Doppelgipfelglück

Von Nesselwang (911 m) zu Edelsberg (1.624 m) und Alpspitz (1.575 m)

Der Winter war wunderbar, aber wirklich sehr lang. Letzte Woche hat es uns Montags noch einmal in flächendeckendes Weiß gehüllt. Wieder war uns der Frühling entglitten. Diese Woche lässt es sich gut an, die Sonne schleckt den Schnee langsam weg und uns zieht es hinaus. Heute – Freitag Nachmittag – lasse ich einfach die Masterarbeit und statistischen Auswertungen liegen und gönne mir einen ersten Frühjahrsgipfel.

Ich fahre die paar Kilometer nach Nesselwang und parke auf dem zum Glück wieder geöffneten Parkplatz an der Alpsitzbahn. Der mögliche Unterschied zu morgen: Es ist nur sehr wenig los auf dem Parkplatz und damit wahrscheinlich auch unterwegs. Ich freue mich wirklich über die Idee, jetzt bei strahlend blauem Himmel einfach mal wieder loszulaufen. Da vor allem an den nordseitigen Hängen doch noch einiges an Schnee liegt, wähle ich den Forstweg, der zugleich auch Aufstieg für die Tourengeher ist. Die anderen Wege sind mir zu unsicher bzw. mit Schneebelag zu rutschig/anstrengend.
Bis zur Mittelstation der Seilbahn (30 Minuten) ist richtig Frühling – die Wiesen sind voller Blumen, die Zäune für die Rinder werden neu gezogen – Aufbruchstimmung. Das täuscht alles etwas über den wirklich steil ansteigenden Weg hinweg. Nach der Mittelstation kommen so langsam die ersten Schneefelder und damit wieder etwas Winter. Allerdings nimmt der Weg darauf keine Rücksicht und bleibt steil ;-).

Blick vom Sportheim Böck nach Osten zu den Ammergauer Alpen, Wettersteingebirge,…

Bald ist der Weg unter einer dicken Schneedecke begraben und ich muss entlang der Skipiste – mal im Schnee und mal am trockenen Waldrand – aufsteigen. Und plötzlich ist es da, das Sportheim Böck mit seiner herrlichen Panoramalage. Leider ist es noch nicht das Ende des Aufstiegs und leider wartet hier auch gerade kein kühles Radler oder ein Stück Kuchen auf mich. Aber gute Vorsorge ist die halbe Miete. Mein Kuchen steckt im Rucksack und ich habe mir fest vorgenommen, diesen auf dem Gipfel zu verzehren … also weiter geht’s und aufwärts geht’s. Immer weiter im Schnee geht es zum Edelsberg hinauf, den wir bei unserer Schneeschuhtour vor einigen Wochen leider kältebedingt nicht ganz geschafft haben.

Endlich darf ich mal wieder nach Österreich schauen und sehe mit Wehmut auf die Lieblingsgipfel, die wir seit mehr als einem Jahr – mit einer Ausnahme – nicht besuchen konnten. Aber sicher bald…

Jetzt kommt endlich mein Kuchen zum Einsatz, wobei der Genuss von zwei lautstark fachsimpelnden Frauen getrübt wird – tiefschürfende psychologische Analysen. Möglicherweise interessant, nur nicht für mich und nicht in der Lautstärke. Als es still wird, denke ich, dass sie mich wohl endlich als unerwünschte Zuhörerin nicht haben wollen – es war leider nur die Atempause.

Also Kuchen rein und ein neuer Versuch. Ich steige auf dem Anstiegsweg wieder zu einer Senke ab und von dort hinauf zum Alpspitz. Hier liegt fast kein Schnee mehr und es ist trotz einiger Menschen sehr leise am Gipfel. Der Ausblick ist nicht ganz so schön, aber hier kann ich etwas genießen und in Stille schauen.Blick vom Alpspitz zum Grüntensee

Trotz verschiedenster Abstiegsmöglichkeiten entscheide ich mich für den Anstiegsweg. Der ist berechenbar und dürfte recht schnell gehen – und so ist es auch zum Glück. Ich merke meine Muskeln und ich würde gerade ab der Mittelstation einiges für eine Seilbahn geben, die sich in Betrieb befindet. Hilft alles nichts – laufen ist angesagt.

Nach knapp 3 Stunden bin ich wieder am Parkplatz – grinsend wie ein Honigkuchenpferd. Sollte man deutlich häufiger machen: Freitag Nachmittag auf den Berg gehen und hoffentlich bald wieder gemütlich in den Hütten einkehren können. Perfekter Start in die Saison und ins Wochenende…

3 Stunden insgesamt bei 9 km und ca. 750 hm Auf- und Abstieg.

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