Im Reich des Steinbocks II

Von der Mindelheimer Hütte (2.013 m) ins Kleinwalsertal (1.086 m)

Der Vorteil der aktuellen Auflagen, denen die Hüttenbetreiber unterliegen, ist die geringe Belegung in Lagern und Zimmern. Zu sechst im 20er Lager schläft es sich einfach besser und die Schnarcherquote ist sehr gering bzw. bei uns uns quasi nicht vorhanden. Nach einer derart erholsamenen Hüttennacht und einem guten Frühstück starten wir gegen 8.00 Uhr in einen frischen, klaren Bergmorgen.

Unsere kleine Hüttentour soll eine Rundwanderung werden, daher planen wir über das Gemsteltal abzusteigen. Letztendlich wird es das Bärgunttal, was dem Ganzen keinen Abbrucht tut, uns jedoch zum Schluss noch einen längeren Talhatscher zum Parkplatz beschert. Die Wanderung startet, wie die letzte aufgehört hat – mit Steinböcken. Wir kommen durch die Wegführung sehr nah an sie heran und sie fressen dennoch völlig unbeeindruckt weiter.

Wir erklimmen gleich nach den ersten paar hundert Metern eine kleine Scharte und lassen diese schönen Tiere hinter uns. Jetzt eröffnet sich langsam der Blick hinüber zum großen Widderstein (2.533 m). Kurz überlegen wir, ob wir den Gipfel heute mitnehmen können, da wir ja genau darauf zu laufen und auch den Weg dahin recht gut einsehen können. Die Idee zerplatzt recht schnell. Wir laufen über herrlichste Blumenwiesen in die richtige Richtung, aber durch ständiges Auf und Ab kommt der Berg nicht wirklich näher. Egal – wir genießen den Tag hier oben auch ohne Gipfel.

Unser zweites Frühstück genießen wir mitten auf einer Wiese mit Blick auf die Lechtaler Alpen. Kurz danach kommen wir an der Widdersteinhütte vorbei, die wir heute ignorieren und stapfen an dem langgezogenen Bergrücken weiter in Richtung Abstieg. Höhe haben wir bislang fast keine verloren, so dass nach ungefähr 3 Stunden noch immer 1.000 m bevorstehen.

Aus irgendwann wird jetzt und dann geht es, immer von rauschendem Wasser begleitet hinab, mal auf Geröll, mal auf Waldpfad mit Stufen aber immer in der prallen Sonne. Das raubt etwas Energie. Noch mehr rauben die mir allerdings die vielen aufsteigenden Menschen. Klar, gestern war das Wetter lang nicht so gut und wir waren nahezu allein. Heute sieht das – nachvollziehbar – anders aus. So richtig komme ich nicht in den Abstiegstrott und ganz langsam macht sich auch Hunger breit. Ganz weit vorn im Tal leuchten gelbe Sonnenschirme; das könnte sich ausgehen. Es ist aber auch dorthin noch einiges an Höhenmetern zu bewältigen. Und wenn man darauf wartet, dass sie schwinden, geht gefühlt gar nichts runter von der Uhr…

Auch das ist bald überwunden und wir loggen uns in der Bärgunthütte (1.408 m) ein und finden gleich ein schattiges Plätzchen und eine Jausenplatte findet uns. Gestärkt schaffen wir auch die letzten 300 hm, die jetzt auch gut zu laufen sind. Am Talausgang wird uns an einer großen Wandertafel klar, dass wir, weil wir ganz nah an den Widderstein ran wollten, auch ein Tal weiter hinten in Baad runtergekommen sind. Das bedeutet laufen – entlang der Straße und bei 30 Grad…

Wie immer ist auch das irgendwann vorbei und mit Freude erblicken wir unser Auto. Mit Wehmut allerdings schauen wir zurück auf die zwei Tourentage. Wie schnell man weg ist aus dem Trubel, wie gut die Stille und die Weite tun und welche Nähe Wildtiere zulassen, wenn sie den Mensch nicht als Feind sehen. Wunderbar und für den Großen Widderstein kommen wir ganz sicher wieder.

15 km / 5 Stunden 45 Minuten

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