Es bleibt mir heute nichts erspart oder: es ist alles dabei

Vom Vilsalpsee auf das Gaishorn

Vor fast sieben Jahren, als wir das erste Mal auf dem Gaishorn waren, habe ich noch nicht gebloggt. Damit dieser herrliche Aussichtsgipfel nun endlich hier Eingang findet, musste es heute diese Tour sein. Wärme, Südhang, Startzeitpunkt – alles egal. Na ja, fast – 10.00 Uhr muss man am Vilsalpsee sein, sonst darf man nicht mehr bis zum See fahren. Macht Sinn und wir sind – denken wir – mit 9.00 Uhr richtig früh dran.

Weit gefehlt. Der Parkplatz ist voll und es geht weder vor noch zurück. Puh…ich recherchiere schon mal Ausweichtouren, die irgendwo auf dem Weg nach Hause liegen. Aber es es kommt Hoffnung auf. Ein kleiner, zum Gasthof gehörender Parkplatz wird geöffnet und wir gehören zu den Glücklichen.

So starten wir mit etwas Verspätung um 9.30 am Vilsalpsee (1.165 m), wo es trotz der vielen Menschen erstaunlich ruhig ist. Es verteilt sich alles, da es viele Möglichkeiten gibt. Wir laufen auf der rechten Seeseite entlang bis zur Vilsalpe. Für eine Einkehr, wie immer hier, zu früh.

Die Erinnerung passt, wir steigen jetzt am Rande eines lichten Wäldchens, immer von Wasser begleitet, aufwärts. Ein schöner Steig, der die zunehmende Wärme etwas erträglicher macht. An der Alpe war ein Wegweiser zum Gaishorn und zum Rauhorn, mit jeweils 4h. Ich glaube, das brauchen wir nicht. Das würde bedeuten, dass wir nur 250 hm in der Stunde schaffen…. Ich schätze, dass wir 12.30 Uhr oben sind. Mal sehen, wer Recht hat 😉

Uns ist beiden klar, dass es so angenehm nicht bleibt. Wir sehen das Gipfelkreuz fast ununterbrochen vor uns, wir sehen den Weg, der sich steil nach oben windet. Und wir sehen, dass es keine Bäume mehr gibt. Nach etwa der Hälfte der Höhenmeter ist mein Müsli vom Morgen schon verbrannt und ich bin total im Unterzucker. Das ich müde Beine habe, erwähne ich mal lieber nicht. De Lieblingsmann hat auch Hunger und leichte Schmerzen im rechten Schienbein. Also machen wir am Wegrand eine kurze Pause, stärken uns und genießen den Blick…

Wenig später geht es weiter, wobei ich noch nie so nah am Zurück war. Es ist heiß und jetzt kommt erst der unangenehme Teil des Aufstiegs – zumindest laut Erinnerung. Und siehe da, Erinnerungen liegen unter dem Schleier der Nostalgie… So schlimm ist es nicht. Es geht über Geröll, jedoch einem gut gehbaren Weg, gleichmäßig steil hoch. Hier oben wird es durch etwas Wind etwas angenehmer, als weiter unten. Am Wegweiser zu den verschiedenen „Hörner-Gipfeln“ erken wir, welch schöne Tourenoptionen – mit und ohne Übernachtung – sich hier für uns noch bieten. Ich bin etwas hin- und hergerissen, ob statt des Gaishorns besser das Rauhhorn als heutiges Ziel in Frage kommt. Es muss doch noch ein bisschen warten.

Am Sattel zwischen Gaishorn und Rauhhorn bei knapp 2.000 m stehen uns noch weitere 200 hm hinauf und hinüber bevor. Es sind doch viele Wanderer hier oben unterwegs, so dass gelegentliche Zwangspausen zum Verschnaufen entstehen. Die sind – neben der Luftzufuhr bei der Hitze – wirklich lohnenswert.

Ich richte den Blick nicht auf das vermeintlich nahe Gipfelkreuz. Das war es schon von unten. Mit dem Blick ein paar Meter vor mir, bin ich dann doch endlich oben – übrigens 12.20 Uhr mit Pause 🙂

Jetzt genießen wir mit vielen anderen auf dem breiten Gipfel 2.247 m)eine richtig ausgiebige Brotzeit. Herrlich – sicherlich der letzte Tag, an dem man hier ärmellos auf dieser Höhe sitzen kann. Genuss pur!

Die Hälfte der Strecke liegt noch vor uns, so dass der Genuss hier oben nicht ewig währt. Kurz nach dem Aufbruch meint der Lieblingsmann, dass er etwas gegen seine Schienbeinschmerzen unternehmen muss. Hat er die etwa immer noch … ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht, dass ein Mann zwei Stunden mit Schmerzen bergauf läuft – wohl wissend, dass es auch wieder abwärts geht.

Wir sind bestens ausgestattet und wenig später sind wir schon mitten im steilen Geröllfeld, was einige Kletterpassagen bereithält. Ich wundere mich, dass an keiner Stelle ein Seil angebracht ist. Vielleicht, weil der Weg im Geröll jedes Jahr anders verläuft und ein Seil nichts nützen würde. Es ist eine, durch entgegenkommende Wanderer, lange Phase des Abstiegs und angenehm ist sie auch nicht. Irgendwann jedoch ändert sich der Untergrund und wir laufen über einen – gut in unserer Erinnerung verankerten breiten Bergrücken durch herrlich saftige Wiesen. Der einzige Wermutstropfen ist der kurze Gegenanstieg, den wir noch nehmen müssen. „Es bleibt mir heute nichts erspart“ ist der spontane Ausruf vom Lieblingsmann. Mir kommt spontan, dass es eigentlich eine Tour ist, bei der alles dabei ist – Pfade und schmale Steige, Wald, Wiese, Wege durch Latschenkiefern, Ketterei und Gipfelgenuss, Ausblick und zugleich die Frage, warum man da macht…. wegen alledem.

Vom Bergrücken geht es angenehm mitten durch grasende Kühe bergab zur Rossalpe (1.685 m) Heute gibt es hier leider keine Einkehr. Die Zeit drängt, da wir abends noch eingeladen sind. Es ist allerdings wirklich ursprünglich und gemütlich hier oben.

Ab hier geht es auf einem Weg, ähnlich einem Forstweg, abwärts. Für die Hüttenbewirtschaftung beschwerlich genug, für uns – besser für mich – gut zu laufen. Der Lieblingsmannleidet mit jedem Schritt. Ich kann nicht wirklich nicht helfen, wir müssen runter. Ich gebe gelegentlich den Klassenclown, was nur bedingt hilft. 500 um wollen gelaufen sein. Zum Glück ist es meist schattig und wir malen uns die kalte Schorle und das Eis in bunten Farben aus. Als endlich der Vilsalpsee in Sicht kommt, gebe ich vereinbarungsgemäß Gas. Ich mache die Besorgungen und wir treffen uns am Auto. Es gelingt auf die Sekunde und die Schorle verdampft in uns.

Wir sind – außer von Schnee und Regen von nichts verschont geblieben. Die Tour ist auf dem Blog und das Schienbein erholt sich. Für eine Traumtour waren wir in Anbetracht der Hitze zu spät dran. Aber sie war es fast und wird in umgekehrter Richtung sicher noch einmal ins Programm genommen.

10 km, 1.100 m Auf-/Abstieg, 5 h netto

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