Endlich ist die Havel zu sehen

Von Fürstenberg nach Liebenwalde (57 km)

Das Wetter war gestern nicht gnädig. Es schauerte und gewitterte anhaltend, so dass die Location meiner Wahl mein Zimmer war. Heute morgen jedoch sah die Welt ganz anders aus. Blank geputzter Himmel und Sonnenschein. Noch vor dem Frühstück saß ich am Wasser. Ja, ich war am und nicht im Wasser. Das war mir dann doch noch zu frisch. 😉

Nach einem Frühstück mit allem, was dazu gehört, sogar den “ Stullen zum mitnehmen“, bin ich ziemlich spät und erstmals kurzärmlig gestartet. Himmelpfort war nach wenigen Kilometern meine erste Station. Ein schöner kleiner Ort, in dem ich es auch ein Wochenende zum Bootfahren, Baden und Radfahren aushalten könnte.

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Fachwerkkirche Bredereiche

Kurz danach kommt Bredereiche, wo es einiges zu sehen gibt. Mitten im Ort steht eine schöne kleine Fachwerkkirche. An der Schleuse beobachte ich die Boote beim Selbstschleusen.

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Schleuse in Bredereiche

Es gibt Bungalowboote, die passen in der Breite gerade so in die Schleusenkammer rein. Am Ortsrand wartet noch eine riesige Stieleiche und das schon seit vielen hundert Jahren.

So langsam ändert sich die Landschaft. Es gibt mehr Felder und Pferdekoppeln und weniger Seen und Wälder. Dafür ist endlich die Havel als Fluss zu sehen. Bislang hat sie sich meist in Seen und Kanälen versteckt.

Zwischen Mildenberg und Zehndick sieht das Bild von oben sicherlich wie eine mehrreihige Perlenkette aus. Links und rechts der Havel befinden sich unzählige kleine Seen (sog. Stiche), die durch den Tonabbau entstanden sind. Hier war früher Europas größtes Tonabbaugebiet und die größte Ziegelproduktion. Daher wahrscheinlich auch die vielen Klinkerhäuser.

Bald komme ich nach Zehndick, in dem ich meine Mittagspause verbringe. Es gibt hier noch Reste eines Zisterzienserklosters und eine Zugbrücke, die leider während meines Aufenthalts geschlossen blieb.

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Vosskanal mit Ziegeleischornstein

Unweit von hier befindet sich Ribbeck, bekannt aus dem Gedicht von Theodor Fontane. Nach meinen Ausführungen zum Tonabbau, verschone ich alle mit weiteten Details. Es ist dennoch ein schönes Gedicht. 🙂

Ab hier geht es zwischen Vosskanal und Havel auf einem gut ausgebauten Radwegen zu meinem Etappenziel Liebenwalde. Es ist schon ein sehr ruhiger Ort, also wirklich sehr ruhig. Für eine Nacht geht es. Mein Zimmer ist super und der Tipp für das Abendessen hat auch wunderbar gepasst. Es gab Zander.

Jetzt freue ich mich auf meine nächste und vorerst letzte Etappe über Oranienburg nach Berlin.

Im Land der tausend Seen

Von der Havelquelle in die Wasserstadt Fürstenberg (67 km)

Wie auf den Hütten auch, war ich auch hier auf dem Havelradweg am Abend nicht ohne Gesprächspartner. Man trifft doch immer wieder interessante Menschen und bekommt wertvolle Tipps für unterwegs. Gestern hatte ich eines der besten Fischgerichte, die ich je gegessen habe und über ebendieses bin ich mit einem Ehepaar aus Hamburg ins Gespräch gekommen, die auf dem Weg von Berlin nach Kopenhagen (mit dem Rad) sind.

Für heute standen ein paar mehr Kilometer als gestern auf dem Programm und das Wetter hält sich auch nicht so richtig an die Prognose. Ich starte bei grauem Himmel und ziemlich starken Wind, so dass ich gehörig treten muss. Nach wenigen Kilometern gleich das erste Highlight:

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Storch nahe Ankershagen

Dieses Mal war er nicht erschrocken und ich hatte das Handy zum fotografieren auch schnell zur Hand. Weiter geht es in ständigem bergauf und bergab – ja hier ist es hügelig. Auch das hatte ich nicht erwartet, macht jedoch Spaß, da sich immer wieder neue Ausblicke ergeben.

Es gibt hier unzählige Seen, die alle mit Kanälen verbunden sind, so dass den ganzen Tag immer ein See in der Nähe ist.

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Das Wetter wird auch zunehmend besser, so dass ein leichtes Sommergefühl aufkommt. Meine Mittagspause verbringe ich an einer Schleuse und beobachte das Ein- und Ausfahren der Boote. Da kann man die Zeit einfach so dahinfließen lassen. Leider beende ich meine Pause, rückblickend betrachtet, zu falschen Zeit. Kurz nach dem Aufbruch schauert es gehörig und ich muss meine Regenkleidung ganz unten herauswühlen. Dank der großen Laubbäume werde ich jedoch nicht sehr nass. Und so geht  es schnell und trocken dem Ziel entgegen.

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Jetzt sitze ich im Hafen von Fürstenberg und genieße den Blick auf das Wasser. Wenn morgen früh die Sonne scheint, wage ich vielleicht einen Sprung ins Wasser. Meine Pension hat einen eigenen Seezugang und dass sollte ich nutzen. Vielleicht…

Von Schusters Rappen auf den Drahtesel

1. Etappe auf dem Havelradweg – Von Waren/Müritz zu den Havelquellen (44 km)

Wenn der Plan A nicht funktioniert und der Plan B nicht ohne Einschränkungen umsetzbar ist, muss einfach Plan C her. Der für heute geplante Wiedereinstieg in meine Bergtour ist auf den 4. August verschoben. Es war noch ein Übergang gesperrt und Vorgestern soll es geschneit haben. Daher habe ich mich am Sonntag für die Mitfahrt nach Berlin entschieden. Um nicht nur von Museum zu Museum zu ziehen oder in teuren Kaufhäusern viel Geld auszugeben, habe ich mich für eine viertägige Radtour auf dem Havelradweg entschieden.

Eines vorab: Das Wetter passt.

Heute Morgen ging es mit dem Regionalexpress nach Waren/Müritz. Ich bin sozusagen auf den Spuren meiner Kindheit unterwegs, da ich viele schöne Urlaube an der Müritz verbracht habe. Waren ist jetzt eine wunderschöne Kleinstadt direkt am Wasser. Hier könnte ich jetzt bleiben und den Booten und Möwen zuschauen.

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Hafen Waren/Müritz

Jetzt muss erst einmal eine frische Fischsemmel her. Wenn schon Urlaub am Wasser, dann muss es auch Fisch geben. Dann nehme ich die heutige Etappe in Angriff, die mich Anfangs durch den Müritz-Nationalpark führt. Entgegen meiner Erwartung ist das „flache Land“ doch nicht so flach. Es sind zwar keine Berge zu bewältigen, aber es ist ziemlich wellig und es weht ei  frischer Wind. Es sind auf den perfekt ausgeschilderten Routen viele Radler unterwegs und wie in den Bergen auch, wird jeder gegrüßt. Meist geht es auf Radwegen, Wirtschaftswegen oder Waldwegen ohne Autoverkehr durch eine Bilderbuchlandschaft.

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Kurz vor der Havelquelle

Ich bin schon relativ früh am Zielort, so dass ich gleich heute noch den Abstecher zur Havelquelle mache. Sie ist ziemlich unscheinbar und es ist nicht ganz klar, ob es diese eine Quelle ist, aus der die Havel entspringt oder ob unterirdisch mehrere Seen die Havel noch speisen.

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Havelquelle

Auf dem Rückweg nach Ankershagen steht ein paar Meter von mir entfernt ein Storch. Wir waren wohl beide ziemlich erschrocken.  Leider habe ich ihn so schnell nicht fotografieren können. Und dann war er weg.

Zum Abschluss habe ich mir noch das Schliemann – Museum hier im Ort angesehen. Und jetzt warte ich auf mein fischiges Abendessen.

Abschied vom Karwendel und eine hoffentlich kurze Pause

Von der Hallerangeralm in die Salzstadt Hall (570 m)

Neben der defekten Heizungsanlage konnte auch der Ofen nicht geheizt werden, da sich der Kaminkehrer angesagt hatte. Alles wartete seit 14.00 Uhr auf ihn. Daher war auch die Gaststube kalt. 19.00 Uhr entschied der Wirt, dass eingeheizt wird. Und es ward endlich warm. Nur 90 Minuten später kam auch der Kaminkehrer, der den Weg, den wir heute abwärts nehmen, aufsteigen musste. Rückblickend sei ihm verziehen.

2 Stunden nach mir waren auch Fabian und Benedikt, die Berliner Jungs am Ziel, so dass wir wieder einen lustigen Abend auf der Hütte hatten.

Heute Morgen war das Wetter mehr als nur schön, so dass ich richtige Lust auf die vor mir liegende Etappe hatte.

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So muss Wanderwetter sein. Nach einem schnellen Frühstück bin ich schon unterwegs zum Lafatscherjoch, welches auf einer Höhe von 2.081 m den Übergang zum Inntal bildet. Der Ausblick auf die Zillertaler Alpen war nicht so grandios, wie ich es mir in Anbetracht des Wetters vorgestellt hatte. Dafür gibt es im Karwendel noch ein paar wirklich schöne Motive, für die sich der Aufstieg gelohnt hat.

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Jetzt geht es für die nächsten drei Stunden nur abwärts; erst über Schotter, danach über Forst- und Wirtschaftswege. Das ganze Gebiet ist noch vom Salzbergbau gekennzeichnet, der wohl erst Mitte des letzten Jahrhunderts aufgegeben wurde. Auf halber Strecke komme ich an den Herrenhäusern vorbei, der ehemaligen Siedlung der Bergwerksbetreiber. Durch eine Lawine in Mitleidenschaft gezogen, ist vom ganzen Komplex nur noch die Kapelle zugänglich und wird auch als Notunterkunft für Wanderer und Bergsteiger genutzt.

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Und es geht weiter abwärts, zum Glück mal wieder durch einen Wald. Forstwege hatte ich in den letzten Tagen wahrlich genug. Bald kommt Hall in Sicht und ich verabschiede mich vom etwas spröden Karwendel und freue mich auf die Zillertaler Alpen, wo ich wahrscheinlich nur wenige Forstwege zu bewältigen habe und endlich im Reich der vielen 3.000 er bin.

In Hall führt mein erster Weg zur Information, da ich unbedingt eine Wetterprognose brauche, um zu entscheiden, auf welchen Wegen es weitergeht. Da heute lt. meiner letzten Prognose der schlechteste Tag des Prognosezeitraums sein soll, bin ich nicht wirklich beunruhigt. Leider ändert sich das bald. Für die nächsten Tage ist vom Dauerregen, starken Regen bis zum Temperatursturz alles dabei. Da ich bis zur Überquerung des Alpenhauptkammes meist deutlich über 2.000 m unterwegs bin und das allein bewerkstelligen muss, ist eine einigermaßen gute Prognose wichtig. Ich ringe mit mir, entscheide mich aber für eine Unterbrechung der Tour. Von Hall bin ich in 2 Stunden in München und entsprechend auch von München in Hall. Ich hoffe, dass ich am Montag oder Dienstag wieder starten kann.

Ich wollte eigentlich raus aus dem Alltag und bin jetzt unvermittelt wieder mittendrin.

Ich hoffe nächste Woche auf den Wiedereinstieg und tolle Eindrücke, die ich gerne wieder teile.

Isarquellen und ganz viele Kilometer

Vom Karwendelhaus zur Hallerangeralm (1.765 m)

Pünktlich 19.30 Uhr ging der Hüttenstube von Tisch zu Tisch und gab die Wetterprognose bekannt. Von der Überquerung des Schlauchkars hat er aufgrund des Altschnees dringend abgeraten und stark für die Variante über Scharnitz plädiert. Viel Lust habe ich auf die mir bevorstehenden knapp 40 km nicht; einen Abgang im Schneefeld mit ungewissem Ausgang möchte ich jedoch tunlichst vermeiden. Also ist die Entscheidung klar. Mit mir teilt noch ein Ehepaar aus Bayern das Zimmer. Die liegen jedoch um 20.30 Uhr schon im Bett, so dass ich mich nicht mal traue, mit meinem Gepäck zu rascheln. Mit lesen ist da natürlich auch nichts mehr. Also ist schlafen angesagt. Körperlich bin ich auch ziemlich müde, aber der Kopf ist noch nicht ausgearbeitet. Ich liege lange wach und laufe die morgige Tour schon mal vorab.

7.00 Uhr gibt es Frühstück. 4 Scheiben Brot (für Insider: altes Brot) mit Butter, Marmelade und Honig für 7.50 Euro. Das ist selbst für eine Hütte deftig. Ich packe alles, was ich nicht esse, ein und bin 7.40 Uhr auf dem Weg. Anfangs noch in den Wolken, laufe ich ziemlich bald bei strahlendem Sonnenschein das Wendeltal hinaus.

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Es sind fast 3 Stunden bergab und geradeaus, bis ein Abzweig zu Gasthaus „Wiesenhof“ kommt. Über den Karwendelsteig laufe ich dahin, was einer Abkürzung von fast einer Stunde entspricht. Unterwegs fehlte zwar die Beschilderung, aber einige urlaubende Landsleute konnten mir helfen. Heute wäre jeder Meter mehr ziemliche Quälerei. Vom Gasthof sind es drei Stunden zur Kastenalm, an der ich Pause machen möchte. Ich rechne damit, etwas schneller zu sein. Das funktioniert heute jedoch nicht. Dafür laufe ich entlang der Isar, was mir erst dann bewusst wird, als die Isarquellen ausgeschrieben sind.

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Von den Quellen sind es noch weitere, zähe 45 Minuten, die endlos hinziehen. Heute habe ich mir die Pause redlich verdient und sie fällt mit frischer Buttermilch und Käsejause etwas üppiger aus. Danach erwarten mich noch 90 Minuten Aufstieg, mit 500 hm. Das fällt mir ziemlich schwer, was nicht am vollen Bauch sonder an 6 Stunden strammen Marschierens liegt. Aber das schaffe ich jetzt auch noch

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Über wunderschön blühende Almwiesen und zwischen Kühen mit Kälbchen hindurch laufe ich ohne Pause zur heiß ersehnten Hallerangeralm. Hier bekomme ich ein kleines Einzelzimmer, worüber ich sehr glücklich bin. Leider ist die Heizungsanlage kaputt, so dass leider eine kalte Dusche ansteht. Egal, meine Füße brauchen Erfrischung und der Rest auch 😉

Morgen entscheide ich, wie es weiter geht. Entweder von Hall zur Glungezer Hütte. Das mache ich nur, wenn es für Samstag eine gute Prognose für die Gratwanderung zur Lizumer Hütte gibt. Zweite Variante ist die Voldertaler Hütte und von dort zur Lizumer Hütte. Sollten meine müden Knochen einen halben Ruhetag brauchen, übernachte ich in Hall und fahre von dort der Lizumer Hütte ein Stück entgegen.

Für heute reicht es mir wirklich und ich bin froh, dass es nicht geregnet hat, sonst wäre ich wahrscheinlich heimgefahren. So sitze ich auf der Hütte und warte auf meine beiden Berliner Jungs.

Heute Abend gibt es noch Goethes „Italienische Reise“ für den noch wachen Kopf…

Von Vorderriß zum Karwendelhaus (1.765)

Die 3. Etappe und wieder ein Regentag

Nach einem netten Abend im Gasthaus Post in Vorderriß, bei dem wir auch die Variante, nach Hinterriß mit dem Bus zu fahren, werde ich heute Morgen von der Sonne geweckt. Auch wenn das erste Stück wirklich ein Talhatscher ist, möchte ich bei diesem Wetter lieber laufen. Die Jungs bevorzugen die Busvariante und fahren erst 10.42 Uhr los. Da hoffe ich, schon fast in Hinterriß zu sein.

Nach einem guten Frühstück starte ich zum ersten Teil der heutigen Etappe, 12 km am Rißbach entlang. Die müden Knochen werden langsam wieder munter und 2 Stunden später bin ich am Karwendel-Informationszentrum in Hinterriß.

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Noch schnell eine Karwendelkarte gekauft und schon regnet es endlich. Also kommt die gut verpackte Regenjacke wieder aus dem Rucksack. Auf einem schönen Steig geht es leicht bergauf ins Johannistal in Richtung des kleinen Ahornbodens. Ziemlich plötzlich wird der Regen richtig stark und es fängt an zu graupeln. So schnell kann ich die Regenhose gar nicht aus dem Rucksack zaubern. Ich werde richtig nass. Dann fängt es zu allem Elend auch noch zu gewittern an. Heute ist alles dabei und die Stimmung am Gefrierpunkt. Fast die Hälfte der Strecke liegt noch vor mir und nahezu 700 hm sind auch noch zu bewältigen. Irgendwann wird es gemäßigter Regen und es geht auch wieder zügiger vorwärts. Aber vom Ahornboden noch keine Spur. Ich treffe vier Landsleute aus Sachsen, die auch zum Karwendelhaus wollen. Kurzer Plausch und weiter geht es. Nach gefühlten 100 Biegungen sehe ich endlich kleine Ahornbäume. Noch ein kleines Stück und endlich ist er da:

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Die Sonne scheint wieder und ich habe mir nach 5 Stunden strammen Fußmarschs eine Pause redlich verdient. Alles zum Trocknen ausgebreitet, dauert es keine 10 Minuten und es zieht wieder zu. Es kommen zwei Wanderer aus NRW vorbei. Die sind den Adler gelaufen und haben heute die vorletzte Etappe. Ich packe meinen Krempel und ziehe die Regenjacke gleich an. Sehr weiße Entscheidung, da es wenig später wieder regnet. Es wird immer mehr, so dass die Hose auch wieder raus darf.

Ich laufe mal vor, mal hinter den beiden vom Adlerweg und so erreichen wir über schöne Almwiesen zügig die höchste Stelle des heutigen Tages. Noch kurz bergab und plötzlich ist das Karwendelhaus da. Es gibt zum Glück einen guten Trockenraum, genügend Steckdosen, ein schönes Zimmer für mich. Da ich sehr früh da bin, kann ich in Ruhe duschen und sitze jetzt bei einem riesigen Stück Käsekuchen in der Hüttenstube.

Ich muss noch klären, ob man das für morgen anstehende Schlauchkar  begehen kann. Wenn ja, bleibe ich auf der geplanten Route und komme mit der Birkkarspitze auf den mit ca. 2.700 m höchsten Berg des Karwendels.  Liegt noch zu viel Schnee, steige ich nach Scharnitz ab und fahre von dort entweder mit dem Taxi zur Kasten und laufe von dort zum geplanten Etappenort Hallerangeralm oder mit dem Zug nach Hall, um dort zu übernachten. Hängt von der Wettervorhersage ab.

Was bleibt von heute: Man wird sehr demütig und freut sich über jede trockene Minute. Man ist stolz auf sich, wenn man sich an den Haaren selbst wieder aufrichtet, wenn man denkt, es geht nicht mehr. Und man trainiert die eigene Flexibilität, da das Wetter und der Berg mächtiger sind als man selbst.

Viele Wege führen nach Rom aber nicht in die Jachenau

Von der Tutzinger Hütte (1.327 m) nach Vorderriß (792 m)

Auch auf dieser Tour bestätigt sich wieder, dass man auf einer Hütte keine einsamen Abende allein am Tisch verbringen muss. Es sind nur wenige Gäste da und schnell sitzen wir alle an einem Tisch – ein Ehepaar aus Düsseldorf, zwei Jungs aus Berlin und einer aus Freising. Alle sind in Richtung Venedig unterwegs, jedoch wollen oder können nicht alle dahin.

Heute Nacht ist dann der angekündigte Regen gekommen und davon nicht zu knapp. Aufgrund der für eine Hütte relativ späten Frühstückszeit (ab 8.00) war sowieso erst einmal ausschlafen angesagt. Am zweiten Tag wollte ich nicht schon pausieren. Heute morgen stand für alle die Frage im Raum, zu bleiben oder im Regen zu gehen. Nachdem die ehrenamtlichen Wegewarte auch an die Arbeit sind, stand für mich fest, weiterzugehen. Wenn die im Regen arbeiten, kann ich ja wohl laufen.

Ich war die erste, aber alle anderen folgten auch. Auf ging es Richtung Benediktenwand immer stetig bergauf. Ich folgte sklavisch den Weisungen des Wanderführers, der mich nach einem letzten Blick auf die Hütte von einem Sattel im Wald steil bergab führte.

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Nach einer knappen Stunde Gezeiten kam es mir sehr komisch vor, dass es keine Beschilderung mehr gab und die Bäume keine roten Punkte mehr hatten. Nicht mehr weit und der Weg endete an einem Jägerstand.  Ich probierte es gar nicht erst durch den weglosen Wald, sondern bin den ganzen Weg zur Hütte wieder zurück. Frustrierende zwei Stunden und 400 Extra-Höhenmeter später war ich wieder am Ausgangspunkt und begann von vorn. Jetzt als Letzte.

Da ich immer etwas schneller bin, als die Zeitangaben auf den Schildern und im Wanderführer, kam es, wie es kommen musste. Ich habe mich etwas überschätzt und bin einfach zu früh rechts abgebogen.

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Ab jetzt war ich auch dem richtigen Weg und bin steil bergab in Richtung Jachenau, wo ich auf dem anderen Weg nie angekommen wäre. Ein Nachteil bei dieser Tour: Es widerspricht mir keiner 😉

Über glitschige Steige, die volle Konzentration erforderten, lief ich immer entlang eines schönen Baches, aus dem gelegentlich kleine
Wasserfälle entsprangen. Bis Jachenau holte ich fast eine meiner zwei verlorenen Stunden wieder auf. Dort angekommen, habe ich im Gasthof den großen Teil der Gruppe bei der Mittagspause angetroffen

Da ich mir die auch redlich verdient hatte, habe ich mich den Jungs angeschlossen und mir einen guten Schweizer Wurstsalat gegönnt. Mit dem im Bauch ging es auf zum Schlussspurt (3:15 Stunden…). Jetzt würden eigentlich erst die Höhenmeter des Tages kommen. Da muss ich jetzt durch und ich merke meine Oberschenkel doch schon etwas.

Nach 90 Minuten bin ich am Rißsattel und kann hinunter zum Etappenort Vorderriß schauen und auch schon einen Teil der morgigen Wegstrecke sehen. Verlaufen geht morgen nicht.

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Endlich geht es mal wieder in Kehren durch die Südwand. Heute mag ich nicht mehr bergab, es hilft jedoch nichts. Wenigstens regnet es seit Mittag nicht mehr und ich kann ein paar blaue Lücken im grauen Einerlei ausmachen.

Nach 2,5 Stunden bin ich am Ziel und habe:
1. Meine verlorene Zeit fast komplett aufgeholt
2. Ein Einzelzimmer im Gasthof Post
3. Meine Regenkleidung einem Härtetest unterzogen, da ich noch nie stundenlang im starken Regen unterwegs war (Ausnahme: Wanderung mit Christoph und Jan zur Reintalangerhütte, bei der ich diese Ausrüstungsgegenstände noch nicht besaß – Grüße aus der Ferne an Euch beide).

Jetzt warte ich frisch geduscht auf das Abendessen und überlege schon die ganze Zeit, worauf ich Appetit habe. Hunger habe ich auf jeden Fall ☺

Die nächsten Tage könnte es etwas eng mit dem Netz werden, daher bitte nicht auf Einträge warten. Wenn es geht, wird es etwas geben.

Ein etwas hakeliger Einstieg und am Ende eine wunderbare Hütte

Von Bad Tölz (Lenggries) zur Tutzinger Hütte

Etwas aufgeregt war ich wohl doch, zumindest lässt die fast durchwachte Nacht darauf schließen. Der Wecker klingelt und ich habe alles ziemlich schnell zusammengepackt. Jetzt geht es wirklich los.

In Anbetracht der Gewittervorhersage für heute Nachmittag starte ich nicht in Bad Tölz, sondern erst in Lenggries.  Das spart 2 Stunden Flachlandwandern und ich bin früher am Übergang zur Benediktenwand, die man bei schlechtem Wetter nicht machen sollte. Während der Zugfahrt stelle ich fest, dass ich zwar meine internationalen Freifahrten dabei habe, nicht jedoch meinem Berechtigungsausweis. 😯

Dann ist mir noch ein Missgeschick passiert, bei dem ich hoffe, dass ich nur geträumt habe und am Ende alles wieder da ist. Die Stimmung war daher kurzzeitig am Tiefpunkt. Es hilft alles nichts, jetzt werden die Stöcke ausgepackt und es geht in Richtung Brauneck.  Er zählt weder beim Skifahren noch beim Wandern zu meinen Favoriten und auch auf der heutigen Etappe wird es sich nicht ändern. Ziemlich steil, entlang der Skipiste steige ich in etwas mehr als einer Stunde die 700 hm zur Bergstation. Es macht wenig Spaß, ist dafür schnell geschafft.

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Jetzt geht es in ständigem Auf und Ab hinüber in Richtung Benediktenwand. Auf dem Latschenkopf mache ich in der Mittagssonne eine kurze Rast. Das Wetter scheint etwas länger zu halten, was auf diesem Gratübergang viel Spaß macht.

Im weiteren Verlauf wähle ich den Weg über die Achselköpfe, eine etwas anspruchsvollere Variante. Es gibt einige ausgesetzte Stellen und leichte Kletterei. Es macht trotz Rucksack viel Spaß und ich komme richtig gut rein.

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Nach 5 Stunden stehe ich an der Weggabelung zu Benediktenwand oder Tutzinger Hütte. Wenn ich schon mal da bin, nehme ich doch die Benediktenwand noch mit. Da war ich noch nie und wenn ich jetzt schon mal da bin…
Es ist schon etwas Schinderei mit dem Rucksack und den vielen steilen Auf- und Abgängen. Aber am Ende lohnt der Gipfel und die Aussicht alles.

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Ich spute mich doch auf dem Rückweg, da die Wolken immer stärker werden und ich nicht sicher bin, wie schnell die da sind. Dann erwartet mich noch ein langer Abstieg zur Tutzinger Hütte. Hier erwartet mich ein Zimmer und ein wunderbarer Apfelkuchen. Zudem habe ich noch die Qual der Wahl, das Abendessen betreffend.

Vorbereitungen II

22. Juni 2014 – Die Vorbereitungen sind abgeschlossen

Jetzt wird es ernst. Es ist alles vorbereitet und in wenigen Stunden geht es los. Der Rucksack ist fast voll und wiegt mit 3 Litern Wasser ca. 12 kg, was mit dem Gewicht während unserer letzten Tour gut vergleichbar ist. Ich habe die leise Hoffnung, dass das Gewicht über die Tour hinweg etwas leichter wird.

Für alle Neugierigen gibt es ein paar Tourinformationen, obwohl es nicht wirklich sicher ist, wo genau es hingeht, wenn ich den „Traumpfad München – Venedig“ nach ca. 2 Wochen wieder verlasse.

Morgen starte ich in Bad Tölz und es geht über das Karwendel nach Hall/Tirol. Über einen schönen Höhenweg geht es zum Hintertuxer Gletscher und von dort ins Pustertal nach Südtirol. Über die Kreuzwiesenalm geht es in die Dolomiten hinein, deren Höhepunkt für mich die Sellagruppe mit einer Übernachtung im Rifugio Boe auf fast 3.000 m sein wird. Dort werde ich den Traumpfad verlassen und über den Plattkofel die Dolomiten verlassen. Nach einem Zwischenstopp in Bozen möchte ich 2 Etappen auf dem E5 rückwärts über Meran 2000 und Hirzer nach Meran gehen. Dann plane ich nochmals einen „Stadtstopp“ in Meran ein, ehe ich an den letzten 5 Tagen den Meraner Höhenweg um die Texelgruppe herum, in Angriff nehme. Das jedoch ist optional. Sollte es mir unterwegs irgendwo sehr gut gefallen, gibt es einen Wanderstopp, um das Gebiet besser zu erkunden. Ebenso möchte ich bei absolut scheußlichem Wetter auch nicht unbedingt unterwegs sein und ich hoffe, dass ich gerade dann auf einer schönen Hütte bin 🙂

Ich freue mich wie immer über viele Leser und Follower…

 

 

 

 

Hirschberg und Spieser von Bad Hindelang

Eine wunderbare Tour mit Gipfeln, einer Hütte sowie perfekten Wegen ( 4 h / 900 hm / 11 km)

Es sollte endlich mal eine richtige Tour werden, mit der wir die Wandersaison 2014 richtig eröffnen konnten. Und sie war es! Die Anfahrt in das Oberallgäu ist mit 2 Stunden nicht gerade kurz, aber bisher sind wir fast nie enttäuscht worden. So war es auch dieses Mal. In zwei knapp zwei Stunden sind wir von München nach Bad Hindelang gefahren. Schnell die Schuhe gewechselt und über den Marktplatz von Hindelang gehen wir zum nördlichen Ortsrand.
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Gleich anfangs begleitet uns ein Kreuzweg mit 4 Stationen und nach steilem Anstieg über eine kleine Straße gehen wir zum Café Polite, von welchem gerade nur die Grundmauern zu sehen sind. Wenn es wieder geöffnet hat, bietet es sicherlich einen schönen Blick auf Bad Hindelang, Oberjoch und die Allgäuer Alpenkette.

Wir laufen ein kurzes Stück durch den Wald zum Hirschtobel, den wir bis zum Ursprung komplett bergauf begleiten. Es ist ein wunderschöner, enger und steiler Steig, der uns schnell bergauf bringt. Wir laufen immer neben einem Bach, der zur Überwindung des  starken Höhenunterschiedes von Zeit zu Zeit in Wasserfällen mündet. So schnell haben wir noch nie 700 Höhenmeter überwunden. Man merkt den Anstieg kaum, so schön ist die Umgebung. Über einen Wiesensattel steigen wir zur einzigen Hütte auf der Tour auf. Die Hirsch-Alpe bietet Allgäuer Kost und endlich mal eine richtig gute Buttermilch. Wir genießen die Alpe und den Ausblick nur kurz, da der Wind ziemlich kühl und stark ist.
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Also auf zum Gipfelanstieg auf den Spieser, der einen herrlichen Rundblick u.a. auf den Grünten, Oberjoch und das Nebelhorn bietet. Von dort steigen wir einen steilen Steig abwärts zu einigen Alpen, die nur Kühen reichlich Fressen und Wasser bieten. Durch eine Weide mit Kälbchen und deren Müttern steigen wir zum etwas niedrigeren Hirschberg auf. Von dessen Gipfel können wir tief unten im Tal auf Bad Hindelang schauen. Der Abstieg ist jedoch nicht so schlimm, wie gedacht. Es geht in vielen Kehren mal durch den Wald, mal im offenen Gelände bergab. Es ist schön zu laufen und so sind wir am Ende eine Stunde schneller, als beschrieben, wieder im Tal.
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Für den Einstieg oder auch für einen schönen Herbsttag eine wirklich tolle Tour.