Zahmi Frau – der Name ist Programm ;-)

4. Etappe – Von Mürren (1.600 m) über die Sefinenfurgge (2.612 m) zur Gspaltenhornhütte (2.455 m)

Augen auf und der Himmel ist erst einmal grau. Na gut, noch einmal rumdrehen und in einer Stunde noch einmal schauen. 7.00 Uhr sieht die Welt schon besser aus, die Sonne scheint auf die Gipfel in meinem Blickfeld und ein Sonne-Wolken-Mix begleitet uns zum Frühstück. Es gibt alles, was das Wandererherz begehrt. Ich bin heute etwas drängelig, da das Wetter nicht mehr ganz so stabil ist und wir heute ziemlich exponiert unterwegs sind.

8.00 stehe ich im Coop, um etwas Marschverpflegung zu kaufen und 8.07 Uhr starten wir. Wir laufen zum Ortsende von Mürren und biegen dort in einen schönen Waldweg ein, der uns leicht ansteigend zur Spielbodenbalp bringt. Hier sieht es aus, wie in einem kleinen abgelegenen Bergdorf.

Hier ist erst einmal Schluss mit „mäßig“ – wir winden uns in Serpentinen auf einen kleinen Berg hoch und sind in Windeseile auf etwas mehr als 2.000 m. Der Blick zurück in Richtung Mürren und Spielbodenalp, daneben das Dreigestirn der letzten Tage, allerdings noch etwas wolkenverhangen. Wir sind über das Wetter nicht traurig, die Sonne steckt hinter dünnen Wolken – perfektes Wanderwetter. Wir laufen fast eben einen ganzen Kessel aus, ehe wir nach zwei Stunden zur Rotstockhütte kommen. Wir sehen links schon geraume Zeit auf das Gspaltenhorn, welches einen gespaltenen Gipfelaufbau hat. Vielleicht kommt der Name daher? Bei der Rotstockhütte weidet eine riesige Kuhherde, was mit einem Glockengeläut wie einer großen Kirche zu hohen Feiertagen einhergeht. Die Hütte liegt idyllisch am Talschluss, also hilft nur hoch, um weiterzukommen.

Das Hoch soll es auch gleich geben. Das Wasser läuft in kleinen Bächen und Rinnsalen den Berg herab und wir laufen in denen nach oben. Nach etwa 250 hm kommen wir wieder auf eine Alm. So können wir wieder etwas verschnaufen und geradeaus laufen. Langsam schiebt sich auch die Sefinenfurgge, dürfte in unserem Sprachgebrauch eine Scharte sein, ins Bild. Der Weg ist zwar nur zu erahnen, aber bunte Punkte auf dem schwarz-grauen Hintergrund signalisieren, dass wir da hoch müssen. Ich schätze 30 Minuten für die 300 hm. Viel Lust habe ich nicht und dem Lieblingsmann ergeht es ähnlich. Es sieht nicht nach Spaziergang aus. Unterwegs entdecke ich allerdings eine kleine Herde Steinböcke, leider in einer für das Handy nicht fotografierbaren Entfernung. Die letzten Meter zur Furgge sind anstrengend zu gehen, da der Weg nicht viel breiter als die Schuhe ist und zudem nass und rutschig. Aber dafür ziehen gerade die Wolken über Eiger, Mönch und Jungfrau auf – perfekt.

Hier oben auf 2.600 m machen wir unsere Mittagspause mit frischem Wurzelbrot, getrockneter Wurst und Karotten. Dabei können wir ganz aus der Nähe ein Adlerpärchen beobachten. Es ist faszinierend, wie sie im Gleitflug ihre Kreise ziehen.

Noch ein paar Höhenmeter müssen wir bergauf, um anschließend auf schmalem Pfad einen Kessel zu umrunden. Die Aussicht ist grandios, aber die Wolken, die inzwischen fast weg waren, sind wieder da und sehen auch ziemlich düster aus. Aug Gewitter hier oben habe ich wenig Lust, also drücke ich auf das Tempo. Es geht jedoch bald sehr steil bergab und wir müssen einige Seilpassagen und eine Leiter überwinden. Da gewinnen wir keine Zeit. Auch hier unten gilt es wieder einen Kessel zu umrunden. Das Wetter stabilisiert sich und es bleibt wieder Zeit die vor uns liegenden Gletscher zu bestaunen. So viele in so kurzer Zeit haben wir bisher noch nicht gesehen.

Noch zwei „Ecken umrundet“, dann können wir nach etwas Sucherei die Gspaltenhornhütte auf einem Felsvorsprung ausmachen. Was liegt zwischen ihr und uns? Ein langer zäher Anstieg. Eigentlich nichts so richtig Wildes, aber wenn man das Ziel sieht und es nicht herankommen mag…. 😦

Endlich da und wir werden herzlich willkommen geheißen. Wir haben ein 4 qm großes Doppelzimmer, die ‚Zahmi Frau‘, das ist schon toll auf einer Alpenvereinshütte. Und als wäre es genau für mich ausgesucht 😉 Es ist eine echte AV-Hütte: wunderbare Lage, fließend kaltes Wasser in den Waschräumen und natürlich keine Duschen. Ach, und nur ganz wenige Steckdosen. Da es eh keinen Empfang gibt, braucht man auch fast keinen Strom.

Den Nachmittag verbringen wir auf der Terrasse der Hütte, Trinken Tee und probieren Schweizer Nussgipfli- sehr gut. Abwechslung bringt noch der Hubschrauber, der anfliegt, eine Kiste abstellt und in Sekundenschnelle wieder weg ist. Abends gibt es eine sehr gute Grießsuppe, Salat, Kasseler und Kartoffeln und zum Dessert ein Waldbeeren-Pannacotta. Sehr gut…

Jetzt kehrt langsam Hüttenruhe ein. Draußen grollt ein kräftiges Gewitter – lieber jetzt als morgen…

12 km/ 5 h netto/ 1.300 hm

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