Trainingscamp

Von Pfronten (853 m) auf den Breitenberg (1.838 m)

Zur Zeit dauert es bei mir immer einige Wochen zwischen Tour und Blogbeitrag, aber besser spät als nie. Diese Wiederholungstour ist nun auch schon drei Wochen her. Da jedoch die nächste bereits in der Warteschlange steht, ist jetzt mal tippen angesagt. Als Schönwetter-Wanderer kommt uns dieser Herbst sehr entgegen; am Wetter liegt die überschaubare Tourenzahl nämlich nicht. So auch heute – ein perfekter Morgen verspricht einen herrlichen Tag.

Noch gehen wir dort, wo uns eine Seilbahn im Bedarfsfall nach unten bringen kann, da wir die Auswirkung von Touren im Gelände auf den Wirbel vom Lieblingsmann noch nicht so gut einschätzen können. Die Orthese ist auch dabei und hängt mit bester Aussicht hinten an meinem Rucksack. Wir starten am großen Parkplatz der Breitenbergbahn und laufen anfangs durch eine Wiese leicht bergan, später dann im Wald. Irgendwie haben wir wohl einen Wegweiser übersehen, der uns zur Reichenbachklamm, über die wir aufsteigen wollen, weist. Inzwischen stapfen wir an einer Schafweide auf einem schwammigen, rutschigen Weg aufwärts. Daran sollte ich mich schon mal gewöhnen, aber zum Glück weiß man nicht immer, was noch kommt. Auf dem Forstweg, auf den wir einmünden, gehen wir links und da wir den Aufstieg über die Klamm mögen, steigen wir hier wieder leicht ab um dann endlich auf den richtigen Weg zu kommen.

Immer am Wasser entlang steigen wir über viele Stufen und schöne Wurzelwege steil aufwärts. Es ist sehr entspannt, da nicht so viele Wanderer unterwegs sind. Am Ende der Klamm wartet für ein paar Minuten ein richtig steiler Schotterweg auf uns. Aber danach erwartet uns der erste schöne Ausblick des Tages.

Blick zum Aggenstein

Die Gipfel sind schon gezuckert und die warme Herbstsonne täuscht uns etwas. Wir entscheiden uns nämlich nicht über die Bergstation der Seilbahn zu laufen, sondern quasi hintenrum. Daher laufen wir südlich in Richtung des Aggenstein. Nach kurzer Zeit ist die Sonne weg und der Schnee der letzten Tage nicht geschmolzen. Meine Schuhwahl ist suboptimal. Nach dem Schlammbad weiter unten werden meine Trailrunningschuhe jetzt wenigstens wieder sauber, jedoch zugleich auch nass. Es liegt halt doch mehr als eine kleine Puderzuckerschicht. Als der Weg kurz vor der steil abfallenden Wand des Aggenstein nach links dreht, werde ich etwas nachdenklich, da wir aus mehreren Gründen nicht über den Aggenstein zum Breitenberg wollen – auch wenn es zu schön wäre. Es hat Schnee, es gibt Kletterpassagen beim Auf- und Abstieg und wir sollten vorsichtig sein – in Summe wären wir genau das nicht.

Aggenstein

Daher gehen wir jetzt rechts, obwohl es keinen Weg gibt. Dennoch sind wir nach wenigen hundert Metern auf einer schneenassen Wiese auf dem richtigen Weg und wechseln hier wieder auf den gewohnt schlammigen Untergrund. Es muss ein Wasserberg sein. Man läuft wie auf Seife und muss wirklich konzentriert jeden Schritt setzen. Ohne Stöcke würde ich es aufwärts nicht gehen wollen und abwärts schon gar nicht. Den Temporekord brechen wir nicht, aber jedes Leiden findet ein Ende und unseres endet als wir auf den Weg kommen, der von der westlichen Seite auf den Breitenberg führt. Der Blick geht jetzt in Richtung der Tannheimer Berge und rechts zur Ostlerhütte, wenige Meter unterhalb des Gipfels. Dort sehen wir eine Perlenschnur aus Menschen, die alle zur Hütte, zum Gipfel oder zu beidem wollen. Wir plötzlich nicht mehr. Daher entscheiden wir uns, der Herde nicht zu folgen und schwenken bald wieder nach rechts. Unter dem Sessellift hindurch laufen wir Richtung Bergstation. In der Hochalphütte suchen wir uns ein Plätzchen auf der Sonnenterrasse.

Blick zum Forggensee, Säuling und Hochplatte

Nach der Pause ein kurzer Lagecheck – der Lieblingsmann fühlt sich fit und daher steht dem Abstieg nichts mehr im Weg. Von Schlammwegen bleiben wir bei der gewählten Variante nahezu verschont, dafür nehmen wir etwas mehr Strecke in Kauf, was wir jedoch gerne tun. Auf dem Forstweg schlängeln wir uns Kurve um Kurve nach unten und nehmen auch noch die Verlängerung in Richtung des Einstiegs zur Reichenbachklamm mit, damit wir der Schlammwiese vom Beginn der Runde ausweichen. Den letzten Kilometer schlendern wir wieder in der Sonne zur Talstation zurück.

Die Trainingstour ist gelungen, jetzt könnte der Wanderherbst beginnen. Tut er leider nicht, dafür klopft der Winter schon leise an, der uns hoffentlich viele Schneeschutouren bringt. Die Kondition und Belastbarkeit dafür dürfte bis dahin unproblematisch sein.

15 Kilometer, 4 Stunden, ca. 850 hm

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