Schlag Zwölf auf der Stettiner Hütte

4. Etappe des Meraner Höhenwegs – von Zeppichl (1.700 m) über das Eisjöchl (2.895 m) zu den Eishöfen (2.076 m)

Heute gibt es die erste richtige Bergtour des Meraner Höhenwegs und es wird leider die einzige bleiben. Das jedoch bedauern wir erst beim Abstieg. Heute morgen beschlich mich eher ein etwas mulmiges Gefühl. So schwer haben sich meine Beine nur sehr selten aus dem Bett geschwungen. Wahrscheinlich wären zwei, drei Touren mehr im Vorfeld eine gute Idee gewesen, weil sich der Körper schneller regeneriert.

Na gut, alles jammern hilft nix und ich nehme ganz vorsichtig die Treppenstufen hinunter zum Frühstücksraum. Purer Luxus – viel frisches Obst, Schinken und südtiroler Speck – rundum alles was für mich ein Sonntagsfrühstück ausmacht – heute am Mittwoch. Alles Zögern hilft nichts. Um 8.20 Uhr starten wir in Zeppichl. Das Wetter ist etwas uneinig, ob die Sonne darf oder die Wolken gewinnen, aber es ist trocken. Anfangs geht es nur leicht ansteigend zum Lazinser Hof, der idyllisch vor den steilen, grauen Felswänden auf einer kleinen Hochebene liegt. Und auch zur Lazinser Alm sind es nur wenige Höhenmeter. Nach den 40 Minuten Einlaufen ist jetzt jedoch nur Eines angezeigt – nach oben für ca. 1.000 Höhenmeter.

Lazinser Hof … und dahinter geht es hoch und durch

Über den neu angelegten Alpinisteig steigen wir Kehre um Kehre aufwärts bis wir die erste ‚Stufe‘ geschafft haben. Wir haben beide geschätzt, wie viele Höhenmeter es sind. Ich habe 200 maximal in den Ring geworfen und der Lieblingsmann 300 Höhenmeter. Es waren deutlich mehr als 400 hm und wir haben damit fast die Hälfte der Tageshöhenmeter geschafft. Ich setze einfach stoisch einen Fuß vor den anderen und hoffe nur, dass meine Waden nicht ‚zu‘ machen. Der Weg ist perfekt, einer der am besten angelegten, die wir je gegangen sind. Die vielen Kehren fordern die Kondition fast gar nicht. Bei einer kurzen Schokoladenpause ziehen plötzlich die Wolken auf und oben am Hang klebt sie – die neue Stettiner Hütte. Ich hoffe, dass wir sie nicht auf jedem verbleibenden Meter nach oben sehen, sonst gibt es wahrscheinlich den ‚Braunschweiger-Hütten-Effekt‘ – sie ist da und kommt nicht näher und wir verzweifeln. Es ist zum Glück nicht so und genau 12.00 Uhr sind wir oben auf der Terrasse. Das hätte ich selbst nicht für möglich gehalten – 3,5 Stunden bis hoch, das macht mich stolz auf meine Beine 🙂

Stettiner Hütte auf 2.875 m
Blick vom Eisjöchl (2.905 m ) ins Pfossental

Eigentlich haben wir Brotzeit dabei, aber bei eigentlich ist ja schon vorprogrammiert, dass es anders kommt. Wir können die Hütte nicht links liegen lassen. Seit Juli 2022, also wenige Tage ist diese Kathedrale auf 2.785 m geöffnet, nachdem es die alte Hütte mit einer Lawine zerstört hat. Sie fügt sich mit Beton und Holz super in die Felslandschaft ein. Innen ist ganz viel Holz und Stein – absolutes Wohlfühlambiente. Da müssen wir einkehren. Die Suppen sind lecker und der Cappuccino ist perfekt – wir kommen wieder und bleiben sicher über Nacht.

Nach der Pause erklimmen wir die letzten Meter hinauf zum Eisjoch und lassen damit das Pfelderer Tal endgültig hinter uns und steigen – jetzt bei strahlendem Sonnenschein – hinab ins Pfossental. Der Weg ist auch auf dieser Seite wunderbar angelegt und der Abstieg fällt leicht. Wir haben schönes Bergpanorama und sehen von dort bereits unser Ziel. Dennoch brauchen wir noch zwei Stunden für die 7 Kilometer – Jungkühe wollen bestaunt werden, Wasserfälle fotografiert und künftige Touren hier oben geplant werden.

Eishof auf 2.076 m

Ab 15.00 Uhr kann man im Eishof die Zimmer beziehen und 15.05 Uhr sind wir da. Heute gibt es nur Mehrbettzimmer und die Hütte ist voll. Wir teilen uns unseres mit einer vierköpfigen Familie; das ist gut, weil Kinder schon mal nicht schnarchen 😉 Heute entscheiden wir uns gegen die Dusche, da es nur eine für 30 Leute gibt. Ich bin allergisch gegen Schlangen und es gibt überall warmes Wasser, da geht waschen auch mal. Gestern Luxus pur und heute als Gegenpol mal einfach und geerdet – das mag ich. Entspannt sitzen wir bei unserem Blaubeer-Cheesecake und warten insgeheim schon auf das Abendessen. Die Tafel verheißt Gutes…

Morgenstimmung mit Blick auf die hohe Weiße und die kleine Weiße (Bildmitte)

Gehzeit: 5 Stunden 22 Minuten / Strecke: 16,5 Kilometer und 1.150 Höhenmeter

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