Be(r)geisterung – und davon jede Menge

Vom Vilsalpsee (1.165 m) auf die Lachenspitze (2.126 m)

Wenn man unseren Touren folgt, merkt man sicher, dass wir gern in den Tannheimer Bergen unterwegs sind. Es ist sozusagen unser Hauswandergebiet.

Diese Tour hätten wir schon früher mal gehen sollen, sie hat alles, was eine schöne Bergtour so braucht – insbesondere für mich 🙂

Es gibt Seen und davon gleich drei, einige hundert Meter flach zum einlaufen, fast ausschließlich Steige und Pfade, eine Scharte, eine Hütte zur Einkehr nach dem Gipfel und perfektes Panorama in alle Himmelsrichtungen. Also auf geht’s!

Die zusätzlichen Kilometer zwischen Vilsalpsee und Tannheim möchte ich sparen, deshalb bin ich auch vor 10.00 Uhr da, um die Zufahrtsstraße noch nutzen zu dürfen. Noch ist sehr wenig los.

Auf der durch großflächige Gesteinsabbrüche lange gesperrten Ostseite des Vilsalpsees geht es flach dahin, perfekt zum Warmlaufen. Die Berge spiegeln sich im fast spiegelglatten Wasser. Auf ein schönes Motiv springe ich immer an. Zwei Radler tun es mir gleich.

Direkt hinter mir, sieht man mit welcher Urgewalt sich Berge ‚bewegen‘ – eine riesige Schneise, in der Unmengen von Gestein liegen, dass der Berg quasi abgesprengt hat. An der Talstation der Materialseilbahn der Landsberger Hütte zweigt der Steig ab, der jetzt stetig steigend aufwärts führt. Kühe grasen links und rechts des Weges, ebenso wie auf dem Weg selbst. Dann muss ich halt ausweichen. Von den Bergen ringsum stürzen viele Wasserfälle mit Rauschen ins Tal hinunter. In Serpentinen geht es teilweise sehr steil nach oben, der Vorteil dabei ist, dass man ziemlich schnell an Höhe gewinnt. Nach einer Stunde luge ich über eine Kante und sehe auf türkisfarbenes Wasser – der Traualpsee (1.649 m) liegt direkt vor mir und gegenüber sehe ich schon die Landsberger Hütte. Die Kante stellt sich bei genauerem Hinsehen als Endpunkt der Staumauer des Traualpsees heraus.

Traualpsee mit Blick zur Landsberger Hütte und Lachenspitze

Eine kurze Pause zum Genießen der Szenerie muss sein, zumal keine Menschenseele in der Nähe ist. Zur Landsberger Hütte sind es knapp 30 Minuten und 200 hm. Das ist schnell geschafft und dann liegt auch schon gleich der dritte See, der Obere Traualpsee (oder Lache genannt) vor mir. Schöne Bilder heute.

Über die Terrasse der Landsberger Hütte (1.805 m) hinweg geht es über Almwiesen hinweg in weiten Bogen fast Eben über das Kar in Richtung Steinkarscharte (1.955 m). Die Aussicht nach Süden geht auf den Allgäuer Hauptkamm und Lechtaler Berge. Rechts begleiten mich Gaishorn und Rauhhorn schon den ganzen Weg.

Von Norden kommend, denkt man nicht, jemals ans Gipfelkreuz der Lachenspitze zu kommen, so steil fallen die Nordwände ab. An der Steinkarscharte jedoch kann man den südseitig aufwärts führenden Weg sehr gut ausmachen, zumindest den flachen Teil, der sich entlang des Berges zieht. Irgendwann müssen die letzten 200 hm dennoch überwunden werden. Und zwar jetzt! Es geht in engen Kehren auf teilweise sehr losem Gestein gefühlt ewig aufwärts. Der Lohn: Ganz plötzlich erblickt man nordseitig alle drei Seen, kann ins Tal hinunter schauen und hat am Gipfel ein herrliches Panorama.

Nachdem ich genug Aussicht in mir aufgesogen habe, geht es an den Abstieg. Der macht die ersten Höhenmeter noch weniger Spaß, als der Aufstieg, da jeder Schritt mit Bedacht gesetzt werden muss. Zum Glück ist wenig los und es ist auch nur ein kurzer Abschnitt. Über die Scharte und den Karboden geht es auf dem Anstiegsweg wieder zurück. Jetzt wird die Landsberger Hütte nicht ignoriert. Ein schattiges Plätzchen ist schnell gefunden. Und das Knödel-Duo mit Salat habe ich mir verdient – glaube ich zumindest.

Die Hütte ist sehr gut frequentiert, da man wohl auch von der Bergstation der Bahn zum Neunerköpfle herüberlaufen kann. Das merke ich auch im Abstieg, es sind sehr viele Wanderer unterwegs, die vermutlich nicht auf meinem Weg heraufgekommen sind. Es sind jedoch alle entspannt und wenn man nicht drängelt, bekommt man immer Platz gemacht…

Nach einer Stunde habe ich den steilen Abstieg geschafft, suche mir auf den letzten Metern noch meinen Weg durch eine großflächig verteilt liegende Kuhherde und bin bald wieder am Vilsalpsee.

Eine sehr lohnende Tour, die im Herbst bei klarer Sicht sicher ein absolutes Highlight ist.

Tour: Ostallgäu und Tannheimer Berge / ca. 1.000 hm / 13 km und 4 Stunden (5 h lt. Buch)

Touraufzeichnung

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