550

Vom Klausberg (1.602 m) auf den Breitenrast (2.098 m)

Endlich wieder über den Brenner, endlich wieder Südtirol, endlich wieder Almhütten. Natürlich gibt es vor der Haustür genügend Berge, aber wenn sich der Geist eingesperrt fühlt, verlieren die recht schnell an Charme (bei dem Wetter der letzten Monate zumal) und das gerade Unerreichbare wird unendlich begehrt. Dank unseres Optimismus zum Jahreswechsel, war unser Hotel im Ahrntal schon lange gebucht und ja, …es hat funktioniert, wir sind endlich wieder in Südtirol. Das Wetter ist herrlich – was wollen wir mehr.

Kaum ist die Seilbahn direkt vor der Haustür, werden natürlich alle Prinzipien über Bord geworfen und die Kräfte geschont oder besser gesagt, die beim Frühstück verbummelte Zeit wieder herausgeholt. Wir schweben gemächlich 600 hm nach oben und kommen mitten im Skigebiet Klaustal raus. Ich fahre unheimlich gern Ski, werde allerdings im Sommer immer schnell nachdenklich, da es doch Raubbau an der Natur ist und auch optisch weit weg von Bergindylle und unverbauter Landschaft ist.

Kaum um die Ecke gebogen, haben wir sie vor uns – blühende Almwiesen, herrlicher Blick auf die Gipfelriesen des Ahrntals und schöne Wege und Steige. Wir laufen auf der Höhe nach Norden und sind trotz Seilbahn ganz schnell allein. Nach unserem nicht enden wollenden Winter kämpfen wir noch etwas mit der Wärme. Wie kann es sein, dass ich trotz Wolken am Himmel das Kurzarmshirt wähle??? Wir vermuten, dass es auch hier auf der Alpensüdseite ein langer Winter war, zumindest gab es genügend Schnee. Alle Gipfel um uns herum sind noch weiß.

An der Untoberga Olpe schwenkt unser Weg nach Süden. Wir laufen erst fast um den Gipfel herum, ehe es nach oben geht. Vorher machen wir noch einen Abstecher zur Mooser Ebene, einem kleinen Hochtal, umrahmt von schneebedeckten Bergen, die sich im Sommer sicher lohnt zu besteigen. Noch sind keine Kühe hier oben, so dass wir die Almwiesen für uns haben.

Es ist jedoch auch noch weit weg von Sommerwiesen, wenige Meter bergauf werden auch wir wieder auf letzte Schneefelder treffen. Und jetzt geht es auch wirklich bergauf in Richtung Breitenrast. In engen Serpentinen geht es jetzt stramm bergan, bis wir auf eine Weggabelung treffen. Wir können um den Berg herum gehen oder den Gipfel mitnehmen. Die interne Diskussion entspinnt sich an den noch zu bewältigenden Höhenmetern. Wohlgemerkt, wir haben erst 370 hm in den Beinen. Ich werde auf 550 hm gehandelt, Abweichungen nach oben werden dann in Form von noch nicht genau geäußerten Wünschen/Meter geahndet. Ich schaffe es gerade noch eine Abweichung von 10 hm herauszuhandeln. Dann geht es los. Die Serpentinen werden noch enger, der Lieblingsmann spricht von „direttissima“, das halte ich für etwas übertrieben, aber es geht ordentlich bergan. Das gefühlte Leiden ist ganz schnell vorbei und es sind auf dem Breitenrast ganz genau 550 hm. Ich denke mir, dass es treffsicherer wohl nicht geht und der Lieblingsmann kann das ja auf dem Abstieg verarbeiten 😉

Vor dem Abstieg genießen wir bei weiß-blauem Himmel eine grandiose Aussicht und die auch noch ganz allein.

Der Abstieg ist wie der Aufstieg, nur auf der anderen Bergseite mit Blick auf das Skigebiet. Schnell sind wir an der ersten bewirtschaften Hütte, die wir jedoch ignorieren. Das Ziel vom Lieblingsmann ist die Speck- und Schnapsalm. Also geht es weiter abwärts über die noch unbrwirtschafteten Wiesen. Da wir jetzt nicht mehr allein sind, ziehen wir das Tempo etwas an oder vielmehr, ich ziehe es an. Aber ich entspannte mich schnell, da die Bänke vor der Hütte noch nicht alle besetzt erscheinen. Der Schein trügt nicht, allerdings gibt es dafür einen ganz banalen Grund: Ruhetag.

Also nehmen wir die nächste Stufe nach unten, jetzt auf einem herrlichen Waldweg und begleitet vom Gebimmel der ersten Kühe hier oben in diesem Jahr. Und es kommt vor der Seilbahn noch eine Alm, die Moaregg Alm, eine gute Wahl. Wir genießen es, endlich mal wieder in eine Hütte einkehren zu können. Die Wildkräuterknödel und der Apfelstrudel suchen ihresgleichen – hier könnten wir ewig sitzen.

…aber der aufkommende Regen lässt uns das Ganze doch überdenken. Wir laufen schnell hinüber zur Seilbahn und schweben trocken hinunter ins Tal.

Ein wirklich schöner Spaziergang am Berg – mehr war es wirklich nicht, mit 550 hm, 2 h 30 Minuten und 8,2 km.

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