Glas auf Stein

Vom Württemberger Haus (2.220 m) über die Bitterscharte (2.500 m) zur Hanauer Hütte  (1.922 m)

Ach was haben wir gestern Abend die Möglichkeiten, die sich bei schlechtem Wetter vom Württemberger Haus startend, anbieten. Es kursierten einige Wettervorhersagen, die wenigsten prognostizierten gutes Bergwetter. Ich schiebe die Entscheidung einfach auf morgen.Jetzt kann ich eh nichts tun. Also krabble ich in meinen Schlafsack und genieße die Ruhe in meinem Einzelzimmer (absoluter Luxus auf der Hütte).

Heute Morgen ist das Wetter lala, aber es regnet nicht und ich breche ziemlich früh auf. Es sind 6 Stunden Gehzeit angegeben und die Regenwahrscheinlichkeit soll im Tagesverlauf zunehmen. Es geht direkt bei der Hütte steil los und führt geradewegs (besser in vielen Kehren) zur Bitterscharte. Die macht ihrem Namen alle Ehre, nicht beim Aufstieg, aber beim Abstieg. Es sind zwar Seile angebracht, aber dort wo sie sind, braucht man sie nicht wirklich. An anderen Stellen wären sie durchaus hilfreich. Aber bei dem trockenen Wetter alles kein Problem. Nachdem ich noch ein großes Geröllfeld gequert habe, sehe ich ganz nah ein Steinbockmännchen. Also flugs das Handy aus der Tasche geholt und näher herangeschlichen. Stöcke und Handy in der Hand laufe ich weiter und dann…Glas auf Stein. Das Handy fällt genau mit der „richtigen“ Seite auf einen Stein. Mist, Murphys law. Alles zersplittert, aber es geht noch und ich banne den Steinbock aufs Bild. Das ist teuer…

Da ich heute zwei Scharten/Jöchl passiere, muss ich noch einmal bergauf. Vorbei an einem Wasserfall komme ich am schönsten der heutigen Seen vorbei. Der Gufelsee lockt türkisfarben, ist jedoch wahnsinnig kalt. So warm ist es auch nicht, dass eine Erfrischung notwendig wäre.

Von hier aus sind es nur noch ein paar Kehren zum Gufelseejöchl,  dass auf 2.373 m liegt. Von hier sollen es noch zwei Stunden zur Hanauer Hütte sein. Da bin ich doch etwas verwundert, da es das erste Mal wäre, bei dem ich genau die angeschriebene Wegzeit benötige. Also lass ich den verlockenden Gipfel der Kogelseespitze links liegen, der in 30 Minuten zu erreichen gewesen wäre. Steil geht es vom Jöchl bergab und wenige Minuten später sind es plötzlich nur noch 45 Minuten zur Hütte.Dann passt meine Welt doch wieder. Ich steige,  begleitet von Kuhglockengeläut zur Hütte ab. Wie toll die immer liegen. Jede Hütte hat doch so ihre eigenen Abläufe. Hier auf der Hanauer gibt es die Lager oder Zimmer erst ab 14.00 Uhr. Da muss ich noch 90 Minuten geduldig sein. Es gelingt mit Kaffee und Apfelstrudel 😉

Ich habe Glück, durch meine frühzeitige Reservierung habe ich wieder einen Platz im 2-er Zimmer ergattert. Und es gibt fließend warmes Wasser im Zimmer!!! Dann spare ich es mir, nochmals 2 Stunden auf die Duschen zu warten. Die werden erst 16.00 Uhr aufgeschlossen. Bis dahin bin ich völlig durchgefroren. 

Empfang gibt es hier gar nicht. Also gewinne ich wieder einen Nachmittag lang Gegenwart und schaue gespannt, ob ich bekannte Gesichter von gestern eintrudeln sehe.

4 Kommentare zu „Glas auf Stein“

  1. Liebe Judith, wir bewundern Deinen Mut und Deine Ausdauer und wünschen Dir weiterhin
    viel Spaß und interessante Begegnungen auf Deinen Touren. Herzliche Grüße Rita und Guido

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