter zum letzten Gipfel in Angriff zu nehmen. Der Schnippenkopf (1.833 m) lädt uns trotz seiner Blumenpracht nicht zu einer längeren Pause ein. Wir wollen zur wenige Minuten entfernten Falkenalpe auf ein kaltes Getränk einkehren. Es geht immer mit Blick auf Entschenkopf und Rubihorn abwärts. Bald kommt eine Hütte ins Blickfeld. Das kann nicht die Falkenalpe sein, denke ich noch so in mich hinein. Wenig später kommt die Auflösung… sie ist es doch, aber nicht mehr bewirtschaftet. Da realisiere ich, dass mein Wanderführer schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Etwas Enttäuschung macht sich breit, da ich mir immer vorstelle, was ich in wenigen Minuten so vor mir stehen habe. In diesem Fall: nichts.

Es hilft nix, jetzt müssen die verbleibenden 2,5 Stunden uns Tal noch „abgelaufen“ werden. Über schöne Wald- und Wiesenpfade geht es hinab zur Entschenalpe. Und jetzt hören und sehen wir auch die riesige Rinderherde, die beim Aufstieg schon für den Lärm gesorgt hat. Die haben riesig Platz hier oben und lassen es sich gut gehen.

Wir steigen auf dem Forstweg hinab, bis wir auf den Pfad zum Eybachtobel stoßen. Auf bekanntem und schattigem Weg steigen wir hinab zum Auto.

Ohne Irrweg und mit Einkehr wäre es perfekt gewesen, so war es immer noch so schön, dass wir es wieder machen werden. Es sind sehr wenige Wanderer unterwegs. Eine schöne, stille Tour.

Nach: Oberallgäu und Kleinwalsertal / Tour: Auf den Schnippenkopf

Ca. 1.000 hm/ 4 h Gehzeit und ca. 10 km

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