Pflastermüde

2. Etappe – Von Rosenlaui über die Große Scheidegg (1.962 m) und Grindelwald zum Berghaus Alpiglen (1.616 m)

Wir haben in der wunderbaren Bergluft gut und lange geschlafen. So sitzen wir ausgeschlafen um 7.30 Uhr beim Frühstück, welches auch wieder alle Erwartungen übertrifft. Es gibt alle Sorten von Beeren, Bürlibrot, Butter von der Alm wenige Meter bergab, natürlich eine ganze Auswahl an Chäs und noch so viel mehr. Da das Abendessen so üppig war, muss ich leider vieles unversucht lassen 😦

Nachdem.wir wenige Meter bergab besten Internet-Empfang haben, stelle ich meinen Blog ein und wir starten gemütlich Viertel vor Neun. Es geht hinauf zur großen Scheidegg auf schönen Wegen. Wir müssen immer wieder pausieren, da die Himbeeren, Blaubeeren und Walderdbeeren zu verlockend sind. Gelegentlich queren wir die Straße, die das Postauto, also der Bus benutzt. Der fährt hier jeden Pass an, wenn nicht eine Bahn oder Seilbahn hinauf führt.

Endlich sehen wir auch mal eine größere Herde Kühe. Ich habe mich schon gefragt, wo der ganze Käse herkommt. Es ist immer wieder spannend, auf einen Pass zu kommen, da es immer eine neue, unbekannte Szenerie gibt. Hier ist es der Eiger (3.970m), der mit seinem Schnee- und Gletschergipfel unvermittelt ins Bild tritt. Wir werden ihm heute noch viel näher kommen. Von hier oben sehen wir auf der anderen Seite des Tals bereits die Kleine Scheidegg, unterhalb derer unser heutiges Ziel ist. Es gab zwar zwischendurch einige Verwirrungen, da wir eine Seilbahn hinauf zur kleinen Scheidegg gesucht haben, die es jedoch gar nicht gibt.

Blick zum Eiger

Nach einer kurzen Pause nehmen wir die Alternativroute hinab nach Grindelwald (1.034 m) über den Stepfihubl. Wir kommen jetzt weg von der Passstraße und steigen über schöne Wiesen bergab. Ein ganzes Stück gehen wir neben dem Bärgelbach, der sich tief ins Gestein gewaschen hat. Der Weg ist sehr schmal, also Obacht geben und nicht gucken und laufen…

Leider ist dieser Wiesenweg ca. 1 Stunde vor Grindelwald zu Ende und wir müssen auf ein Asphaltsträßchen wechseln. Es gibt keinen Schatten und die Sonne strahlt mit der ihr in diesem Sommer gewohnten Kraft. Der Blick auf die Gletscher bringt nicht einmal eingebildete Abkühlung.

Durch Siedlungen mit schönen Holzhäusern laufend, kommen wir doch irgendwann auch in Grindelwald an. Obwohl wir nur Appetit auf eisgekühlte Wassermelone haben, holen wir uns beim Bäcker eine Butterbreze – im Nachgang eine weise Entscheidung. Wir müssen durch den ganzen Ort, die Luft steht und der Asphalt strahlt die Hitze unheimlich ab. Vom Zentrum geht es nochmals abwärts zum Bahnhof Grund. Jetzt wird uns auch klar, warum wir keine Seilbahn gesehen haben. Hier fährt die Wengernalpbahn hinauf zur Kleinen Scheidegg. Das ist eine Schmalspurbahn, die diejenigen, die es sich leisten wollen, zur Jungfraubahn bringt, mit der man auf das Jungfraujoch auf etwa 3.400 m kommt. Wir könnten hier auch abkürzen, machen wir aber nicht.

Reuen wir es – ja, aber wir wären rückblickend nicht so zufrieden, angekommen zu sein. Und wir wussten auch nicht so richtig, was uns bevorsteht. Ein steiler Asphaltweg, sonnenbeschienen, will/muss Von uns bezwungen werden. Es ist furchtbar, auf einer Wanderung fast die Hälfte auf Asphalt zu gehen. Heute war es so und bei der Hitze war auf der Skala von 1 bis für Willen eine glatte 6 angezeigt. Laufen, Trinken, Laufen und so fort. Kein Spaß…

Ich habe mir gesagt, dass ich unterwegs jeden Brunnen nutze, den es gibt und es gab zum Glück viele davon mit herrlich kaltem Wasser. Die Rettung.

Wetterhorn im Hintergrund und Wengneralpbahn

Am Berggasthaus Brandegg, auf 1.300 m queren wir die Gleise … das schaffen wir jetzt auch noch ohne Zug. Es ist irre viel Zugverkehr auf der Strecke und es gibt an den Stationen elektronische Anzeigetafeln, wie in München an jeder Haltestelle. Das ist schon etwas absurd hier. Aber Eiger, Jungfrau und Mönch sind halt absolute Highlights hier und UNESCO Welterbe. Da wollen viele hin.

Gasthaus Brandegg und Bahnstation

Ehe ich gänzlich verzweifle, kommt unser Ziel näher und bald gibt es die letzte Kurve und den letzten Anstieg. GESCHAFFT, in zweierlei Hinsicht.

Entschädigt werden wir mit einem schönen Zimmer und wieder unbegrenzt langem Duschen. So frisch sieht die Welt ganz anders aus. Zu Füßen der Eiger Nordwand genehmigen wir uns einen Aprikosenkuchen, mit Rahm und genießen den Blick zurück ins Tal, zur Großen Scheidegg, zum Wetterhorn und weite Teile des heute zurückgelegten Weges.

Eigernordwand

Nach einem frühen Abendessen – typisch Schweiz – mit Rösti schauen wir schon einmal auf Morgen. Sicher nicht weniger anstrengend aber von den Ausblicken der heutigen Etappe in nichts nachstehend.

20 km, 6 Std. Nettogehzeit, ca. 1.400 hm

2 Kommentare zu „Pflastermüde“

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