Wie Herzogstand – Heimgarten nur ohne Menschenmassen

Über die Hochplatte (2.079/2.082m) – Rundtour mit Start und Ziel an der Kenzenhütte (1.294 m)

Es ist um 5.30 Uhr Ende August noch dunkel in München, als der Wecker klingelt. Eine neue Erfahrung, da es morgens im Sommer für mich immer hell ist. Es hilft nix – um Lernen und Berge zeitgleich zu haben, hilft nur sehr frühes Aufstehen. Mit einem Kaffee in der Hand und einem perfekten Tourentag vor Augen, bin ich ganz schnell wach. 6.30 Uhr starten wir pünktlich nach … ja wohin nur?

Unser Ziel ist Halblech, um ein etwas länger vernachlässigtes Wandergebiet mal wieder anzusteuern. Zählt es noch zu den Ammergauer Alpen oder bereits zu den Allgäuer Alpen – ich bin nicht sicher. Schön ist das Kenzengebiet auf jeden Fall und durch den etwas umständlichen „Zustieg“ auch nicht so überlaufen – zumindest unterwegs nicht. Schlag 8.00 Uhr fahren wir auf den Parkplatz in Halblech. Oh Gott, hier stehen deutlich mehr Menschen als in einen Mini-Bus hineinpassen. War das frühe Aufstehen umsonst? War es nicht. Erstens finden wir zwei gerade noch Platz im Bus und die restlichen Wanderer werden wenige Minuten später mit einem zweiten Bus abgeholt. Vom Parkplatz geht es 12 km entlang des Halblech auf schmaler Straße ins Gebirge hinein und hinauf. Es ist wunderbar, dass hier nur wenige motorisierte Fahrzeuge und ansonsten nur Radler und Wanderer unterwegs sind – Unberührtheit und Ruhe sind der Lohn.

Pünktlich um 8.30 Uhr starten wir an der Kenzenhütte auf 1.294 m. Es ist frisch, da die Sonne noch nicht hinter den Bergen hochgekommen ist. Also ist Bewegung angesagt. Die zwei Busladungen verteilen sich in alle Winde und wir laufen mit nur wenigen Leuten bergan und auch das verteilt sich ganz schnell. Es ist wunderbar am Morgen in der Frische unterwegs zu sein. Erst auf dem Forstweg, der jedoch schnell in einen Pfad übergeht wandern wir angenehm steil nach oben.

Es gibt immer etwas zu sehen. Es weitet sich mit jedem Meter Aufstieg der Blick. So können wir bald gegenüber die Zugspitze erkennen und können sogar die Gipfelaufbauten ausmachen. Das ist schön faszinierend. Bald kommen wir an einen Sattel, von dem es hinauf zum Schlössl geht. Das lassen wir liegen, da wir noch genügend vor uns haben. Über eine Wiese, auf der unterhalb Kühe (heute mal ohne Foto) grasen, steigen wir weiter an. An der folgenden Weggabelung wenden wir uns der Hochplatte zu. Sie ist nicht der Berg, den wir beide im Auge hatten, sondern liegt auf der anderen Seite. Durch karstiges Gelände steigen wir jetzt steil hinauf. Die Latschen machen den Weg immer enger und immer öfter brauchen wir auch die Hände zum Vorwärtskommen. Die Stöcke müssen also weg. Die Stöcke… ja wohin damit. Ich habe – wie so oft – nur meinen Trinkrucksack dabei. Der hat keine Halterungen, so dass ich mich auf den Lieblingsmann verlasse. Der jedoch hat solche Entwicklungen überhaupt nicht im Kalkül gehabt und ist mit dem Tageswanderrucksack meines Papas, den wir für Flachlandtouren nutzen losspaziert. Der hat natürlich auch keine Vorrichtung für Stöcke. Mmmh…. kurze Eskalation, dann setzte jedoch der Pragmatismus ein. Stöcke kommen in die Rucksäcke, die Hände sind frei und das Gewitter wieder abgezogen.

Das Karstgelände begleitet uns bis hoch auf den Grat. Die Aussicht ist grandios und es ist jetzt angenehm luftig hier oben auf dem Grat zu gehen. Ein großer Spaß.

Wenige Minuten später kommen wir auf dem 2.079 m hohen Ostgipfel der Hochplatte an. Ich habe schon gelästert, warum das bisschen luftiger Übergang im Führer als „schwarze“ Tour gewertet wurde. Nach einer kurzen Pause am Gipfelkreuz geht es jedoch weiter auf dem Grat. Und jetzt wird mit alles klar. Es ist wunderschön, aber sicher nicht für jeden. Links und rechts geht es ziemlich steil bergab und der Weg ist manchmal auch nur 2-3 Schuhe breit. Wir brauchen unsere Hände mehr als nur gelegentlich. Aber es ist ein großer Spaß. Hier oben machen wir auch eine ordentliche Gipfelrast, ehe wir uns auf den zweiten Teil begeben.

Alleine ist man doch nie. Aber hier oben denke ich so oft an den Übergang vom Herzogstand zum Heimgarten. Wahrscheinlich ist es hier noch etwas luftiger, aber fast ohne Menschen. Die wenigen, die wir treffen, sind meist ganz schnell wieder weg oder wir sind es.

Auch der längste Grat hat ein Ende. So auch unserer, aber gleich kommt noch ein Highlight:

Da geht es noch durch, durchs Fensterl und auch gleich steil hinab. Ein paar, leider sehr bodennahe Seile sichern etwas ab. Und ab hier geht es richtig, richtig steil hinab. Der Muskelkater sitzt mir heute richtig tief 😉 Geröll, oft sehr lose, macht das Gehen anstrengend und erfordert permanente Aufmerksamkeit. Nach dem langen Aufstieg ist das nicht immer ganz einfach. Es zieht sich. Als wir dann noch einmal hinauf zum Kenzensattel müssen, ist die Moral der Gruppe etwas in Mitleidenschaft gezogen. Nach einem letzten Abschnitt im Geröll erwarten uns Kühe auf der Weide. Das sieht doch schon einmal gut und zivilisationsnah aus.

Zurück geschaut sieht das alles ziemlich paradiesisch aus. War es auch, denn die wenigen Minuten zur Kenzenhütte sind schnell gegangen. Rückblickend ist alles halb so schlimm. Es könnte eine Lieblingstour werden. Wir würden sie beide nur anders herum gehen. Geröll im Aufstieg ist halb so wild. Die andere Alternative ist den Grat hin und zurück zu gehen. Egal wie, diesen Abstieg gilt es zu vermeiden.

Mit Radler, Russn und einem Schweizer Wurstsalat lassen wir das alles auf der Kenzenhütte nachwirken. Nach dem etwas verkorksten Sommer, war das eine versöhnliche Tour mit einem richtigen Gipfel, herrlicher Kraxelei und ein guter Test für meine geplante Tour „Alta via Dolomiti Nove“

Wandern kompakt – Ostallgäu und Tannheimer Tal

Über die Hochplatte – 10 km, 4,5 h, 1.000 hm

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