Von Vorderriß zum Karwendelhaus (1.765)

Die 3. Etappe und wieder ein Regentag

Nach einem netten Abend im Gasthaus Post in Vorderriß, bei dem wir auch die Variante, nach Hinterriß mit dem Bus zu fahren, werde ich heute Morgen von der Sonne geweckt. Auch wenn das erste Stück wirklich ein Talhatscher ist, möchte ich bei diesem Wetter lieber laufen. Die Jungs bevorzugen die Busvariante und fahren erst 10.42 Uhr los. Da hoffe ich, schon fast in Hinterriß zu sein.

Nach einem guten Frühstück starte ich zum ersten Teil der heutigen Etappe, 12 km am Rißbach entlang. Die müden Knochen werden langsam wieder munter und 2 Stunden später bin ich am Karwendel-Informationszentrum in Hinterriß.

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Noch schnell eine Karwendelkarte gekauft und schon regnet es endlich. Also kommt die gut verpackte Regenjacke wieder aus dem Rucksack. Auf einem schönen Steig geht es leicht bergauf ins Johannistal in Richtung des kleinen Ahornbodens. Ziemlich plötzlich wird der Regen richtig stark und es fängt an zu graupeln. So schnell kann ich die Regenhose gar nicht aus dem Rucksack zaubern. Ich werde richtig nass. Dann fängt es zu allem Elend auch noch zu gewittern an. Heute ist alles dabei und die Stimmung am Gefrierpunkt. Fast die Hälfte der Strecke liegt noch vor mir und nahezu 700 hm sind auch noch zu bewältigen. Irgendwann wird es gemäßigter Regen und es geht auch wieder zügiger vorwärts. Aber vom Ahornboden noch keine Spur. Ich treffe vier Landsleute aus Sachsen, die auch zum Karwendelhaus wollen. Kurzer Plausch und weiter geht es. Nach gefühlten 100 Biegungen sehe ich endlich kleine Ahornbäume. Noch ein kleines Stück und endlich ist er da:

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Die Sonne scheint wieder und ich habe mir nach 5 Stunden strammen Fußmarschs eine Pause redlich verdient. Alles zum Trocknen ausgebreitet, dauert es keine 10 Minuten und es zieht wieder zu. Es kommen zwei Wanderer aus NRW vorbei. Die sind den Adler gelaufen und haben heute die vorletzte Etappe. Ich packe meinen Krempel und ziehe die Regenjacke gleich an. Sehr weiße Entscheidung, da es wenig später wieder regnet. Es wird immer mehr, so dass die Hose auch wieder raus darf.

Ich laufe mal vor, mal hinter den beiden vom Adlerweg und so erreichen wir über schöne Almwiesen zügig die höchste Stelle des heutigen Tages. Noch kurz bergab und plötzlich ist das Karwendelhaus da. Es gibt zum Glück einen guten Trockenraum, genügend Steckdosen, ein schönes Zimmer für mich. Da ich sehr früh da bin, kann ich in Ruhe duschen und sitze jetzt bei einem riesigen Stück Käsekuchen in der Hüttenstube.

Ich muss noch klären, ob man das für morgen anstehende Schlauchkar  begehen kann. Wenn ja, bleibe ich auf der geplanten Route und komme mit der Birkkarspitze auf den mit ca. 2.700 m höchsten Berg des Karwendels.  Liegt noch zu viel Schnee, steige ich nach Scharnitz ab und fahre von dort entweder mit dem Taxi zur Kasten und laufe von dort zum geplanten Etappenort Hallerangeralm oder mit dem Zug nach Hall, um dort zu übernachten. Hängt von der Wettervorhersage ab.

Was bleibt von heute: Man wird sehr demütig und freut sich über jede trockene Minute. Man ist stolz auf sich, wenn man sich an den Haaren selbst wieder aufrichtet, wenn man denkt, es geht nicht mehr. Und man trainiert die eigene Flexibilität, da das Wetter und der Berg mächtiger sind als man selbst.

Viele Wege führen nach Rom aber nicht in die Jachenau

Von der Tutzinger Hütte (1.327 m) nach Vorderriß (792 m)

Auch auf dieser Tour bestätigt sich wieder, dass man auf einer Hütte keine einsamen Abende allein am Tisch verbringen muss. Es sind nur wenige Gäste da und schnell sitzen wir alle an einem Tisch – ein Ehepaar aus Düsseldorf, zwei Jungs aus Berlin und einer aus Freising. Alle sind in Richtung Venedig unterwegs, jedoch wollen oder können nicht alle dahin.

Heute Nacht ist dann der angekündigte Regen gekommen und davon nicht zu knapp. Aufgrund der für eine Hütte relativ späten Frühstückszeit (ab 8.00) war sowieso erst einmal ausschlafen angesagt. Am zweiten Tag wollte ich nicht schon pausieren. Heute morgen stand für alle die Frage im Raum, zu bleiben oder im Regen zu gehen. Nachdem die ehrenamtlichen Wegewarte auch an die Arbeit sind, stand für mich fest, weiterzugehen. Wenn die im Regen arbeiten, kann ich ja wohl laufen.

Ich war die erste, aber alle anderen folgten auch. Auf ging es Richtung Benediktenwand immer stetig bergauf. Ich folgte sklavisch den Weisungen des Wanderführers, der mich nach einem letzten Blick auf die Hütte von einem Sattel im Wald steil bergab führte.

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Nach einer knappen Stunde Gezeiten kam es mir sehr komisch vor, dass es keine Beschilderung mehr gab und die Bäume keine roten Punkte mehr hatten. Nicht mehr weit und der Weg endete an einem Jägerstand.  Ich probierte es gar nicht erst durch den weglosen Wald, sondern bin den ganzen Weg zur Hütte wieder zurück. Frustrierende zwei Stunden und 400 Extra-Höhenmeter später war ich wieder am Ausgangspunkt und begann von vorn. Jetzt als Letzte.

Da ich immer etwas schneller bin, als die Zeitangaben auf den Schildern und im Wanderführer, kam es, wie es kommen musste. Ich habe mich etwas überschätzt und bin einfach zu früh rechts abgebogen.

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Ab jetzt war ich auch dem richtigen Weg und bin steil bergab in Richtung Jachenau, wo ich auf dem anderen Weg nie angekommen wäre. Ein Nachteil bei dieser Tour: Es widerspricht mir keiner 😉

Über glitschige Steige, die volle Konzentration erforderten, lief ich immer entlang eines schönen Baches, aus dem gelegentlich kleine
Wasserfälle entsprangen. Bis Jachenau holte ich fast eine meiner zwei verlorenen Stunden wieder auf. Dort angekommen, habe ich im Gasthof den großen Teil der Gruppe bei der Mittagspause angetroffen

Da ich mir die auch redlich verdient hatte, habe ich mich den Jungs angeschlossen und mir einen guten Schweizer Wurstsalat gegönnt. Mit dem im Bauch ging es auf zum Schlussspurt (3:15 Stunden…). Jetzt würden eigentlich erst die Höhenmeter des Tages kommen. Da muss ich jetzt durch und ich merke meine Oberschenkel doch schon etwas.

Nach 90 Minuten bin ich am Rißsattel und kann hinunter zum Etappenort Vorderriß schauen und auch schon einen Teil der morgigen Wegstrecke sehen. Verlaufen geht morgen nicht.

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Endlich geht es mal wieder in Kehren durch die Südwand. Heute mag ich nicht mehr bergab, es hilft jedoch nichts. Wenigstens regnet es seit Mittag nicht mehr und ich kann ein paar blaue Lücken im grauen Einerlei ausmachen.

Nach 2,5 Stunden bin ich am Ziel und habe:
1. Meine verlorene Zeit fast komplett aufgeholt
2. Ein Einzelzimmer im Gasthof Post
3. Meine Regenkleidung einem Härtetest unterzogen, da ich noch nie stundenlang im starken Regen unterwegs war (Ausnahme: Wanderung mit Christoph und Jan zur Reintalangerhütte, bei der ich diese Ausrüstungsgegenstände noch nicht besaß – Grüße aus der Ferne an Euch beide).

Jetzt warte ich frisch geduscht auf das Abendessen und überlege schon die ganze Zeit, worauf ich Appetit habe. Hunger habe ich auf jeden Fall ☺

Die nächsten Tage könnte es etwas eng mit dem Netz werden, daher bitte nicht auf Einträge warten. Wenn es geht, wird es etwas geben.

Ein etwas hakeliger Einstieg und am Ende eine wunderbare Hütte

Von Bad Tölz (Lenggries) zur Tutzinger Hütte

Etwas aufgeregt war ich wohl doch, zumindest lässt die fast durchwachte Nacht darauf schließen. Der Wecker klingelt und ich habe alles ziemlich schnell zusammengepackt. Jetzt geht es wirklich los.

In Anbetracht der Gewittervorhersage für heute Nachmittag starte ich nicht in Bad Tölz, sondern erst in Lenggries.  Das spart 2 Stunden Flachlandwandern und ich bin früher am Übergang zur Benediktenwand, die man bei schlechtem Wetter nicht machen sollte. Während der Zugfahrt stelle ich fest, dass ich zwar meine internationalen Freifahrten dabei habe, nicht jedoch meinem Berechtigungsausweis. 😯

Dann ist mir noch ein Missgeschick passiert, bei dem ich hoffe, dass ich nur geträumt habe und am Ende alles wieder da ist. Die Stimmung war daher kurzzeitig am Tiefpunkt. Es hilft alles nichts, jetzt werden die Stöcke ausgepackt und es geht in Richtung Brauneck.  Er zählt weder beim Skifahren noch beim Wandern zu meinen Favoriten und auch auf der heutigen Etappe wird es sich nicht ändern. Ziemlich steil, entlang der Skipiste steige ich in etwas mehr als einer Stunde die 700 hm zur Bergstation. Es macht wenig Spaß, ist dafür schnell geschafft.

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Jetzt geht es in ständigem Auf und Ab hinüber in Richtung Benediktenwand. Auf dem Latschenkopf mache ich in der Mittagssonne eine kurze Rast. Das Wetter scheint etwas länger zu halten, was auf diesem Gratübergang viel Spaß macht.

Im weiteren Verlauf wähle ich den Weg über die Achselköpfe, eine etwas anspruchsvollere Variante. Es gibt einige ausgesetzte Stellen und leichte Kletterei. Es macht trotz Rucksack viel Spaß und ich komme richtig gut rein.

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Nach 5 Stunden stehe ich an der Weggabelung zu Benediktenwand oder Tutzinger Hütte. Wenn ich schon mal da bin, nehme ich doch die Benediktenwand noch mit. Da war ich noch nie und wenn ich jetzt schon mal da bin…
Es ist schon etwas Schinderei mit dem Rucksack und den vielen steilen Auf- und Abgängen. Aber am Ende lohnt der Gipfel und die Aussicht alles.

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Ich spute mich doch auf dem Rückweg, da die Wolken immer stärker werden und ich nicht sicher bin, wie schnell die da sind. Dann erwartet mich noch ein langer Abstieg zur Tutzinger Hütte. Hier erwartet mich ein Zimmer und ein wunderbarer Apfelkuchen. Zudem habe ich noch die Qual der Wahl, das Abendessen betreffend.

Vorbereitungen II

22. Juni 2014 – Die Vorbereitungen sind abgeschlossen

Jetzt wird es ernst. Es ist alles vorbereitet und in wenigen Stunden geht es los. Der Rucksack ist fast voll und wiegt mit 3 Litern Wasser ca. 12 kg, was mit dem Gewicht während unserer letzten Tour gut vergleichbar ist. Ich habe die leise Hoffnung, dass das Gewicht über die Tour hinweg etwas leichter wird.

Für alle Neugierigen gibt es ein paar Tourinformationen, obwohl es nicht wirklich sicher ist, wo genau es hingeht, wenn ich den „Traumpfad München – Venedig“ nach ca. 2 Wochen wieder verlasse.

Morgen starte ich in Bad Tölz und es geht über das Karwendel nach Hall/Tirol. Über einen schönen Höhenweg geht es zum Hintertuxer Gletscher und von dort ins Pustertal nach Südtirol. Über die Kreuzwiesenalm geht es in die Dolomiten hinein, deren Höhepunkt für mich die Sellagruppe mit einer Übernachtung im Rifugio Boe auf fast 3.000 m sein wird. Dort werde ich den Traumpfad verlassen und über den Plattkofel die Dolomiten verlassen. Nach einem Zwischenstopp in Bozen möchte ich 2 Etappen auf dem E5 rückwärts über Meran 2000 und Hirzer nach Meran gehen. Dann plane ich nochmals einen „Stadtstopp“ in Meran ein, ehe ich an den letzten 5 Tagen den Meraner Höhenweg um die Texelgruppe herum, in Angriff nehme. Das jedoch ist optional. Sollte es mir unterwegs irgendwo sehr gut gefallen, gibt es einen Wanderstopp, um das Gebiet besser zu erkunden. Ebenso möchte ich bei absolut scheußlichem Wetter auch nicht unbedingt unterwegs sein und ich hoffe, dass ich gerade dann auf einer schönen Hütte bin 🙂

Ich freue mich wie immer über viele Leser und Follower…

 

 

 

 

Vorbereitung I

Endlich steht die Tour.  Alle Möglichkeiten sind abgewogen und viele Excel-Tabellen mit Varianten, Höhenmetern, Kilometern und Gehzeiten sind gefüllt. Ich habe jetzt ein gutes Gefühl und denke, dass es machbar ist und ich genug Flexibilität habe, um es auch genießen zu können und nicht nur auf das fixierte Ziel hinzurennen.

Die Ausrüstung ist nahezu komplett und alle notwendigen Informationen sind beisammen. Jetzt beginnt die Vorfreude – auf die Tour an sich, auf die Berge, das Laufen, auf hoffentlich wunderschön gelegene Berghütten, ab und zu eine nette Pension und gute österreichische bzw. Südtiroler Küche 🙂