Jetzt gilt es! – endlich

Ganz oben auf der Liste und immer wieder verschoben – die Nagelfluhkette

Wie oft war sie schon geplant und das Wetter hat letztendlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für heute passt alles – außer, dass der Lieblingsmann bergfrei nimmt. Aber bei dieser langen Gratwanderung kann man nicht wählerisch sein. Wenn das Wetter passt, muss man losziehen. Ich werde vom persönlichen Chauffeur direkt an die Talstation der Hochgratbahn in Steibis/Oberstaufen gefahren.

Für Wanderer der Nagelfluhkette gibt es ein Kombiticket für beide Bergbahnen – Hochgrat und Mittag in Immenstadt. In kleinen, postgelben Kabinen, in die nur dann vier Personen passen, wenn alles Kinder sind, zuckle ich in gemächlichstem Tempo auf 1.708 m. Es geht sehr entspannt hier oben zu und es sind auch nicht allzu viele Leute unterwegs. Der Blick beim Heraustreten aus der Bergstation ist trotz des diesigen Wetters überwältigend. Den Bodensee kann ich nur erahnen, dafür kann ich – mit Hilfe meiner peakfinder-App – den Säntis in der Schweiz ausmachen, der Hochvogel präsentiert sich wie gemalt und die Gipfel des Kleinwalsertals mit dem markanten großen Widderstein liegen quasi vor mir.

Ich starte dann mal in der unbeliebtesten Form, mit einem direkten Anstieg hinauf zum Hochgrat (1.834 m), dem ersten Gipfel der Nagelfluhkette. Der Anstieg geht ordentlich in die Beine, da die Stufen (häufige Wegform heute) große Abstände haben. Da noch sieben Gipfel auf mich warten, bleibe ich nicht lang. Es geht auf Geröll, teilweise mit Stufen versehen mit einem kleinen Zwischenanstieg in Richtung Rindalphorn. Es ist in der Sonne durchaus herausfordernd, zumal ich die gestrige Tour schon in den Beinen spüre. Der Anstieg zieht sich und es ist wie dauerhaftes Treppen steigen. Von der Brunnenauscharte zweigt der Weg zum Gipfel des Rindalphorns (1.821 m) ab. Ich mache eine kurze Pause, da ich nicht so recht den vor mir liegenden ausgewaschenen Gras- und Geröllhang mehrere hundert Höhenmeter hinab in die Gündlesscharte laufen mag. Das sind die Strecken, die mir am wenigsten liegen. Von der Gündlesscharte geht es nach ein paar kurzen Schritten im Schatten hinauf zum Gündleskopf (1.748 m).

Hier oben gibt es erst einmal eine Pause. Es ist ziemlich genau 12.00 Uhr – perfekt. Die meisten der noch zu absolvierenden Gipfel sehe ich vor mir. Das lässt mir dann doch nicht so lange Ruhe, da ich allein schon noch eine ordentliche Strecke vor mir habe – in ständigem Auf und Ab. Am nächsten Gipfel bin ich wohl vorbei gelaufen. Ein Gipfelkreuz gab es beim Buralpkopf nicht und es hat mich irgenwie verunsichert, dass der vierte Gipfel so lange auf sich warten ließ. Für Abwechslung beim Treppen steigen hat der erste kleine ausgesetzte Übergang gesorgt – schön versichert und unschwierig zu gehen. Kurz vor dem fünften Gipfel, dem Sederstuiben realisiere ich, dass ich den vierten bereits lange hinter mir habe.

Ganz nebenbei gehe ich auch noch eine Ettappe des E5. Irgendwann bin ich ihn vollständig gegangen, ohne ihn je am Stück gegangen zu sein.

Der Sederstuiben (1.737 m) gehört mir ganz alleine und das genieße ich – Rundblick auskosten und eine neue Lage Sonnenmilch auf die bereits strapazierte Haut. Der Stuiben, mein nächstes Ziel ist nur einen Katzensprung entfernt, genüssliches hinüberwandern. Damit ist dann gleich nach dem Gipfel (1.749 m) wieder Schluss. Es geht mit sehr wenig Platz nach links und rechts immer auf dem Grat sehr steil abwärts. Das hält eine ganze Zeit an – es muss ja schließlich auch wieder Luft nach oben zum nächsten Gipfel geben ;-).

Den zu erreichen dauert allerdings etwas. Ich muss noch ein Schneefeld queren, an einer seilversicherten, steil abfallenden Wand hochklettern (macht Spaß, aber noch mehr mit frischen Beinen) und diverse sonstige Anstiege bewältigen. Irgendwann kommt der Steineberg (1.683 m) in die Nähe. Hier kommt der oft in den Beschreibungen erwähnte Leiterab- oder aufstieg. Den könnte man auch umgehen, aber diese schöne, stabile Leiter mag ich nicht auslassen. Da gab es schon deutlich klapprige zu überwinden.

Jetzt ist es noch 1 Stunde zum Mittag und ich glaube, dass ich nur noch abwärts laufen muss, da der Mittag nur noch 1.400 m hat. Abwärts geht es in der Tat in endlosen Stufen, aber so weit herunter, dass ich zum Mittag wieder aufsteigen darf. Es reicht mir jetzt wirklich und ich sehne das letzte Gipfelkreuz herbei. Es kommt auch zuverlässig und die Seilbahn bringt mich die verbleibenden ca. 400 hm mit Umstieg auf der Mitte nach Immenstadt hinunter.

Nagelfluh (auch Herrgottsbeton genannt)

In der Zeit hätte ich es auch fast laufen können – es dauert ewig… Unten angekommen werde ich vom Lieblingsmann abgeholt – welch ein Service. Jetzt holen wir uns das wohlverdiente Eis in Immenstadt und genießen den Sommer hier unten.

Es war eine grandiose Tour – immer Blick auf noch schneebedeckte Gipfel – anstrengend, fordernd aber meist gut zu gehen. Gerne wieder, wenn das Wetter passt.

Gehzeit netto: 5 Stunden / 1.100 m Aufstieg / 1.300 m Abstieg / 13 km

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