Genuss und Tortour mitten in König Laurins Reich

5. Etappe – Von der Tierser Alpl Hütte (2.440 m) durch den Rosengarten zur Kölner Hütte (2.337 m)

Meine Tour ist wie eine Reise um die Welt. Gestern Abend hatte ich David aus Australien am Tisch sitzen. Seine Frau ist Italienerin und sie verbringen gerade einige Zeit hier. Ich habe viel über Australien selbst, Die Tour heute war kürzer als ich vermutet habe, aber in Summe komme ich mit meiner Kartenplanerei ganz gut hin. Politik und Aborigines erfahren.

Heute morgen war ich – ohne Wecker – vor dem Sonnfnaufgang wach. Das wurde so richtig belohnt und so sieht man es nur von oben…

Es verspricht ein guter Tag zu werden. In meinem Zimmer kann ich in Ruhe und ohne jemanden zu stören, meine Sachen packen, so dass ich 7.30 Uhr frühstücken kann. Wie alles auf der Tierser Alpl Hütte, ist auch das perfekt: selbstgebackenes Brot, Honigwabe, Kuchen, …

Satt und zufrieden starte ich um 8.15 Uhr und zwar so, wie ich es nicht mag – direkt steil aufwärts. Ich wusste es zwar seit gestern Nachmittag, aber das macht es nicht besser. An manchen Stellen muss ich die Hände zu Hilfe nehmen und die Steine sind noch kalt. Aber die Aussicht entschädigt für alles.

Was mich heute erwartet, weiß ich gar nicht so richtig. Ich kenne meine Zwischenstopps und auch die Entfernung und Höhenmeter. Wie es jedoch zu gehen ist, davon habe ich keine Ahnung. Vor mir tut sich eine Gruppe von Gipfeln auf und irgendwo dort dazwischen wird es sicher einen Weg geben. Nachdem ich die ersten 250 hm des Tages habe, sehe ich auch die nächsten vor mir. Damit sich der Weg hinauf zum Grasleitenpass auch lohnt, geht es vorher richtig steil in einen Kessel hinab. Es ist ganz still, nur die Steine knirschen unter meinen Füßen. Ich muss mich sehr konzentrieren, da der Weg nur so breit ist wie mein Rucksack. Unten im Kessel geht es ab zur Grasleitenhütte, für mich geht es auf zum Grasleitenpass und zur Grasleitenpasshütte (Rifugio principale). Nach einigem Auf und Ab sehe ich auch die Grasleitenhütte liegen und von dort einige Wanderer aufsteigen. Jetzt ist auch bei mir vorbei mit dem Dahinschlendern. Es geht auf kleinem, teilweise losem Geröll ziemlich steil nach oben. Meinen Waden gefällt es gar nicht. Nach knapp 30 Minuten Aufstieg rieche ich Rotkohl, also kann es bis zur Hütte nicht mehr weit sein. Und bald sehe ich sie auch am Hang kleben. Super Lage. Für mich geht es nahtlos weiter hinab zur Vajoletthütte. Alles, was ich soeben aufwärts erkämpft habe geht es jetzt in der Sonne und mit schöner Aussicht wieder hinab.

Unterwegs sehe ich Steinböcke, allerdings nicht so nah, dass es für ein Foto gereicht hätte. Ich beobachte sie ein bisschen beim fressen. An der Vajoletthütte ist es erst 10.45 Uhr und dort steht, dass es bis zur Kölner Hütte noch zwei Stunden sind. Was soll ich 13 Uhr auf der Hütte. Also genieße ich die Sonne, die Aussicht und die Ruhe hier oben. Cappuccino gibt es leider noch keinen, da die Hütte noch geputzt wird.

Ganz langsam werden Wolkenfäden sichtbar, was mich zum Weiterlaufen motiviert. Ich muss noch über die Forca Coronelle mit knapp 2.700 m und da würde ich gerne etwas sehen. Der Einstieg ist heftig. Ich brauche beide Hände und bin froh, dass ich lange Beine habe. Es stören nur meine 10 kg auf dem Rücken. Die Sonne knallt noch voll auf meinen Weg und es ist einfach nur richtig anstrengend, da man auf jeden Schritt Acht geben muss. Die oben um die Gipfel aufwabernden dunklen Wolken machen mir etwas Sorgen. Gut, der Weg zurück bleibt mir immer. Es kommen mir viele Wanderer entgegen und langsam freunde ich mich auch mit dem Weg an. Es ist jetzt oft gut zu gehen und die Hände brauche ich nur kurz vor der Scharte. Und oben geht plötzlich der Himmel auf und ich stehe in der Sonne und schaue auf Daunenwolken unter mir.

Gen Westen schauen die schneebedeckten Gipfel heraus. Das ist atemberaubend und Lohn für die Plackerei. Der Abstieg erfordert auch wieder die Hände, ist jedoch gut zu gehen. An einer Bank verweile ich und schaue einfach nur. Das war eine weise Entscheidung, wie sich noch herausstellen wird. Die letzten Höhenmeter zur Hütte sind größtenteils seilversichert und mit meinem Gepäck doch nicht ganz ohne. Inzwischen bin ich auch ganz in den Wolken und rieche auch hier wieder die Hütte, ehe ich sie sehe. Witzig…

Plötzlich ist sie da und ich realisiere, dass ich sie gestern vom Schlern aus bereits gesehen haben muss, wie sie so weiß am Hang klebt. Ich bleibe erst einmal auf der Terasse und esse meinen Belohnungsapfelstrudel. Zu sehen gibt es nix, aber es ist noch warm. Gegenüber sitzt ein Paar, die in einer Mahlzeit mal meine Tageskalorien verfuttern: Leberkäse, Spiegelei, Bratkartoffeln, Wein und Sachertorte – jeder 😉

Ich bekomme in der Hütte ein Zimmer für mich. Echt gute Quote: 6 Nächte und nur einmal im Lager mit 8 Leuten. Inzwischen ist es durch die fehlende Sonne auch bibberkalt. Mit Tee, vielleicht auch noch einem Jagatee wärme ich mich und verbringe hier meinen letzten Abend auf der Hütte.

Die Tour heute war kürzer als ich vermutet habe, aber in Summe komme ich mit meiner Kartenplanerei ganz gut hin.

Morgen geht es nur noch bergab hinunter nach Welschnofen – mit oder ohne Seilbahn wird sich noch herausstellen.

Gehzeit: 4,5 Stunden, Entfernung: 9 km, ca. 1.000 hm auf und ab

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