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Von der Edelrauthütte (2.545 m) zur Tiefrastenhütte (2.312 m) – 4. Tag am Pfunderer Höhenweg

Eine erholsame Nacht, ganz ohne Schnarcher und mit guter Luftzufuhr liegt hinter uns. Wir werden erst 6.30 Uhr wach – egal, uns treibt heute nichts. Das Frühstück auf der Hütte ist ziemlich opulent, obwohl sie nur mit Hubschrauber versorgt werden kann.

Es verspricht ein wunderbarer Wandertag  zu werden; die Sonne lacht von einem strahlend blauem Himmel. Wir steigen wieder ab zum Eisbruggsee und zur Eisbruggalm. Heute sind wir nicht so richtig allein und laufen unter wechselnder Führung in Gruppen. Das ist nicht ganz so meins.

Eisbruggsee als Spiegel

Bald verlassen wir den Weg,  den wir gestern aufgestiegen sind und steigen zur Kuhscharte auf. Der Blick schweift über das Pfunderer Tal und im Dunst sind die nördlichen Ausläufer der Dolomiten zu erkennen. Und es hat Netz. Alle stehen mit ihren Handys da und surfen oder telefonieren. Ab jetzt sind wir wieder in den typischen Grasbergen unterwegs und spüren nicht nur die Vorteile,  wie blühende Wiesen und Schmetterlinge, sondern auch die Nachteile. Man muss im Model-Schritt gehen, d.h. einen Fuß genau vor den anderen setzen, sonst erwischt man ein loses Grasbüschel am Rand und Ab geht’s. So fast geschehen ein paar Schritte hinter mir. Zum Glück gute Reflexe…

Jetzt beginnt auch das Almenhopping. Die erste ist die Gruipaalm auf 2.200 m. Hier kann man etwas trinken, was wir nicht tun, da wir damit dem Laufen in der Gruppe entkommen. Wir laufen mehr oder weniger auf der Höhenlinie entlang, um eine Stunde später, nach einigen unbewirtschafteten Almen die Gampisalm zu erreichen. Unterwegs sind uns ca. 20 Leute entgegen gekommen. Das war auf dem sehr schmalen Weg schon etwas herausfordernd.

Kühe bei der Gampisalm

An der Gampisalm entscheiden wir uns nochmals gegen eine Pause, obwohl das Käsbrettl hervorragend aussieht. Direkt hinter der Alm müssen wir zum letzten Joch, dem Passenjoch aufsteigen. Mit vollem Bauch ist das kein Spaß und mit den km und hm der letzten Tage noch weniger. Das erste, was wir oben sehen, sind Kühe. Und die liegen, wie fast immer, genau im Weg. Inzwischen haben wir uns ja angefreundet und laufen mitten durch die Herde.

Hier legen wir auch eine kurze Pause ein und snacken etwas aus unseren Rucksäcken. Das Panorama ist grandios, wir sehen die Südseite der Berge des Zillertaler Hauptkamms und Gletscher (oder Keese, wie die dort genannt werden) wie an der Perlenschnur. Wir können den dahinter verlaufenden ‚Berliner Höhenweg‘ fast erahnen.

Blick auf den Zillertaler Hauptkamm

Wir laufen durch ein großes gerölliges Kar und stellen Vermutungen an, hinter welchem Steinhaufen wir zur Tiefrastenhütte absteigen werden. Weit kann es ja laut Zeitangabe am Joch nicht mehr sein. Plötzlich wird meine ganz leise Vermutung wahr. Es geht nicht ab-, sondern aufwärts. Wo ist der Weg zur Hütte? Müde Beine und Hunger…

Ich hole die Karte hervor, um sicher zu gehen. Was sehe ich? Die Euphorie, dass es von der Gampisalm zur Tiefrastenhütte nur noch ein kurzes Stück ist, hat uns den zweiten Übergang neben dem Passenjoch übersehen lassen. Es gibt noch einmal knapp 300 hm im groben Blockwerk, aber dann ist es wirklich geschafft und wir sehen unten die Hütte vor uns liegen. Die letzten 300 hm müssen wir jetzt steil wieder nach unten, um uns dann ins Treiben auf der Hütte zu stürzen. Sie ist nur 2 Stunden vom Parkplatz im Winnebachtal entfernt. Das erklärt den Auftrieb hier. Heute nervt es etwas, Morgen kommt es uns nur recht, dann ist es nicht so lang zurück nach Sterzing.

Egal – 16.00 Uhr sitzen wir mit Apfelstrudel im Bauch, geduscht am See und genießen die Szenerie. Es kehrt Ruhe ein in der Hütte….

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