Der Fluch von Instagram & Co.

Aus dem Hintersteiner Tal hinauf zum Schrecksee

Heute machen wir es mal so, wie ich es mir schon so oft vorgestellt habe – wir nehmen unsere Räder mit, damit wir den langen Talhatscher hin und zurück umgehen (besser: umfahren) können. Der Schrecksee ist dran, der noch gar nicht so lange auf unserer Liste ist. Wenn man fast hier lebt, sollte er schon mal gemacht werden. Also ist ‚mal‘ einfach heute.

Das Wetter ist prächtig und wir fahren über Oberjoch zum Hindelanger Parkplatz Säge, kurz vor Hinterstein. Hier schnappen wir unsere Räder und fahren entspannt taleinwärts und leicht ansteigend nach Hinterstein. Das ist Idylle pur. Weiter geht es vorbei am Konstanzer Jägerhaus zum Elektrizitätswerk. Hier dürfen unsere Räder für die nächsten Stunden verschnaufen und wir wechseln einfach in einen anderen Modus.

Sonniges Plätzchen zum Ausruhen

Für uns geht es sofort steil bergauf. Ich wusste aus den Tourenbeschreibungen, dass es so ist. Aber ich hätte mich bedankt, wenn wir mit dem Bus hierher gefahren wären und das wäre mein Tagesstart. Über geröllige Wege geht einfach nur hoch, die direttissima sozusagen. Zum Glück im Wald. Mit uns sind wirklich viele Menschen unterwegs, teilweise mit erschreckender Kondition und Ausrüstung und meist vereint sich beides in einer Person. Ob die hochkommen und vor allem, ob die wieder runter kommen? Hoch ist anstrengend, aber einfach zu gehen. Abwärts ruscht das Geröll unter den Füßen weg. Egal, wir sind heute nicht zum Welt retten hier.

Nach 45 Minuten strammen Anstiegs kommt ein kleiner See/Teich – vielleicht ein Trost für all diejenigen, die sich zuviel zugemutet haben.

Die erste Stufe mit 400 hm ist geschafft. Jetzt schlendern wir für ein paar Minuten über Almweiden hinweg und erst kurz vor der nächsten Stufe wird es wieder steiler. Hier sehen wir die Menschen wie an einer Perlenschnur aufgereiht nach oben gehen. Habe ich Lust darauf? Nein, aber jetzt kehre ich auch nicht um. Also auf geht es. Es geht sich gut und bald sind auch die nächsten 350 hm geschafft. Endlich können wir über die Kuppe schauen und dahinter ist … nix.

Weiter geht es, jetzt unanstrengend, im leichten Auf und Ab auf der Höhe. Noch ein paar Kurven und dann ist er plötzlich da, der Schrecksee.

Schrecksee (1.813 m)

Dieses Bild, unzählig auf Insagram & Co. zu finden, lässt viele starten, die es besser nicht oder nicht so ausgerüstet hätten tun sollen. Es ist wirklich schön hier oben aber diese Idylle ist einfach zu überlaufen.

Auf uns wartet jetzt eine wohlverdiente Brotzeit aus dem Rucksack, die wir mit herrlichem Seeblick genießen. Selbst der Salzstreuer für die gekochten Eier ist dabei und der Lieblingsmann sprachlos und glücklich.

Wir erwischen für den Abstieg ein günstiges Zeitfenster und müssen nicht in der Kolonne laufen. Das ist auf dem wirklich anstrengenden Untergrund einfach besser. Die Landschaft können wir nicht beim Laufen genießen, da jeder Schritt mit Bedacht gesetzt sein will. Wir möchten ungern Bodenkontakt mit unseren Hintern haben. Und das passiert vielen, vor allem Wanderern ohne Stöcke. Die sind heute wirklich Gold wert. Das obere Stück ist das schlimmste und der untere Teil ist deutlich einfacher zu gehen, was wir beim Aufstieg so nicht eingeschätzt hatten. Nach 3 Stunden 45 Minuten sind wir wieder unten. Die Beine fühlen sich an, als wären wir am Stück Treppen gestiegen und ich weiß gar nicht genau, ob ich jetzt noch Rad fahren will. Die Frage stellt sich allerdings nicht und wenig später sitze ich drauf und rolle das Tal hinaus. Das ist echt ein großer Spaß und die 6 km sind fast zu kurz.

Am Ziel fällt mir ein, dass ich völlig vergessen habe, am Schrecksee zu posen 😉

Das Ziel war lohnenswert, aber es gibt definitiv viele andere schöne Ziele, die nicht so überlaufen sind. Für ungeübte und nicht trittsichere Wanderer ist sie auf jeden Fall eher eine Tortur und auch nicht ungefährlich. Wir waren jetzt dort und ich sage nie nie, aber ganz so schnell werden wir nicht wiederkommen. Es gibt noch viel zu entdecken…

Gehzeit: 3 Stunden 45 Minuten / Strecke 10 km bei ca. 900 Höhenmetern / 12 km Radfahren

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